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Ausgabe Juni 2009
Schamanismus - Medizin der Freiheit


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Es gibt an der Samuel Hahnemann Schule (SHS) auch einen Ausbildungszyklus in schamanischer Medizin. Zur Bedeutung schamanischer Heilweisen im Kontext der Naturheilkunde. Von Andreas Krüger.

Seit nunmehr einem Jahr finden an der SHS Ausbildungen mit dem Titel: „Wolf und Engel“ statt und Ende August wird es die „1. Schamanentage“ an unserer Schule geben.
In unserem Ausbildungszyklus Wolf und Engel vermittle ich alle schamanischen Formate, die ich selbst in der Zeit meiner schamanischen Ausbildung erlernt habe und seit vielen Jahre in Praxi anwende, aber auch Formate, die ich selbst aus anderen therapeutischen Richtungen entwickelt habe, in denen ich beispielsweise systemische Aufstellungen mit der schamanistischen Arbeit verbinde.

Unsere Schüler lernen in diesen Kursen so grundlegende Dinge wie ‚Krafttier und Geisthelfer Suche’, sowie die Pflege und die Arbeit mit beiden. Außerdem lernen sie auch weiterführende Techniken wie die Entsetzung, die Entfernung von Fremdenergien, das magische Operieren, Orakelarbeit, schamanische Heilaufstellung und vieles mehr. Der Schwerpunkt dieser Ausbildungen liegt im praktischen Üben - und auch im Erzählen von Geschichten und Beispielen aus unserer schamanischen Arbeit in der Praxis.
In den 2 Jahren der Ausbildung lernt der Schüler diverses Handwerkszeug zu handhaben, aber befindet sich auch 2 Jahre lang permanent im schamanischen therapeutischen Prozess. Das kann man wiederum mit einem Motto Hahnemanns zusammenfassen: „Ein Heiler kann den Weg des Patienten nur soweit begleiten, wie er ihn selbst gegangen ist.“ Sprich: ein Schamane kann nur soweit schamanisch arbeiten, wie er selbst heilend und wandelnd die schamanische Heilkunst an sich erlebt hat.

Wir haben beispielsweise eine schamanische Technik, die so genannte Zeitlinienreise.
In dieser Arbeit kann der schamanisch Praktizierende in seine Zukunft, aber auch Vergangenheit reisen, oder in die des Patienten. Er kann dem Patienten helfen, dies für sich zu tun, beispielsweise in seiner Vergangenheit Seelenanteile befreien, zurück holen und re-integrieren. Das sind Anteile seiner Selbst, die er in diesem oder auch im früheren Leben verloren hat und unter deren Verlust er in seiner aktuellen Lebenswirklichkeit leidet, weil er den verlorenen Seelenanteil schmerzlich vermisst.
Man kann mit dieser wunderbaren Technik Menschen helfen, die oft schon jahrelang alle möglichen Therapiemethoden ausprobiert haben, die leider nicht mit Erfolg gekrönt waren. Ich denke hier immer an ein Wort eines meiner indianischen Lehrer, dass frei zitiert wie folgt lautete: „Only what is here can heal“, was ich wie folgt verstanden habe: Nur was hier ist und was Teil meiner aktuellen, in dieser Wirklichkeit befindlichen Seele ist, kann durch die Therapien, die ich in dieser Wirklichkeit mache, geheilt werden. Alle Seelenanteile die noch an irgendwelchen Marterpfählen leiden, auf irgendwelchen Scheiterhaufen vor sich hin brennen, oder in irgendwelchen Folterkellern auf Befreiung warten, sind einfach mit Therapiemethoden der mittleren Wirklichkeit nicht erreichbar. Man könnte also sagen, dass diese Methode der Seelenrückholung ob mittels der Zeitlinienarbeit oder mittels der traumaorientierten Seelenrückholungsarbeit so etwas wie eine Basis-Therapie ist, die zur Komplettierung der Seele führt, die dann als Ganzes überhaupt erst wieder therapeutischen Interventionen zugänglich ist und auf diese überhaupt reagieren kann.

Ich werde oft gefragt ob ich mich denn nun selbst als Schamane bezeichne. An mutigen Tagen, sage ich dann ja. An Tagen wo mein kleiner feiger Junge in meiner Seele dominiert, meine doppelkrebsige Konfliktscheuheit die Oberhand hat, eher nicht. Da würde ich mich dann einen schamanisch Praktizierenden nennen. Aber wenn ich Zugang habe zu meinem alten Wissen und meinen alten Namen Wayazaka pi kici Lowa (Lakota, der für die Kranken singt), dann würde ich mich schon so nennen, denn dann bin ich jemand der tatsächlich das tut, was ein Schamane von alters her tut und getan hat, nämlich ein Reisender zu sein zwischen den Welten, suchend, pfadfindend, heilend, orakelnd und noch vieles mehr. Man könnte auch sagen - und mit diesem Wort tun wir uns in dieser Wirklichkeit immer noch schwerer - einer zu sein, der in der Hecke sitzt, an der Grenze zwischen den Wirklichkeiten, und einen solchen nennt man dann Hexer oder Hexe.
Ja unsere Seele muss mutig sein, um einen solchen Namen zu führen und wir müssen all das, was wir einst in unserer Seele erlitten haben, als wir einst schon einmal diese Arbeiten taten und diese Namen trugen, geheilt haben.

Als ich mein Heilersein anfing beschäftigte ich mich primär mit Homöopathie, Körpertherapie und anthroposophischer Medizin. Schon nach Einnahme meines ersten auf meine Seele wirkenden Homöopathischen Mittels (Calcium Carbonicum), hatte ich sofort einen Traum, in dem ich mich als Indianer in weiter Steppe erlebte, inmitten von Büffeln. Seitdem sind mir auf meiner 25 jährigen Reise in die reinen Länder meiner Seele immer wieder Bilder und Erlebnisse begegnet in denen ich, ob im indianischen oder mongolischen Raum, schamanisch tätig war. In einer dreijähren Reinkarnations-Analyse haben sich diese Bilder und Träume vertieft und verdichtet und ich habe diese Kräfte verstehen und annehmen gelernt. Dann bin ich dank des grandiosen Werkes meines Lehrers, Heilers Freund und Mäzens Peter Orban auf das weite Feld der Trancen und Seelenreisen gestoßen, mit denen ich mich dann über viele Jahre didaktisch sowie therapeutisch verbunden habe. Das Orban`sche Seelenreisenwerk ist bis heute für mich ein unverzichtbares Fundament für den schamanisch- praktizierenden meiner Couleur, ähnlich wie das Buch „Der Schamane in uns“ und die Kurse von Paul Uccusic, welchen ich auch selbst als sehr kompetenten, geerdeten und liebevoll bescheidenen Lehrer erleben durfte.

Nach vielen Jahren des Trancens und Seelenreisens habe ich dann bei Paul Uccusic meine erste Ausbildung in schamanischer Medizin begonnen, kann ich nur jedem Beginnenden ans Herz legen. Anschließend durfte ich noch bei vielen wundervollen Lehrern lernen, möchte hier nur stellvertretend für viele, den wirklich faszinierenden Daan van Kampenhout erwähnen. Ich begann dann auch meine eigenen Patienten so zu behandeln. Eine eigene, wahrscheinlich lebensrettende, schamanische Therapie bereitete mir dann mein ganz persönliches‚schamanisches Damaskus-Erlebnis. Das führte dazu, dass nach eingetretener Gesundung, der Schamanismus immer mehr in meinen Praxisalltag einzog. Inzwischen werden 50% meiner Patienten auch schamanisch behandelt. Im Jahr 2000 begann ich an der SHS schamanische Arbeitskreise anzubieten und den Schamanismus generell in die Ausbildung mit einzubeziehen. So kam es schließlich zum bisherigen Gipfelpunkt meiner schamanischen Ausbildungsreihe im Herbst 2007, der erste Ausbildungskurs in schamanischer Medizin „Wolf und Engel“.
Inzwischen sehe ich es fast als meine Lebensaufgabe an, dieses Erinnern mutig umzusetzen und auch bei anderen Menschen zu initiieren.


Schamanische Medizin für alle?

Ich bin zu der Auffassung gelangt, dass sich jeder der mutig genug dazu ist, egal ob als Mediziner oder ganz normal zur Alltagshilfe, schamanisches Wissen zugänglich machen und anwenden kann, je nach Begabung. Der eine vielleicht etwas mehr, der andere vielleicht etwas weniger. Es ist, wie bei allen anderen Heilmethoden auch - und ich weiss das durch meine eigenen schweren Krankheiten - es ist primär der eigene Prozess des Leidens und des Heilens, der den zukünftigen Heiler prägt und ausstrahlen lässt: die Methode die ich hier anbiete, mit der ich euch heilen möchte, habe ich selbst an mir wandelnd und heilend erlebt.
Eine solche Ausstrahlung zieht den Patienten an, eine solche Ausstrahlung ist die beste Praxisakquise.

Schamanismus lehren!

2000 Jahre lang wurden Schamanen/Innen, Hexer/Hexen, Kräuterfrauen und Kräutermänner verfolgt, verleugnet, verbrannt und gefoltert. Schulmedizin, Kirche und die emotionale Pest an sich haben schamanische Medizin über Jahrtausende verfolgt und arbeiten auch heute noch mittels Verleugnung, Verächtlichmachung und Rufschädigung gegen diese Medizin der Freiheit. Aber es gibt immer mehr Menschen, die ähnlich wie ich, bei allen Rückfällen immer mehr den Mut finden aufzustehen und zu sagen: Wir werden nicht wieder brennen und diese wunderbarste, älteste aller alten Maxime anwenden und weiter geben zum Wohle unserer geschundenen Menschenbrüder und Schwestern.

Schamanische Medizin, sich speisend aus ältesten Wurzeln, ist tief heilsam. Und - was ja heute in der Medizin sehr wichtig ist - schamanische Medizin ist konkurrenzlos günstig und könnte immer mehr, ob unter Heilpraktikern, Ärzten oder auch unter Laien, eine wirklich medizinische Alternative werden. Diesem Ziel fühle ich mich und auch die SHS zutiefst verbunden.


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