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Ausgabe Februar 2009
Volles Herz im Hier und Jetzt

Matthias Grimm - Leiter des Berliner Skydancing Instituts - über den Sinn tantrischer Rituale

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Festlich gekleidete Menschen versammeln sich vor der Tür des großen Seminarraumes. Schön anzuschauende Frauen und Männer in ihren phantasievoll arrangierten Lunghis murmeln, etwas aufgeregt und voller Neugier, noch smalltalk. Das warme Licht spiegelt sich in den Augenwinkeln, im nervös vibrierenden Ohrschmuck und im golddurchwirkten Brokat der Tücher. Menschen strahlen still vor sich hin. Drinnen im Raum hört man eine tiefe, meditative Musik. Männer und Frauen trennen sich in zwei Gruppen. Das Licht wird heruntergedimmt und die Tür öffnet sich...
So oder ähnlich haben viele Menschen den Beginn eines tantrischen Rituals erlebt. Es ist immer ein ergreifender Augenblick. He – was kommt da jetzt auf mich zu?
Festliche Rituale sind so alt, wie Menschen bewusst auf diesem Planeten leben. Sie hatten und sie haben immer eine außerordentliche Rolle gespielt. Rituale sind machtvolle Vorgänge, die das Individuum in einem größeren Zusammenhang einzubinden vermögen, Kanäle der Verbundenheit mit allen Bewusstseinsebenen. Rituale können Kraftorte im Feinstaubregen des alltäglichen Geplänkels sein, Zeitorte der persönlichen Ausrichtung, Bewusstheit und Verbundenheit. Tief verankert in Zeit und Raum.
Eine gemütliche Wohnung an einem Samstagabend mitten in der Stadt. Ein Mann breitet eine phantasievoll gemusterte Decke auf den Teppich aus und beginnt, ganz vertieft summend, mit in einer Schale schwelenden Salbeis den Raum zu umkreisen. Dreimal gegen, dreimal mit dem Uhrzeigersinn. Die ersten Runden verabschieden, die folgenden empfangen Lebensthemen. Dann stellt er sich bewusst an den Rand der Decke und betritt den nun geschaffenen Raum. Er setzt sich auf ein Kissen, spürt sein sicheres Ruhen, seinen Atem und fährt fort ...

In der tantrischen Praxis spielen Rituale eine außerordentliche Rolle. Sie stellen Formen und Strukturen dar, die in ihrer Komplexität das Erfahren von Zusammenhängen auf persönlicher und gleichzeitig überpersönlicher Ebene gestatten. Auf allen Ebenen der Bewusstheit. Rituale sind zeitlose Werkzeuge, die die ganz spezielle Energie eines Momentes widerzuspiegeln vermögen.
Die Grammatik eines Rituals ist ganz einfach: ein Anfang, ein Hauptteil, ein Ende. Oder: empfangen, entwickeln, transformieren.

Wir nutzen im SkyDancing Tantra ganz bewusst die Weisheit von Ritualen. Sie schenken die Möglichkeit, wesentliche Strukturen in ganz persönlicher Weise erfahrbar zu machen. Sie sind sinnlich, voller Energie und Präsenz in der Herzebene.
Sie sind eine hohe Feier. Beispielsweise in der Liebesmeditation der „Herzwelle“, einer immer wieder berührenden Begegnung männlicher und weiblicher Authentizität in der ursprünglichen Verbundenheit dieser Pole.
Es ist nicht so schwer, sich ein persönliches Ritual zu kreieren. Mit etwas Sinn für die Dramaturgie der Situation, Ausrichtung auf eine Thematik, Loslassen können und der Absicht, ein Zeitfenster dafür zu schaffen, ist schon ein Anfang.
Die Zutaten sind jedenfalls immer ein Schuss Neugier, Offenheit, Authentizität - und nicht zuletzt Humor.



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