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Ausgabe Dezember 2008
Weihnachtsplätzchen machen glücklich?

Warum...

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Schon im 12. Jahrhundert sagte Hildegard von Bingen über die ‚Weihnachtsglücksdrogen’: „Sie dämpfen die Bitterkeit des Herzens und machen Deinen Geist fröhlich.“ Pharmakologen und Lebensmittelchemiker würden es eher so ausdrücken: „Bestimmte Stoffe und Aromen in Adventsdrogen kurbeln in der lichtarmen Zeit in unserem Körper über das limbische System im Gehirn die Produktion von Serotonin und Amphetaminen an.“ Im Sommer werden solche körpereigenen Glückshormone durch das Sonnenlicht angeregt und produziert. In der dunklen Jahreszeit müssen wir uns eben über Plätzchen glücklich naschen.
Betrachten wir uns unsere Lebkuchengewürze den süßen Zimt, den scharfen Ingwer, die vor ätherischem Öl strotzende Nelke und den aromatischen Kardamom etwas näher.

Zimt
In der chinesischen Medizin wächst ein Zimtbaum am Eingang des Palastes des Mondes und ist ein fester Bestandteil einer Rezeptur gegen Erkältungskrankheiten. Cortex Cinnamomum, unsere Zimtrinde, ist die getrocknete Rinde eines immergrünen Baumes aus der Lorbeerfamilie, der ursprünglich aus Sri Lanka stammt. Die Zimtrinde rollt sich von ganz alleine zusammen. Dies hat auch etwa vom Zimtcharakter: sein Duft hat etwas Einhüllendes, Umschließendes und Schutz Gebendes. Das angenehm süße, holzige Aroma ist zart und trotzdem intensiv. Der Geschmack ist unverwechselbar, duftend und warm. Größere Mengen seines Aromastoffes können zu einem kleinen Rausch führen. In den 30er-Jahren versetzte man Tabak mit Zimtrinde. Die Wirkung ist wohl mit der von Marihuana vergleichbar. Dem Zimt wird auch eine erotisierende Wirkung nachgesagt, da er die Ausstrahlung verbessert. In der chinesischen Medizin heißt es: Der süße, scharfe, warme Zimt befeuchtet die Oberfläche von innen, macht die Leitbahnen durchlässig und wirkt so auf die Wärmeverteilung. Er erwärmt den kalten Magen, vertreibt Winde, Bauchgrimmen, fördert die Verdauung, hilft bei Schwächezuständen, Kreislaufbeschwerden und Ohnmacht durch Kälte.

Ingwer
Nicht einhüllend und scharf, sondern befeuernd und scharf ist dagegen eines der ältesten und wichtigsten Gewürze aus den tropischen Wäldern Südostasiens, der Ingwer, Zingiber off. Da sich die verwendete Wurzel, Rhiz. Zingiberis gut transportieren ließ und getrocknet mehrere Monate haltbar ist, war er eines der ersten Gewürze, die den Mittelmeerraum erreichten. Apicius, ein Feinschmecker aus dem ersten Jahrhundert, empfiehlt ihn schon als Gewürz. Im neunten Jahrhundert war Ingwer in ganz Europa so verbreitet, dass er so wie Salz und Pfeffer als Tischgewürz aufgestellt wurde. Heute finden wir ihn in Bier, Wein, Limonaden (Ginger Ale), eingelegt in der chinesischen und japanischen Küche und natürlich kandiert.
Ingwer hat einen warmen Duft nach Holz mit süßem, reichem Charakter. Sein Geschmack ist scharf und etwas beißend, seine Temperatur heiß. Ingwer wirkt gegen innere Kälte, ‚kocht raus und wirkt antibakteriell. Er fördert die Verdauung, regt den Blutkreislauf an, verjagt Depressionen und hilft gegen Übelkeit und Reisekrankheit genauso wie bei akuten Erkältungskrankheiten und Lungenverschleimungen. Aus der Sicht der chinesischen Medizin betrachtet, erwärmt er den unteren Erwärmer, zerstreut Stagnation und Schleim, bewegt das Blut und Qi und leitet Wind aus. Gerade bei nahenden Erkältungskrankheiten köchele ich gerne ein wenig frischen Ingwer, tue Zitrone und Honig dazu und erfreue mich an der beginnenden Erwärmung.

Kardamon
Wussten Sie, dass Kardamom nach Safran und Vanille das drittteuerste Gewürz der Welt ist? Die Samen, Fructus Cardamomi galten in Indien schon lange vor Christi Geburt als kostbar. Im antiken Griechenland und Rom brauchte man das Gewürz für Parfüm. Kardamom wird auch von den Beduinen hoch geschätzt. Überlieferungsgemäß wird er den Gästen präsentiert, bevor ihnen der Kardamomkaffee gereicht wird. Er muss in rundlichen, perfekten Schoten enthalten sein, um Achtung und Respekt der Gäste zu verdienen. Kardamom ist ein buschiges Ingwergewächs mit grünen Schoten, die vor der Reife gepflückt werden. Die grünen Schoten aus Kerala, Südindien sind maßgebend für Preis und Qualität. Die darin enthaltenen Samen schmecken am Anfang penetrant nach Kampfer, bitter und stark. Der Geschmack bleibt nach dem Kauen lange im Mund, ist aber wärmend und angenehm. Röstet man die Samen an, wie beim Curry, verlieren sie ihre Penetranz. Die Inder kauen zur Erfrischung und Verdauungsförderung Betelmasse aus Kardamom, Betelblättern und Araceanüssen. Sie setzen das Gewürz auch bei Konzentrations- und Koordinationsschwächen ein. Es soll den ‚Kater’ vertreiben.

Gewürznelken
Gewürznelken, Eugenia caryophyllus oder Syzygium aromaticum sind die ungeöffneten Blütenknospen eines kleinen immergrünen Baums aus der Familie der Myrtengewächse auf den Molukken, die heute zu Indonesien gehören. Der Nelkenbaum trägt erst nach 20 Jahren, dann aber 50 Jahre lang. Die älteste Erwähnung von Gewürznelken findet man in der antiken chinesischen Literatur. Höflinge und Staatsbeamte sollten, wenn sie mit dem Kaiser sprachen, ein paar Nelken im Mund haben, damit ihr Atem gut roch. Das besonders ausgeprägte Aroma ist beißend scharf, bitter und warm und betäubt für ein Weilchen die Mundschleimhaut. Das äußerst aggressive Nelkenöl wird wegen seiner bis zur Betäubung reichenden Schmerzlinderung und seinen antibakteriellen Eigenschaften auch heute in den Zahnarztpraxen zur Nervabtötung benutzt. Im Punsch und Glühwein vermitteln uns die Nelken Glücksgefühle, in Indonesien sind sie zu einem Drittel Bestandteil diverser Zigaretten.
Wir erkennen, ob Nelken ‚frisch’ sind, indem wir sie ins Wasser tun: Schwimmen die Knospen oben oder gehen sie unter, sind sie frisch. Oftmals schwimmen sie jedoch liegend vor sich hin.

Zu guter Letzt: Was ist mit unserem Weihnachtsbaum? Ich persönlich finde diese ‚Erfindung der Alten’ einfach großartig: In der Zeit, wo alle Menschen näher zusammenrücken, die Abwehr geschwächt ist und jeder vor sich hin schnieft stelle ich einen duftenden, harzenden Baum voller ätherischer Öle ins Zimmer: Die Luft wird desinfiziert, den Viren und Bakterien der Garaus gemacht und alle Atemwege werden wieder frei. Also auf zum Weihnachtsbaumkauf!



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