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Ausgabe Januar 2009
Wahrhaftigkeit in Beziehungen

Ein Beitrag von Arina Kröger

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Die Berliner Heilpraktikerin Arina Kröger über die Möglichkeiten der Transaktionsanalyse
(Ich bin ok., Du bist ok.) in Verbindung mit Klassischer Homöopathie.

Es ist ein kühler Tag im November. Weihnachtliche Einkehr und Lichterglanz sind weit entfernt. Sven kommt in meine Praxis. Er ist 17 Jahre alt. Er kommt auf Empfehlung- seiner Eltern. Die Eltern leben seit vielen Jahren in Trennung und haben innerhalb der letzten zwei Jahre beide neue Partner gefunden. Der eine Teil des ehemaligen Paares lebt nun im europäischen Ausland, der andere ist in Berlin geblieben. Sie lebt zusammen mit ihren zwei Söhnen, den zwei Söhnen des neuen Partners und natürlich mit der neuen Liebe selber, alle vier Jungs sind auf dem Weg erwachsen zu werden, in einem Haushalt.
Die Mutter habe ich während der Trennung psychotherapeutisch und homöopathisch begleitet. Seite an Seite ging es durch das Dickicht der Gefühle, der Sorgen. Und immer war es der größte Wunsch und die größte Angst, den Kontakt zu den eigenen Kindern zu verlieren.
"Was kann ich machen, dass sie bei mir bleiben wollen?" Das ist eine direkte Aufforderung dazu, ein manipulierendes, psychologisches Spiel einzufädeln. Im Sinne der Transaktionsanalyse definiert sich ein Spiel dadurch, dass das Ende der Transaktionen (der Unterhaltung) von vorne herein feststeht. Die Spiele meiner Patientin endeten mit einem Gefühl der Ohnmacht auf ihrer Seite und einem Gefühl des Ärgers auf der anderen Seite des Telefons. Ohne es bewusst so festzulegen, wissen auch beide Parteien darum. Daraus speisen sich alle täglichen Soaps mit dem ewig wiederholten Satz: "Wir müssen reden". Jeder weiß, dass es auch dieses Mal zu keinem weiterführenden Ergebnis führen wird. Warum tun wir es trotzdem immer wieder? Der positive Gewinn, den Spiele bieten ist es, dass man das subjektive Erleben hat, an dem Problem zu arbeiten. Man "tut ja etwas" zu seiner Lösung. Der Druck, den dieses Problem auf den Betreffenden ausübt, in dem beschriebenen Fall das Bedürfnis, die Kinder zu behalten, wird durch das Spielen eines psychologischen Spieles zumindest kurzfristig erleichtert. Gleichzeitig liegt es in der Natur des Menschen, nur in der Not etwas zu riskieren, was wirklich tief sein Bild von sich, der Welt und den anderen Menschen in Frage stellt. Mit einem psychologischen Spiel riskiert man nichts, und meint doch, etwas zu seiner Lösung zu tun.
Das war auch in dem beschriebenen Fall der Fall. Die Frau hätte direkt ihre Bedürfnisse ansprechen können, vor den Kindern und vor dem Mann. Aber das Bild, welches sie von sich hatte war, dass ihre Person und Art des Mutterseins nicht ausreichend genug seien. Ihre Idee von der Welt war, dass man ohne Manipulationen nie bekommt, was man braucht und was einem zusteht. Das Bild von den anderen war, dass diese ihre Schwäche bemerken und sich bereichern könnten, in diesem Fall also der Ex- Mann. Die therapeutische Arbeit bestand darin, ihr Selbstbewusstsein so zu stärken, dass sie die Kinder in eine eigene Entscheidung freigab. Das homöopathische Mittel, was sie in diesem Prozess begleitete heißt Thuja. Ein psychologisches Leitsymptom dieses Mittels lautet "Wahnidee, er/ sie sei hässlich". Das ist eine homöopathische Umschreibung für die Idee, dass man so wie man ist, nicht ausreicht. Manipulativ und verdeckt zu operieren, ist typisch für Menschen, denen dieses Arzneimittel hilft.
Dadurch, dass sie sich von ihrem Mann getrennt hat, ist sie ein hohes Risiko eingegangen. Denn mit ihrem Selbstbild war die innerlich erlebte Wahrscheinlichkeit, noch einmal jemanden zu finden, der sie begehrt, nicht besonders groß. Aber die Unzufriedenheit in der alten Ehe war einfach größer.
Wahrhaftigkeit, das positive Selbsterleben in Beziehungen sind uns heute besonders wichtig und sie sind uns meistens wichtiger, als das Erhalten von sicheren, aber nicht mehr authentisch erlebten Beziehungs- und Familienstrukturen. Vielleicht ist das auch besonders in Berlin so, wo viele Menschen irgendwann einmal, meist in jungen Jahren, zugezogen sind. Zum Studium gekommen und geblieben. Sie haben den sicheren Hafen, in diesem Fall die Ursprungsfamilie, für eine vor allem selbst bestimmte Zukunft vor langer Zeit verlassen.

Die Verschiebung der Normenhierachie in Richtung mehr Autonomie hat in der gesellschaftlichen Breite sicher in den 68igern begonnen. Sie ist wertvoll, aber nicht ungefährlich. Zieht man sich den Boden unter den Füßen weg? Ist es ein Aufbauen von etwas Neuem? Oder ein Muster von zwanghaften Neugründungen mit einer sich nie erfüllenden Erlösungsidee? Verschiedene homöopathische Mittel, können bei der Beantwortung dieser Fragen helfen. Hier in Kürze die Essenz der Mittel und an welchen Stellen sie meiner langjährigen Praxiserfahrung nach unterstützend helfen können:

"Sepia - Die körperlichen und auch seelischen Symptome sind vielfältig in der Literatur beschrieben worden. Bei dem heutigem Thema leistet Sepia einen wichtigen Dienst bei der Frage, ob es noch etwas Verbindendes, Tragendes in der Beziehung gibt, wenn die Entfremdung drückend spürbar ist.

"Calcium carbonicum - kann zweierlei wichtige Impulse geben. Es unterstützt sehr den Mut und Willen sich aus symbiotischen, abhängigen Beziehungen zu lösen. Das Gefühl der Heimatlosigkeit nach der Trennung verbunden mit Schlafstörungen federt es ab.

"Tuberculinum - hilft "aus Prinzip Ungebundenen" dabei, sesshaft zu werden.

"Staphisagria - wird nicht mehr so oft gebraucht, wie noch zur Zeit unserer Mütter und Väter. Es ist das Hauptmittel für unterdrückte Wut und Sexualität.

Jede Beziehung braucht ihre Rituale. Jeder Mensch, den man liebt hat, hat unangenehme Seiten, wo er "hingucken" sollte, es noch nicht kann, vielleicht niemals kann und im Moment sicher nicht will. Das gilt es zu akzeptieren, sich damit zu arrangieren. Im besten Fall befinden sie sich bereits im Bewusstsein desjenigen und sind im Ordner "Entwicklung" vorne abgeheftet.
Dazu noch ein kleiner Einschub aus der Transaktionsanalyse. Der Begründer Eric Berne hat die OK- Positionen entwickelt. Es gibt vier Grundannahmen über sich und die anderen: Ich+ Du+; Ich - Du +(depressiv); Ich+ Du -; Ich - Du -(antisozial). Man sollte sich für ein wertschätzendes Zusammenleben immer um die erste Einstellung bemühen und aus dieser Grundhaltung die schwierigen Punkte angehen.

Zurück zu unserem Fall. Die Kinder sind freiwillig hier geblieben. Der eine Sohn hat ein halbes Jahr Ausland ausprobiert- sicher nicht zu seinem Schaden. Jetzt kommen die Kinder also alleine in die Praxis, wie an diesem ganz normalen Novembertag, wenn ihre Lebenssituation es in ihren Augen erforderlich macht. Dabei werden auch die Eltern, und zwar beide, nicht geschont. Neben der nötigen Entwicklung steht die Grundakzeptanz der Persönlichkeit, sowohl des Kindes, als auch der Eltern nicht in Frage. Wenn das so ist, und auch die Patienten diese Einstellung gegenüber ihrer Therapeutin haben…dann ist eine Menge möglich, sogar das Infragestellen Sicherheit gebender Strukturen.

weitere Infos: www.athra-institut.de


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