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Ausgabe Februar 2010
Lichtes Sein
Eine Anleitung zur Vision und zum Zeichnen von Christian Salvesen


Die Farbstiftzeichnungen von Christian Salvesen sind ohne eine bestimmte Absicht entstanden. Die Technik ist spielerisch einfach und kann leicht erlernt werden.

Einheit:
Ich zeichne und male seit früher Kindheit. Jeder hat als Kind Bilder gemalt. In der Schulzeit erscheint es vielleicht zunehmend als Leistungsdruck (Zensuren) und schließlich entscheiden sich nur wenige, Künstler zu werden oder weiter in dieser Richtung kreativ zu sein. Das ist sehr schade. Aber jeder kann jederzeit wieder da anfangen, wo er als Kind begann. Das ist, wie ich finde, auch ein wichtiger Aspekt der (Selbst-) Heilung: Selbst kreativ zu sein, nur so, zum Spaß, aus Freude daran, sich in Farben und Formen (oder auch im Singen, Tanzen etc.) auszudrücken. Das Leben selbst lässt hier durch diese „Person“ (personare = durchtönen) etwas Neues entstehen. Tatsächlich geschieht das mit jedem Gedanken, jeder Geste, jedem Satz. Doch im Gestalten eines Bildes kann uns vielleicht noch eher bewusst werden, dass wir uns dabei selbst transzendieren und so zum Ganzen werden.
Nun, ich wurde in der Schule in meiner künstlerischen Begabung bestätigt und wollte auch Kunst studieren, doch ein tiefgreifendes Erlebnis, die Auflösung des begrenzten Ich in eine All-Seele, führte mich zur Philosophie. Ich hörte allerdings nicht auf zu zeichnen und zu malen, und der Stil der Bilder änderte sich drastisch. Das geschah eigentlich unwissentlich. Viel später erkannte ich die Darstellung der zunächst verstörenden mystischen Einheitserfahrung.

Hier sind die Formen genau gezeichnet, also intendiert. Etliche Jahre später brachte eine ganz andere Technik mit Farbstiften ein ähnliches Ergebnis. Wieder erschienen in den übereinander gelagerten Schichten eigenartige Formen und Gesichter, nur nicht so eindeutig. Jeder Betrachter sieht etwas anderes. Ich werde diese meines Wissens einmalige Technik in diesem Artikel an jeden ganz praktisch vermitteln, der sich dafür interessiert.


Idee und Kunst:
Doch zuvor einige philosophische Betrachtungen. Der Philosoph Arthur Schopenhauer sah in Kunst, Musik und Meditation den Ausweg für unser in Raum und Zeit gefangenes Ich-Bewusstsein. In der Kunst bis zu seiner Zeit wurden Dinge (Landschaften, Menschen) ziemlich realistisch dargestellt. Doch er meinte, in Anlehnung an Plato, dort würde eine zeitlose Idee sichtbar. Wieso? Sein Beispiel: Sehen wir auf einem Bild ein Gewitter, bekommen wir keine Angst. Wir erkennen durchaus das Wesen von Gewitter, die dunklen, drohenden Wolken usw., können das in aller Ruhe – ohne Überlebensangst wie in der Natur – aufnehmen. Wie wäre es umgekehrt, wenn wir ein reales Gewitter wie ein Bild oder einen Film erlebten? Das ist die innere Distanz, zu der Schopenhauer anregen wollte.
An diese Ideen knüpften im 20. Jahrhundert die Phäno-menologen Edmund Husserl und Jean Paul Sartre an. Nehmen wir einfach nur den reinen Inhalt einer Wahrnehmung, so ist das wie ein Film – wir selbst entscheiden, ob es wirklich ist oder nicht. Da im Park – ein Mensch. Steht merkwürdig still. Erst beim Näherkommen erkennen wir: Es ist nur eine Statue. Sofort ist unser Verhalten völlig anders. Wir sagen nicht „Guten Tag“ und erwarten keine Antwort.

Wir sehen zwar einen Menschen – wie Sartre sagt: ‚durch die Materie der Statue hindurch’, doch er ist nicht real, sondern imaginär. Wir zaubern ihn gleichsam herbei. Der dargestellte Mensch selbst bleibt dabei unerreichbar – Platos Idee, jenseits von Zeit und Raum. Mit jedem Bild, gleichgültig ob gegenständlich oder abstrakt, erschaffen wir eine ideale Welt. Unerreichbar, unberührbar und doch auf eine Weise erfahrbar, die ins Mysterium des Seins führt.
In meinen Bildern scheint Licht durch die imaginierten Formen zu strahlen. Das ist nur ein Spiegel. Wir selbst sind das Licht des Bewusstseins, das überhaupt erst diese geheimnisvolle Welt erscheinen lässt.

www.christian-salvesen.de

Selber zeichnen:
Die Bilder, die Sie hier sehen, sind mit Buntstiften gezeichnet. Sie können, wenn Sie wollen, ähnliche Bilder kreieren.
Nehmen Sie ein Blatt Papier (zunächst normal Din A 4) und 3-5 Buntstifte. Zeichnen Sie in einer Grundfarbe (z.B. blau) gleichmäßig von links nach rechts Flächen füllend die Seite voll. Sie können mal dichter, mal leichter stricheln, doch noch keine Figuren planen. Bewegen Sie den Buntstift weiter locker von links nach rechts. Nun nehmen Sie eine andere Farbe – z.B. ocker oder rot – und gehen mit dem Stift in anderer Strichrichtung über die erste Farbe. Dabei werden Sie Unregelmäßigkeiten bemerken. An manchen Stellen ist es heller, an anderen dunkler. Hier schaltet sich intuitiv Ihr Gestaltungsbewusstsein ein.
Sie erkennen ansatzweise ein Gesicht, drücken an der Stelle weniger stark oder stärker auf. Schließlich können Sie noch mit einer weiteren Farbe gezielt bestimmte Formen herausarbeiten. So sind im Prinzip meine Farbstiftzeichnung entstanden. Ich habe einfach nur die Striche dicht aneinander geführt, vielleicht vergleichbar einer QiGong-Bewegung und dabei beobachtet, was entsteht. Mein Gefühl dabei war gut und in einem unspek-takulären Sinn erfüllend.


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