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Ausgabe November 2009
EMDR - Therapie & Coaching

Hinter diesen 4 Buchstaben, die ausformuliert für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ stehen, steht ein Heilkonzept, das in seiner Wirksamkeit einzigartig ist.
Von Andreas Zimmermann

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EMDR wurde in den Jahren 1987 - 1991 von Dr. Francine Shapiro entwickelt. Alles begann mit einem Zufall: Auf einem Spaziergang bemerkte sie, dass stark belastende Gedanken plötzlich verschwanden und nicht wiederkamen. Sie recherchierte, was an diesem Spaziergang so besonders war und fand heraus, dass ihre Augen sich ständig – bedingt durch den Lichteinfall der Bäume – hin und her bewegten. Aus diesen zufälligen Augenbewegungen entwickelte Dr. Shapiro das Konzept einer Serie von gezielten Augenbewegungen, genannt „bilaterale Stimulation“.


In seiner ursprünglichen Form sah das Setting vor, dass der Klient mit seinen Augen den Bewegungen der Hand des Therapeuten folgt, während er gleichzeitig mit seiner Wahrnehmung auf einen speziellen inneren Fokus gerichtet ist. Da das Verfahren sich am Anfang ausschließlich der Augenbewegungen bediente, erhielt es den Namen EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Heute gibt es neben den klassischen Augenmustern noch differenziertere Bewegungen sowie auch auditive und kinästhetische Stimulationsformen.


Zunächst erprobte sie EMDR an Freunden, Bekannten und Kollegen und schließlich an den ersten Klienten. Danach folgten intensivste Studien speziell mit Traumapatienten, wie Vietnam-Veteranen, Missbrauchsopfern und anderen Personen mit PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung).



Mittlerweile findet EMDR auch Anwendung bei nahezu sämtlichen Angststörungen, Phobien, substanzgebundenen Süchten, psychosomatischen Störungen, Schmerzzuständen, und die Indikation weitet sich immer mehr aus. Sogar ein spezielles Coaching-Konzept wirkt höchst effizient auf der Basis von EMDR.



Wie EMDR genau funktioniert, was sich dabei im Gehirn abspielt, ist noch weitgehend unbekannt. Eine Abhandlung von Dr. Shapiro belegt, dass sich die Wirkungsweise von EMDR mit jedem zur Zeit gültigen Therapiekonzept in Einklang bringen lässt.


Man weiß jedoch, dass normalerweise Erlebnisse vom Gehirn bearbeitet und abgespeichert und wenn nötig geheilt werden, so wie eine kleine Schnittwunde ganz von selbst im Laufe der Zeit verheilt. Ein starkes Trauma jedoch überfordert diese Verarbeitungsfähigkeiten. Dadurch kann es zu allen denkbaren Störungen, Ängsten und Blockaden kommen. Das weitere Leben steht im Schatten des Erlebten.


Die unterschiedlichsten Langzeitstudien mit EMDR weisen nach, dass dieses Verfahren schneller und besser wirkt, als sämtliche anderen bekannten Therapiekonzepte. Wenn sich heute in der Zeitung Berichte über Amokläufer, Sparkassenüberfälle etc. finden, können wir davon ausgehen, dass fast immer sofort EMDR-Therapeuten hinzugerufen werden, um im Rahmen einer therapeutischen Erstintervention traumatisches Geschehen von den Opfern abzuwenden – mit Erfolg.


In meiner eigenen Praxis bestätigen sich diese Ergebnisse. Das Arbeiten mit EMDR ist ein spannender Prozess, bei dem Klient und Therapeut gleichermaßen die Veränderungen wahrnehmen können. Milton Erickson hat schon gesagt: „Es ist in der Therapie nie verkehrt, wenn nicht nur der Therapeut mitbekommt, dass sich beim Klienten etwas verändert hat“. Gerade hier liegt eine absolute Stärke von EMDR. Ich habe in meiner bisherigen Praxis kein Verfahren kennengelernt, das so schnell so intensiv wirkt – auf jeder Ebene.


In den Studien wird viel Wert darauf gelegt, ehemalige Klienten nach längeren Zeiträumen erneut zu befragen. Und die Ergebnisse sind mehr als zufrieden-
stellend. Insbesondere, weil der Therapieerfolg innerhalb weniger Sitzungen erreicht wird – oftmals genügen zwei bis vier Sitzungen.


Skeptikern von EMDR sehen sich einem Verfahren gegenüber, das wie kein anderes seine Wirksamkeit in Tests und Langzeitstudien belegt hat. Die Methode ist u.a. von der American Psychological Association (APA) und der International Society for Traumatic Stress Studies (ISTSS) als effektiv anerkannt.



Dennoch ist EMDR kein Wundermittel. So macht es keinen Sinn, einen Klienten zu behandeln, der nicht bereit ist, den sekundären Krankheitsgewinn aufzugeben. Natürlich gibt es Verläufe, die mehr Zeit beanspruchen. Jeder Klient hat seinen eigenen Rhythmus und sein eigenes Tempo. Ferner darf und sollte eine Behandlung nur von einem Therapeuten durchgeführt werden, der qualifiziert in EMDR ausgebildet ist und generell über fundierte therapeutische Erfahrung verfügt.



Mittlerweile verknüpfe ich EMDR-Techniken mit NLP-Formaten. Auch hier sind die Ergebnisse in Coaching-Prozessen einzigartig. Ich habe dieses Verfahren „Bilaterales Coaching“ genannt, und es wird immer mehr Bestandteil meiner Arbeit - am Anfang in Ansätzen – mittlerweile aufgrund der hohen Wirksamkeit in erheblichem Umfang.


Hier nur ein kleiner Ausschnitt von Fällen,
die ich mit EMDR begleitet habe:


Im Rahmen der Behandlung eines traumatischen Missbrauchserlebnisses konnte in wenigen Sitzungen eine erhebliche Besserung erfahren werden. Flashbacks blieben aus, selbstzerstörerische Gedanken tauchten nicht mehr auf und die Patientin war nach der Behandlung emotional wesentlich stabiler. Der Behandlungserfolg hält sich bis zum heutigen Tag.


Mit einer besonderen EMDR-Technik führte die Behandlung eines Alkoholabhängigen in 5 Sitzungen zur Abstinenz seit nunmehr 2 Jahren.


Eine generalisierte Tierphobie löste sich in wenigen Sitzungen. Dir Klientin war direkt nach der Sitzung in der Lage zu reiten und Hunde zu streicheln.


Eine Vogel-Phobie löste sich in zwei Behandlungsstunden auf. Die Klientin konnte an einer Flugschow einer Falknerei teilnehmen und die Tiere sogar streicheln.

Eine Pferde- und Katzenhaarallergie löste sich nach vier Behandlungsstunden weitestgehend auf. Sämtliche Beeinträchtigungen der Atemwege waren völlig verschwunden, eine leichte Hautreaktion blieb noch bestehen.


Eine Spritzenphobie im Rahmen von Zahnarztbehandlungen verschwand in nur einer Sitzung. Die Klientin ließ sich direkt nach der Sitzung eine Injektion in den Mundraum geben und ist auch heute noch angstfrei.

Die Arbeit mit extremer Prüfungsangst ließ den Prüfling gelassen und erfolgreich in die bevorstehende Heilpraktikerprüfung gehen.


Ein anderer Klient, der unter Blackouts in Prüfungen litt, konnte mit Hilfe einer EMDR-Coaching-Technik das Wissen ganz locker in der Prüfung abrufen.

Der Autor Andreas Zimmermann ist seit Anfang der 90er Jahre Aus- und Weiterbilder in den Bereichen Psychotherapie und Management. Er ist Gründer und Leiter der EMDR-Akademie und Mitglied von EMDR-Austria. Er ist einer von ganz wenigen Heilpraktikern Psychotherapie, denen in Österreich eine EMDR-Ausbildung aus erster Hand zuteil wurde, bevor auch dort, wie in den meisten Ländern, die Zulassung zur Ausbildung auf Ärzte und Diplompsychologen beschränkt wurde.

weitere Infos: www.nlp-hypnose-berlin.de


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