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Ausgabe Juni 2009
Ahnen und Naturkräfte - Schamanische Arbeit im Familienstellen


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Andrea Drohla ist Diplom-Pädagogin, Systemaufstellerin und Reiki-Lehrerin. Zum zweiten Mal bietet sie ab September 2009 ein Jahrestraining an, das alle Elemente und Erfahrungen ihrer Arbeit vereint. Andrea Drohla im Gespräch mit Haidrun Schäfer.

Haidrun Schäfer: Ihr Projekt ist ein neues Jahrestraining. Was wird dort stattfinden?

Andrea Drohla: Ziel meiner Arbeit war schon immer, Menschen zu unterstützen, einen Prozess der Bewusstwerdung in Gang zu setzen und die Potenziale, die in jedem Menschen ruhen, freizusetzen und diese zu leben. Als Mittel nutze ich Energiearbeit, Familienaufstellungen und schamanische Techniken. Meine Stärke liegt darin, Symptome, die im Alltag auftauchen, als Schlüssel zu nutzen, um herauszufinden, was in das Hier und Jetzt aus der Vergangenheit hinein wirkt.


Was sind typische Probleme?

Schwierigkeiten im Beruf sind typische Anzeichen, dass jemand nicht sein volles Potenzial nutzt. Das können z.B. Unzufriedenheit, Ziellosigkeit oder Entfaltungseinschränkungen sein. Auch Beziehungsprobleme sind ein Zeichen, dass das Leben noch viel mehr zu bieten hat. Ebenso Sorgen um heranwachsende Kinder. Oft finden Menschen zum Familienstellen, wenn es Probleme mit den Eltern oder Geschwistern gibt. Außerdem sind alle Anzeichen von körperlichen oder psychischen Störungen Hinweise, dass Potential brach liegt, welches es zu entdecken gilt. Das Jahrestraining ist im Grunde eine Einladung an Menschen, die mitten im Leben stehen und ihre Lebensqualität verbessern wollen. Die jetzige Jahresgruppe ist eine bunte Mischung vom Menschen aus unterschiedlichsten Lebenssituationen, die der Wunsch vereint, die eigenen Kräfte, Talente und Potentiale auszuleben.


Welche Werkzeuge setzen Sie im Jahrestraining ein?

Ein zentrales Mittel ist natürlich das Familienstellen, das aber über die klassischen Methoden hinausgeht, denn ich beziehe schamanische Techniken mit ein. Ein wunderbares Hilfsmittel sind Rituale, in denen Naturkräfte eingeladen werden wie z.B. die Kräfte der vier Himmelsrichtungen. Während solch eines Rituals kann erspürt werden, wo Energie fließt und in welchen Bereichen es stagniert. Jede Himmelsrichtung repräsentiert eine andere Qualität und wir laden die Kräfte der Natur ein, um eine Balance zu finden. Wir sind alle in den Wandel der Tages-, Jahres- und Lebenszeiten einbezogen. Der Wandel gehört zu unserem Leben, auch wenn wir manchmal eingreifen und festhalten wollen. Der Osten steht für Neubeginn, für Ideen und das Planen, was dann mit der Energie des Südens, der Energie der vollen Aktivität umgesetzt wird. Der Westen steht für das Auswerten, Reflektieren und Sortieren von Brauchbaren und Unbrauchbaren und im Norden finden wir die Ruhephase. Es gibt Menschen, die haben in einem dieser Bereiche zu viel, in anderen zu wenig oder bleiben in einem der Bereiche stecken. Um den Wandel des Lebens zuzulassen, kann so ein Ritual sehr dienlich sein, weil man Dinge an sich entdeckt, die einem vorher völlig unbekannt waren – die so genannten blinden Flecken.


Was sind andere schamanische Techniken?

Schamanischen Lieder und Töne, die aus der Energie des aufgestellten Feldes frei werden, sind oft sehr öffnend und bewegend. Und Ahnenrituale lassen die Teilnehmer die kraftvolle Unterstützung ihrer Vorfahren erleben – etwas, was sonst schwer vorstellbar ist. Die Erdung und „Rückendeckung“ zu erleben, gibt Kraft und Gelassenheit für die nächsten fälligen Schritte und hilft auch, den richtigen Zeitpunkt zum Handeln zu finden oder manchmal auch abwarten zu können. Eine andere Möglichkeit der schamanischen Arbeit ist das Herbeirufen unterstützender Kräfte. Das können heilsame Kräfte aus der anderen Welt sein, die sich dann über die Stellvertreter zeigen, z.B. heilsame weiblich oder heilsame männliche Kräfte, Krafttiere u.v.m.


Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Familienaufstellungen mit schamanischen Techniken zu kombinieren?

Entscheidend inspiriert wurde ich durch die Arbeit von Daan van Kampenhout. Er hat den Schamanismus mit dem Familienstellen verbunden. Ursprünglich kommt er aus der Tradition des Schamanismus, hat dann die Arbeit von Bert Hellinger kennen gelernt und daraufhin die beiden Techniken miteinander kombiniert. Aus meinem Erleben legt Daan van Kampenhout u.a. den Fokus seiner Arbeit auf stärkende Kräfte aus dem Ahnenfeld unter Einbeziehung der Naturkräfte. Das hat mich sehr bereichert.

Was mich bei Familienaufstellungen gestört hat, war, dass die Menschen nach Aufdecken von entsetzlichen Situationen allein gelassen wurden.

Ich bin auf jeden Fall dafür, dass der Aufstellungsleiter als Kontaktperson präsent bleibt. Aber diese Haltung hat natürlich einen Hintergrund. Familienaufstellungen sind eine Kurztherapie. Das Aufstellen des Familienfeldes bewegt meist sehr tief, weil schicksalhafte Ereignisse sichtbar werden, die die Familie geprägt haben und deren Wirkungen noch immer bis in die Gegenwart spürbar sind. IMMER kommt etwas ins Bewusstsein, was vorher schon da war in uns, nur eben unbewusst. Allein dieser Bewusstwerdungsprozess ist schon erleichternd. Er ermöglicht Lichtblicke, Muster zeigen sich, Zusammenhänge werden erkannt. Aufstellungen wirken jenseits von Worten, Verstand und Logik und insofern ist es sinnvoll, wenn sie weder zerredet noch analysiert werden. Die meiste Kraft wird freigesetzt, wenn man das aushält und im Stillen verarbeitet und wirken lässt. Die Seele hat diese Kraft, sonst würde der Prozess gar nicht erst in Gang kommen.
Und genau hier liegt der Vorteil von einem Jahrestraining. Viele Methoden der Familienaufstellung begnügen sich mit der Arbeit des Aufstöberns irgendwelcher Konfliktfelder. Meines Erachtens geht aber dann die Arbeit erst los, denn es geht um Heilung und um die Erkenntnis, was derjenige braucht, um den heilsamen Schritt gehen zu können. Braucht er es, aufgestört zu werden, weil er zu festgefahren ist? Oder braucht er Trost und unterstützende Kräfte? Der Vorteil an dem Jahrestraining ist, dass man nicht nach einem Abend oder Wochenende wieder auseinander geht. Dadurch können sich Körper und Seele auf eine langsame Wachstumsphase einlassen und müssen nicht alles an einem Termin lösen. Es ist ein Bewusstseinsprozess, der in Gang gesetzt wird und langsam wachsen kann. Übrigens entstehen als angenehmes Nebenprodukt in solchen Gruppen tiefe Freundschaften.


Aus wie viel Teilnehmern besteht eine Gruppe?

Die jetzige besteht aus sieben festen Teilnehmern, die sich ein Mal im Monat an einem Wochenende treffen. Zu jedem Treffen kommen Menschen dazu, die aufstellen wollen und damit die feste Gruppe mit verschiedensten Themen bereichern.


Wie gestaltet sich so ein Wochenende?

Wir machen natürlich nicht eine Aufstellung nach der nächsten, denn Aufstellungen können nicht „wie am Fließband“ absolviert werden. Mir ist wichtig, dass es unterschiedliche Phasen gibt. Dazu gehören Phasen von Bewegung mit Musik und Tanz, die sich mit Phasen der Ruhe und Meditation abwechseln. Außerdem gibt es Austauschphasen, wo jeder die Möglichkeit hat, sich mitzuteilen: Erlebnisse zu teilen, zu fragen und zu lernen. Und nicht zu vergessen: das Ganze darf Spaß machen. Es wird zwischendurch immer wieder viel miteinander gelacht. Die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, sind oft ernst genug.
Da ich auch Reikilehrerin bin, werden außerdem Einstimmungen als Teil der Ausbildung angeboten. Hierbei geht es nicht nur um das Handauflegen, sondern Reiki ist ein „Entwicklungsbeschleuniger“. Es unterstützt das Energiesystem, sich zu entfalten und zu stärken und das Herz zu öffnen. Durch Reiki vertieft sich die Wahrnehmung und das „zu sich kommen“. Wir erleben, wie bereichernd das Geben sein kann.


Wie sah Ihr Weg aus, um bis zu diesem Punkt zu kommen?

Ich war 18 Jahre lang als Mathematiklehrerin im ganz normalen Schulsystem tätig. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht, aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass der Rahmen einfach zu eng war, um wirklich etwas zu bewirken. Als ich die Hara-Awareness-Massage kennen lernte, machte ich das zu meinem Beruf. Über diese Arbeit habe ich erfahren, was meine Mitte ist. Aber dabei blieb es nicht und kurz darauf habe ich Ausbildungen zur Familienaufstellerin hier in Berlin gemacht. Mich störte sehr schnell, dass es immer nur um das Aufspüren von Problemsituationen ging, aber der Schritt zur Heilung, insbesondere der Herzheilung fehlte mir oft. Durch einige Zufälle kam ich mit Reiki in Kontakt und habe dann innerhalb von einem Jahr alle Grade bis zum Lehrergrad gemacht. Im Laufe der Jahre habe ich nun selbst etliche Menschen in Reiki ausgebildet und viele Familienaufstellungen geleitet und dann kam die Anregung: Mach doch ein Jahrestraining! Konzipiert ist es für Menschen, die es für ihren persönlichen Weg nutzen wollen, aber auch für diejenigen, die es in ihrer Arbeit anwenden wollen und selber Lehrer oder Therapeut sind.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!


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