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Ausgabe Februar 2010
Eine Brücke aus silbernen Fäden
Das Reich, in der die Musikerin Jocelyn B. Smith ihre Kreativität auslebt, ist Soul und Jazz. Wie ihre Lieder entstehen, verrät sie im Gespräch mit Haidrun Schäfer


Haidrun Schäfer: Du bist Musikerin und komponierst deine Stücke selber. Wie entstehen deine Lieder?

Jocelyn B. Smith: Indem ich meine Ohren spitze... Das klingt komisch, aber es ist wirklich so: Ich fühle die Beziehung zwischen Himmel und Erde ...

Jeder Kontakt ist für mich wie eine Einladung, mich weiter zu öffnen und bereit zu sein für diese andere Ebene. Jeder Künstler ist mit dieser Ebene verbunden - egal ob Musiker, Maler oder Schriftsteller. Wir alle haben einen Draht, um die Informationen "herunterzuladen". Nach der Wahrnehmung habe ich dann die gelernten Werkzeuge zur Verfügung, um das Geschenk hier in eine musikalische Form quasi zu übersetzen. Ich habe gelernt, Töne in Noten darzustellen und ich habe gelernt, wie man eine musikalische Idee auf einer Bühne oder in einem Studio umsetzt.


Ist der "Kanal" immer gleich offen oder gibt es Unterschiede?

Es gibt deutliche Unterschiede. An manchen Tagen ist Funkstille und dann gibt es Momente, wo die Verbindung so klar und deutlich und gigantisch ist, dass ich einen kompletten Titel empfange. Für diese Momente lebe ich - das ist wirklich beeindruckend, wenn ein kompletter Titel wie ein Geschenk offenbart wird. Das ist wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Alle großen Musiker wie Mozart oder Beethoven waren mit diesem Kanal verbunden. Ein Meisterwerk hat nichts mit Fleiß und Lernen zu tun, sondern mit der Offenheit, Informationen aus dem Universum zu empfangen.


War das bei dir von Anfang an so?

Aus unserer Tradition als Schwarze haben wir ein sehr spirituelles Weltbild, d.h. für uns ist es normal, dass es eine Verbindung zu den geistigen Welten gibt. Ein Teil meiner Familie ist american-indian und gleichzeitig fließt in unseren Adern afrikanisches Blut. Außerdem habe ich zusätzlich noch europäische Wurzeln - ich habe irische, schottische und portugiesische Vorfahren.


Damit bist du gut ausgerüstet...

... und das hat auch damit zu tun, dass ich von New York nach Europa zurückgekommen bin. Diese alten Wurzeln berühren mich sehr. Ich fühle mich mit der Druiden-Tradition und der damaligen Musik sehr verbunden. Die Musik basierte auf einer anderen Tonart als heute - sie war mehr auf die Herzfrequenz ausgerichtet. Heute ist ein Klavier auf 440 Hertz gestimmt, damals war es eine andere Frequenz.


Gibt es auch Situationen, wo du dich einfach ans Klavier setzt und nach einer Melodie suchst?

Ja, das ist die professionelle Seite. Natürlich gibt es Situationen, wo ich mit dem Ziel übe, eine Melodie zu komponieren. Aber letztendlich sind die Ideen, die dann entstehen, auch aus dem göttlichen Kanal. Entweder der Kanal ist auf oder zu. Es gibt auch Tage, wo es nicht fließt.


Die Tonleiter besteht aus der sehr begrenzten Zahl von sieben Tönen. Wie kann da immer wieder eine Melodie herauskommen, die es noch nicht gibt?

Die Tonleiter ist wie das Lichtspektrum: So wie es Primärfarben gibt, so gibt es die Tonleiter. Die sind menschengemacht. Aber darüber hinaus gibt es das Universum mit seiner unermesslichen Vielfalt. Dieses Spektrum ist so gigantisch, dass wir immer nur einzelne Teile herunterladen und auf der Erde manifestieren. Jeder Künstler hat sich auf eine Sache spezialisiert und kann dann die entsprechenden Informationen in seiner Sprache oder in seiner Form manifestieren.


Spielt der eigene Erfahrungshintergrund eine Rolle?

Natürlich. Die Erfahrungen eines Menschen sind wie ein Resonanzraum, auf dem die Saite erklingt. Ich werde z.B. nie ein klassisches Werk wie Mozart kreieren, denn mein Resonanzraum ist der Jazz und der Soul. Und das schließt an die vorherige Frage an: Es gibt so viele Melodiekombinationen wie es Individuen oder Charaktere oder auch Gefühlsschwankungen gibt. Die Welt ist so bunt und vielfältig - wieso sollte es bei Melodien anders sein? Jede Schneeflocke hat eine ganz individuelle Form und auch wenn die Zebras für uns nur wie Zebras aussehen, hat jedes eine ganz eigene Zeichnung. Und trotzdem schöpfen wir alle aus der selben Quelle. Manchmal ist es so, dass ähnliche Musikzyklen an den unterschiedlichsten Teilen der Welt gleichzeitig komponiert werden. Wir sind alle reisende Seelen, die mit der gleichen Quelle in Verbindung stehen.


Das ist auch das Thema deiner letzten CD: "Wir, das Ich in Dir", die du mit vielen,vielen Kindern aufgenommen hast. Wie viele waren es eigentlich?

Insgesamt ungefähr 50. Das war eine wunderschöne Arbeit, denn Kinder sind noch so offen für die Verbindung untereinander und für Idee, dass wir alle aus der selben Quelle zapfen. Es war bereichernd zu sehen, wie die Kinder die Idee aufgenommen haben, dass wir jederzeit diese Quelle wie eine Batterie anzapfen können. Mit dieser CD haben wir einen kleinen Meilenstein gesetzt, auch wenn wir damit nicht die Charts erobern werden. Und wenn alles gut geht, werden wir Anfang Juni ein besonderes Event in Berlin auf die Bühne bringen.

Von dem du uns vorher berichten wirst. Bis dahin weiterhin Erfolg, die Herzen der Menschen zu berühren.

„Wir, das Ich in Dir!“ – ein musikalisches Hörbuch, Parlando Verlag, zu beziehen über www.blondell.de und bei Dussmann – der Kauf einer CD unterstützt den Förderverein www.yeswecan-berlin.de für Kinder in Not


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