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Ausgabe Februar 2009
Partys in Berlin

Was heißt hier „Psychedelic Trance“?

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Der Berliner Veranstalter Ananto organisiert seit 15 Jahren große Trance Partys unter dem Namen Mystic Rose. Wie er auf die Idee kam, über seine Arbeit und Erfahrungen, an was man alles denken muss und was alles dazugehört, berichtet er in seinem Beitrag.

Mein Ziel ist, jede Party, die ich organisiere oder mitgestalte, zu einem „special event“ zu machen, zu etwas Besonderem. Das macht man, indem man lebendige Elemente zusammenbringt, Live Musiker, Dj‘s, Tanz Performance, Lichtinstallationen, Dekoration und manchmal auch besondere Speisen oder Getränke ....und eine gute und inspirierte „Crowd“, will heißen: Leute, die Bock haben zu feiern!
Die Menschen, die in einer Stadt wie Berlin leben, haben das Bedürfnis zu feiern, zu tanzen und aus sich heraus zu gehen. Wie sie das tun, ist kulturell bedingt sehr unterschiedlich. Wir feiern am liebsten auf Vollmond hin und beispielsweise an Weihnachten, Silvester, Ostern, Pfingsten oder zum Tag der deutschen Einheit.
Doch was sich immer wieder zeigt, zum Party feiern braucht es gute Musik. Die gibt es im Rock, Hip Hop, Techno oder House. Ich persönlich fühle mich am meisten zu „Trance“ oder „Psytrance“ hingezogen. Es ist wohl die Musik, die am meisten schamanistische und psychedelische Einflüsse in sich aufgenommen hat. Sie steht somit in bester Tradition mit Pink Floyd und Tangerine Dream! Auch im Trance- Bereich gibt es verschiedene Richtungen wie Full On, Dark Psy, Psychedelic, Tribal oder Progressive. Dark-Psy z.B. ist eine neuere, sehr schnelle Variante des Trance, im Bereich von 150-180 BpM (Beats pro Minute), „progressiv“ die langsamere, die sich zwischen 130 und 140 BpM bewegt. Zwischen den beiden liegt Full-On mit ca. 140-150 BpM. Dadurch kommen ganz verschiedene Energien zum Ausdruck. Was ich bevorzuge, wird in der Szene „Progressiv“ oder „Proggy“ genannt, aber auf meinen Parties wird auch viel „Full-On“ und „Psychedelic“ gespielt.
Die meisten Dj‘s reproduzieren Musik in neuer Form, so dass dies zu einer eigenen Kunstform wird. Das sind Künstler, die vorgegebenes Material dann live neu zusammenstellen, an jedem Abend neu. Viele Dj‘s sind auch Musiker, die selbst Musik veröffentlicht haben und entsprechend als „Live-acts“ zu buchen sind.
Es gibt heute einen neuen Trend zum Live-act mit klassischen Instrumenten, einer Geige zum Beispiel. Dadurch beginnt die Musik weniger technisch oder maschinell erzeugt zu wirken. Jedes lebendige, live gespielte Instrument, bereichert eine echte Trance Party ungemein.
Wir wissen heute genau, welcher Rhythmus mit wie vielen Beats pro Minute welche Bewusstseinszustände hervorruft. Die Entdeckung der Kosmischen Oktave durch den Schweizer Musikwissenschaftler Hans Cousto und die Erfahrungen der letzten Jahre haben das ganz klar gezeigt: jede einzelne Frequenz und jede Beatzahl pro Minute hat eine ganz spezifische Wirkung, die primär über das Gehör auf das Gehirn, und sekundär auf die Bewusstseinszustände des Menschen wirken.
Solche Dinge muss ein Dj wissen. und es gibt heutzutage eine Menge Dj‘s, die sich da richtig gut auskennen und wissen, was sie da tun! Das sind auch die, denen ich gerne mein Vertrauen schenke und die ich gerne einlade.
Ich muss einen Dj sehr gut einschätzen können, mindestens zwei Mal Live gehört haben, um zu wissen, wann genau ich ihn einsetzen kann.
So macht es auch mal Sinn, mit einem Jahreston einzusteigen. Das erzeugt eine wunderbare Athmosphäre und genau das ist es, was uns am Herzen liegt.
Ein weiteres, ganz wesentliches Element bei meinen Parties sind die Licht-, Raum- und Bühnen-Installationen, die jeweils auch auf die Musik abgestimmt sind. Der Raum sollte so gestaltet sein, dass eine Atmosphäre entsteht, vor allem durch Licht und Dekoration.
Die Künstler, Maler, Raumgestalter und Vj‘s (Video jockey) arbeiten mit Plastiken aus verschiedensten Materialien und mit Licht, um ein spezielles Ambiente für die Sinne zu gestalten. Mein eigenes Spezialgebiet ist Raumgestaltung mit floureszierender Wolle (String Art). So bin ich auch zu meinem jetzigen Beruf gekommen. Früher habe ich fast ausschließlich die künstlerische Gestaltung für Dancefloors gemacht, später auch für Open-Airs (Antaris Project).
Was mir in Berliner Clubs schon immer aufgefallen ist, war, dass viel mit Licht gearbeitet wird, doch die Dekoration kam oft zu kurz. Mir war das etwas zu karg. Also lieber mal eine komplette Unterwasserlandschaft oder eine Alien Landscape … und wer Augen hat, hat auch seinen Spaß an solchen raumausfüllenden Szenarien. Ich arbeite dabei auch gerne mit Symbolen, Mandalas und ihrer subtilen Kraft.
Jedenfalls sollte man sich über solcherlei Gestaltungsmöglichkeiten vorher seine Gedanken machen, denn diese Dinge sind, wenn die Party mal läuft, nicht mehr zu beeinflussen. Ich will jedenfalls, dass sich die Menschen in den Räumen wohl fühlen und sich fallen lassen können.
Musik und Licht schaffen so einen Raum, in dem man sich gerne bewegt und tanzend in Trance, in einen veränderten Bewusstseinszustand, gerät – in dem sich Egogrenzen auflösen und sich die Wahrnehmung, selbst etwas zu tun, verliert und sich der jeweilige Moment ins Unendliche zu erweitern scheint.
Es gibt ein enormes Bedürfnis nach außeralltäglichen, ekstatischen Zuständen. Wir nutzen dabei die Möglichkeiten, dies über die Musik und Licht Resonanz zu steuern. Das ist der springende Punkt. Darum geht es auf einer tieferen Ebene. Genau wie in einem schamanischen Ritual.
Insofern machen wir da nichts Neues. Das gibt und gab es in allen Kulturen dieser Welt schon zu allen Zeiten.

weitere Infos unter www.infin-et.de


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