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Ausgabe November 2009
Gewahrsein schulen

Meditation ist eine Praxis, um den Geist zu schulen. Warum nicht schon im Kindesalter damit beginnen und die Wahrnehmung des Körpers, der äußeren Welt, der eigenen Gedanken und Gefühle verbessern? Von Haidrun Schäfer.

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Viele Menschen assoziieren mit Meditation immer noch ein Stück weit Weltfremdheit und das Kloster auf dem tibetischen Berg. Dabei ist die Grundidee der Meditation weder religiös noch buddhistisch, sondern es geht um Geistestraining und Selbsterfassung. Für Kinder bedeutet die Praxis höhere Lernfähigkeit, ein besseres Gedächtnis und eine gesteigert Selbstwahrnehmung.

In den Schulen und Universitäten wird unser Denken trainiert, nicht aber unser Geist. Denken und Geist sind nicht identisch. Im Buddhismus werden die Gedanken mit einem agilen Affen verglichen, der nie zur Ruhe kommt. Deshalb üben die Praktizierenden meditative Techniken, um die Gedanken und Emotionen zu lenken und ihnen nicht ausgeliefert zu sein.
Durch meditatives Schulen unseres Geistes erleben wir nach wie vor Emotionen, entwickeln ihnen gegenüber aber mehr Gleichmut. Durch Meditation können Kinder schon früh lernen, ihre Gedanken und Emotionen überhaupt erst einmal zu beobachten und kennen zu lernen. Das befähigt sie zu einem viel souveräneren Umgang und bewahrt vor ohnmächtigem Ausgeliefertsein.

Die Palette verschiedenster Meditationsübungen ist groß: Sie umfasst aktive Konzentrationsübungen, beobachtende Atemübungen und den beobachtenden Blick von außen auf unsere Emotionen. Man kann Mantren zur Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung einsetzen und natürlich ist eine regelmäßige Meditationspraxis eine Möglichkeit, den alltäglichen Anforderungen einen Moment der Ent-spannung entgegen zu setzen.

Eine schöne Übung für Kinder – und auch Erwachsene – ist folgende: Der oder die Meditierende schließt die Augen und wird mit verschiedenen Gegenständen wie z.B. einer Feder, einer Bürste oder einem Tuch an unterschiedlichen Körperteilen wie Gesicht, Hände oder Arme berührt. Für schon ältere Kinder eignet sich diese Anregung: Während des achtsamen und bewussten Gehens sagen sich die Kinder innerlich „Ich gehe“ oder „Ich sehe...“ oder „Ich höre...“ oder „Ich fühle...“, ohne die Gedanken dann weiterzuverfolgen. Anschließend ist es spannend zu fragen, wer dieses „Ich“ eigentlich ist, das die unterschiedlichen Empfindungen und Wahrnehmungen verspürt.

Meditation hilft, in das Wesen des Geistes vorzudringen. Genauso können wir in das Wesen der Dinge vordringen. Wenn wir sie in ihre Einzelteile zerlegen, entsteht die Frage: Was ist ein Tisch oder ein Lied oder ein Wort? Ein Ganzes ist immer mehr als die Summe seiner Teile. Welche Form der Meditation man auch wählt, man fördert einen aktiven und bewussten Umgang mit der Realität.

Buchtipp
David Fontana/Ingrid Slack: Mit Kindern meditieren,
O.W. Barth, 2. Auflage 2009,
München, 283 Seiten, 14,95 Euro


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