aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Februar 2010
KGS Traumkolumne von Klausbernd Vollmar - Der Traum vom Weltraum


„Ich sehe den Weltraum. Er ist unendlich. Wenn ich ihn mit geschlossenen Auge male, kann ich ihn begreifen.“
Dies träumte eine Berliner Malerin während einer Phase, in der ihr künstlerischer Ausdruck blockiert war.

Die Unendlichkeit des Welt-raums ist ein anschauliches Bild für die unbegrenzten Möglichkeiten, die Welt künstlerisch darzustellen. Aber als endliche Wesen jagt uns die Unendlichkeit Angst ein. Sie ist eine Nummer zu groß, um von Menschenhand abgebildet zu werden. Genau dieses bedrückende Gefühl macht den Kern der Blockierung aus. Wie so viele Träume weist auch dieser Traum auf die Lösung des Problems. Sie liegt im vordergründigen Paradox des Malens mit geschlossenen Augen. Das bedeutet in der symbolischen Sprache des Traums, dass die Künstlerin ihren Blick nach innen wenden muss, um wieder kreativ schaffen zu können. Betrachtet sie den Weltraum als Raum der Welt von außen, also als Objekt, das getrennt vom erkennenden Subjekt existiert, ist sie überfordert. Ändert sie ihre Blickrichtung, um den Raum der Welt in sich zu erkennen, kann sie ihn begreifen.
In diesem Traum wird der Trick eines jeden Kreativen angesprochen, nämlich seine gewohnten Blickrichtung zu verändern, da diese meist der Konvention entspricht. Solange ich das Objekt als getrennt von mir betrachte, wird mir seine Abbildung Schwierigkeiten bereiten. Der Clou des kreativen Ausdrucks liegt darin, das Objekt zu verinnerlichen und es auf diese Weise in sich zu erkennen. Dann kann ich es begreifen, wobei begreifen als aktive Handlung, die in ihrer ursprünglichen Bedeutung auf die Hände verweist, für das künstlerische Schaffen steht.
Das Symbol der geschlossenen Augen weist auf die Innenschau, die den Gegensatz zum automatisierten Blick auf die Außenwelt darstellt. Diese subjektive Sicht der Welt ist das, was Kunst ausmacht. So verwundert es nicht, dass viele Künstler wie zum Beispiel Marc Chagall und Frank Schätzing ihre Inspirationen im Traum bekamen.

Wünschen Sie Hinweise zum Verständnis Ihrer Träume, schicken Sie Ihren Traum an mail@kbvollmar.de, Stichwort: KGS Traumkolumne, alles anonym, diskret und kostenlos.


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.