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Ausgabe Dezember 2008
Weihrauch

Anlässlich weihnachtlicher Räuchertraditionen ein Beitrag von Mohamed Nissen zur Geschichte und Bedeutung des Räucherns.

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Geräuchert wird seit Alters her. Wir finden Hinweise auf Weihrauch, Myrrhe und weitere schon im Alten Testament, im Hohelied Salomons, Sohn Davids. Das rituelle Räuchern hatte damals das Brandopfer abgelöst.
Zum anderen deutet diese Geschichte von den heiligen drei Königen, die dem Kind Weihrauch und Myrre bringen, auch auf den hohen Wert derartiger Waren in damaliger Zeit. Die unsicheren Handelswege bestimmten die Preise. Denn es brauchte eine Armee und entsprechenden Aufwand, um solche Dinge über weite Strecken zu bringen. Weihrauch, Teppiche, Gewürze oder Gold, waren dadurch unheimlich teuer. Im Vergleich zu heute wurden astronomische Summen bezahlt.

Räuchern mit Baumharzen
Da das Harz nicht verbrennen sondern nur verglühen soll, braucht man dazu glühende Holzkohle. Die kann man in 10er Packungen vorgefertigt erwerben (mit Zündhilfe). Man lege diese Kohle am besten auf Sand in eine Schale. Nach dem Anzünden der Räucherkohle warte man bis sie vollständig durchgeglüht ist. Dann legt man 2-3 Harztränen auf die glühende Kohle.
Starker wohlriechender Rauch erfüllt den ganzen Raum. Das lässt sich dann noch einige Male mit der selben Kohle wiederholen, da diese nach dem Durchglühen noch ca. eine halbe Stunde glüht.

Der Rauch
Der Rauch ist eine eigene Dimension für sich - eine eigene göttliche Dimension des Seins.
Der Rauch wirkt direkt auf die Millionen Synapsen und tausenden von Ganglien und dadurch auf alle Ebenen des Seins: Körper, Verstand und Geist. Im Nu verbinden sich die beiden Hirnhälften.
Auch im Koran gibt es einen eigenen Abschnitt der heißt „Der Rauch“. Da die Seele aus einer Art immateriellem Feuer geschaffen ist, kompensiert die Seele am leichtesten mit Rauch. Das nützt die Tabakindustrie leider extrem aus und statt reinen Tabak anzubieten, bieten sie einen Fertigmix mit allen möglichen Zusatzstoffen. Die die Gesundheit schädigenden Folgen nehmen sie dabei leider in Kauf.
Weihrauch
Ich möchte mit dem Weihrauch (lat. Boswellia caterii, die indische Variante heißt Boswellia serrata) beginnen. Der Baum ist ein Mystiker, denn seine Heimat ist der unwirtlichste aller Orte – die Wüste. Seine kraftvolle Erscheinung erhebt sich aus Sand und Geröll und beschenkt uns trotz der unbarmherzigen Hitze des Tages und der eisigen Kälte der Nacht mit kristallklaren Weihrauchtropfen. Die Bäume werden fachgerecht angeschnitten, so dass das Harz austränen kann. Die ersten Tränen werden nach einigen Tagen fast weiß – das sind die kostbarsten. Diese Bäume wachsen nur in Gegenden, in denen es extrem heiß und trocken ist.
Weihrauch ist für die geistige Ebene, klärt den Verstand, den Intellekt und den göttlichen Bereich der Seele. Dafür ist er gemacht. Deswegen wird überall auf der Welt geräuchert, in der Shinto Religion in Japan, dem Hinduismus genauso wie in den monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Alle nutzen den Weihrauch, die spirituellen Menschen lieben den Weihrauch.
Das Räuchern mit Weihrauch schafft eine friedliche, ruhige Stimmung in Räumen, schafft innere Ruhe und Distanz, die eine gewisse Erhabenheit mit sich bringt. Weihrauch bringt inneren Frieden und wird zunehmend auch von Therapeuten genutzt, um Behandlungsräume nach harter Arbeit energetisch wieder zu reinigen, die schlechten Kräfte auszuräuchern. Gerade heute in einer Zeit mit so viel negativer Information, brauchen wir den Weihrauch mehr denn je – gegen innere Unruhe, Zerstreutheit und bei Einschlafproblemen.

Benzoe
Kommen wir zum nächsten Räucherwerk, dem Harz des Benzoe-Baumes. Seine Heimat ist auf den Inseln Sumatra und Siam. Es ist bei uns nicht ganz so bekannt wie der Weihrauch und eine Ergänzung insofern, als es mehr auf der Ebene der körperlich-seelischen Verbindung arbeitet. Das kann man sich so vorstellen: Körper und Seele kamen in Kontakt auf göttlichen Befehl. Als Gott den Menschen schuf, befahl er die Seele in ein tönernes Gefäß, doch die Seele wollte nicht. Gott überredete sie mit Musik. Die Seele begann zu tanzen, kam in einen Rausch und geriet so in ein Gefängnis, sprich unseren Körper. Der Vertrag zwischen Körper und Seele, der im Haus von Adam und Eva aufbewahrt wird, der Kaaba in Mekka, existiert seit dieser Zeit.Der Rauch von Benzoe trägt einen sinnlichen Duft - dunkler, fülliger, wärmer als Weihrauch.

Jetzt kommen wir zur Myrrhe.
Myrrhenharz ist Bestandteil des Lacks einer Stradivari Geige, seine Farbe ist ein wunderbares Mahagoni, sieht aus wie die eingefangene Sonne und tatsächlich ist Myrrhe eine Ergänzung des Weihrauch: Die Myrrhe, auch in sehr trockenen, heißen Regionen zu hause wie der Weihrauchbaum, fängt die Leben spendenden Kräfte der Sonne in seinem Harz ein.
Die Myrrhe gehört wie der Weihrauch dem Planeten Sonne. Ansonsten sind die beiden grundverschieden. Die Myrrhe ist ein Heiler, sowohl auf körperlicher als auch auf seelischer Ebene. Deswegen hat man im alten Ägypten Unmengen von Myrrhe verbrannt, auch auf den Straßen, weil man glaubte, so das göttliche Wohlergehen und die göttliche Aufmerksamkeit für sein Haus zu gewinnen.
Denn schon die Propheten hatten erklärt, dass man sich vor schlechten Einflüssen schützen solle. Das heißt, negative Energien, auch die „Inkarnationen des Bösen“, hassen den Weihrauch und die Myrrhe – ihren Rauch mögen sie überhaupt nicht.
Hier geht es also darum, dass die Schlechten gehen müssen. Wir Menschen stehen zwischen dem Guten und dem Schlechten. Wir sind die Wesen der Mitte. Wir sind die, die sich entscheiden müssen. Entscheiden für die guten Dinge oder die schlechten Dinge, je nach dem, was wir sind und mit wie viel Respekt wir uns ausstatten ... was wir werden und was wir sein wollen. Da sind wir ganz ungebunden.
Die Myrrhe ist auch ein Gärtner und Erzieher im Bereich des Seelischen. Das heißt, etwas in uns sagt nein, das mag ich gar nicht und im nächsten Moment meldet sich der göttliche Teil der Seele und sagt, ja das ist doch wunderbar ... Der Duft hat eine große Tiefe und die Fähigkeit in jeden Winkel unseres Seins vorzudringen.
Das ist diese Kraft, die nicht nur den Kräften der Seele, unseren Leidenschaften Zügel anlegt, sondern auch alte seelische Verletzungen heilen kann.
Außerdem ist die Myrrhe ein höchst wirksames Wundmittel, das fast jede Wunde schließt. Ihre antiseptische Wirkung wurde leider bis heute auch bei der Bevölkerung in den Ursprungsländern weitgehend vergessen. In den alten Tagen wurden aus Harzen Pflaster gefertigt, mit denen man auch schwere Verletzungen gut behandeln konnte. Tatsächlich vereint die Myrrhe keimtötende, zusammenziehende, entzündungshemmende sowie vernarbungsfördernde Eigenschaften und nimmt damit eine herausragende Stellung unter den Wundheilungsmitteln ein.

Mastix
Die Mastixtränen von den Mastixpistazienbäumen der kleinen Insel Chios haben einen noch feineren Duft als Weihrauch und ihr Rauch reinigt die menschliche Aura und stärkt die guten Kräfte der Seele, das Streben des Menschen nach Höherem. Das Kauen von Mastixgummi kräftigt das Zahnfleisch und ist eine natürliche Form des Zähneputzens.

Sandarak
Eine Zypressenart aus Marokko, aus dem Reich der Berber. Er wächst auf kargem Boden und Geröll. Das Sandarak entwickelt einen sehr feinen Rauch, auf den man seine guten Wünsche und Absichten, sein Gebet, seine Meditation macht, um anderen zu helfen, die weiter entfernt sind, die man nicht besuchen kann. Danach öffnet man das Fenster und entlässt den Rauch zu seinem Ziel.

Tolubalsam
aus Südamerika, Kolumbien, wirkt ähnlich wie Benzoe stark auf die Kräfte der Seele, erinnert im Duft an zart bittere Schokolade. Spielte in Zeremonien der Azteken, Maya und Inka eine bedeutende Rolle und unterstützte sie bei ihrer Arbeit mit Träumen.

Räuchermischungen
Für verschiedene Anwendungen ist es üblich, unterschiedliche Baumharze und andere Ingredenzien wie Hölzer und ätherische Öle und Balsame zu Räucherwerken zu verarbeiten, beispielsweise Weihrauch, Myrrhe, Benzoe, Sandelholz, Zeder, Wacholder, Drachenblutbaum, Sandarak, Opoponax, Tolubalsam, Mastix u.s.w. Es werden dabei die Harze, aber auch Essenzen (Destillate aus Hölzern und Harzen) und Holzpuder oder Späne genutzt. Unsere Sufimischung beispielsweise wurde speziell für Ritual- und Meditationsräume komponiert und entwickelt.

Buchtipp: Susanne Fischer-Rizzi, Botschaft an den Himmel, At-Verlag, Aarau



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