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Ausgabe November 2008
Geschichte der Esoterik - Teil 5 - Die Theosophie

Eine aktuelle Selbstdarstellung der Theosophischen Gesellschaft

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Die Theosophische Gesellschaft ist eine weltweite Vereinigung, die sich der praktischen Verwirklichung der Einheit allen Lebens und der unabhängigen spirituellen Suche widmet. Sie wurde im Jahre 1875 in New York City von Helena P. Blavatsky, Henry S. Olcott, William Q. Judge und anderen gegründet. Blavatsky (1831-1891) ist die ursprüngliche Kraft hinter der modernen theosophischen Bewegung. Ihre Schriften und die ihrer Lehrer stellen die grundlegenden Gedanken dieser Philosophie dar.


Die Theosophische Gesellschaft hat drei Hauptziele. Das erste ist, die Einheit allen Lebens als eine Tatsache der Natur aufzuzeigen und einen Kern einer Universalen Bruderschaft zu bilden. Das geschieht deshalb, weil (a) alle Menschen spirituell und physisch denselben Ursprung haben, (b) die Menschheit essenziell aus derselben Quelle stammt und diese Essenz eine Einheit ist – unendlich, unerschaffen und ewig, ob wir sie Gott oder Natur nennen –, kann nichts ein Volk oder einen Menschen betreffen, ohne auch alle anderen Völker und alle anderen Menschen zu beeinflussen.

Um ein besseres Verständnis unter allen Völkern und die Erkenntnis der essenziellen Einheit allen Lebens zu fördern, stellt das zweite Ziel eine Aufforderung dar, alte und moderne Religionen, Wissenschaften und Philosophien zu studieren. Nur durch das Studium der verschiedenen großen Religionen und Philosophien der Menschheit, durch sachlichen Vergleich mit vorurteilsfreiem Denken, können die Menschen hoffen, zur Wahrheit zu gelangen. Besonders wenn wir die verschiedenen Punkte der Übereinstimmung herausfinden und erkennen, wird uns das gelingen. Denn zur inneren Bedeutung dieser Religionen und Philosophien werden wir erst gelangen – sei es durch Studium oder dadurch, dass uns ein Wissender belehrt –, wenn wir bemerken, dass sie in fast allen Fällen den Ausdruck einer großen Naturwahrheit darstellt.

Das dritte Ziel ist, die Gesetze und Kräfte – spirituelle, psychologische und materielle –, die im Kosmos und im Menschen wirken, zu erforschen. Jeder Mensch ist ein Teil des Ganzen und enthält – latent oder offenbart – alle Eigenschaften und Attribute des Kosmos. Daher bedeutet sich selbst vollständig zu kennen, auch das Universum und alles in ihm Vorhandene zu verstehen. Die Gesellschaft warnt jedoch davor, vorsätzlich psychische Kräfte hervorzubringen, Nebenprodukte der Evolution, die mit der Zeit auf natürliche Weise zum Vorschein kommen.

Das Hauptziel der Theosophischen Gesellschaft ist es, Altruismus und Mitleid zu fördern. Wer ihr beitreten möchte, muss keinen besonderen Glauben annehmen, er sollte lediglich ihre Ziele unterstützen; die Mitglieder können jeder beliebigen Religion angehören – oder auch keiner. Die Gesellschaft ist selbst unsektiererisch und unpolitisch und offen für alle Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Nationalität, der Klasse, des Glaubens oder des Geschlechts. Ihr Bestreben ist es, der Menschheit zu helfen und nicht die Eigeninteressen ihrer Mitglieder zu fördern oder zu stärken.

Die eigentliche Wurzelidee der Gesellschaft ist freies und furchtloses Forschen. Um ein Theosoph zu sein, muss man nicht notwendigerweise die Existenz eines besonderen Gottes oder einer Gottheit anerkennen. Man muss jedoch den Geist der lebenden Natur verehren und versuchen, sich mit ihr in Einklang zu bringen. Wenn ein Schüler – was immer er auch sein mag – einmal den alten und vielbegangenen Weg der Routine verlassen hat und den einsamen Pfad des unabhängigen Denkens betritt – zu Gott hin –, dann ist er ein Theosoph, ein unabhängiger Denker, ein Sucher nach der ewigen Wahrheit mit ‘eigener Inspiration’, um die universalen Probleme zu lösen (The Theosophist, Oktober 1879, S. 6).


Das Wort Theosophie wird im Westen seit ungefähr 2.000 Jahren verwendet, um auf das Wissen über göttliche Dinge hinzuweisen oder auf das Wissen, das sowohl aus Einsicht und Erfahrung als auch durch intellektuelles Studium erlangt wurde. Es kommt vom griechischen Theos (Gott, Göttlichkeit) und Sophia (Weisheit). Wenn auch die moderne theosophische Bewegung auf Blavatsky und ihre Lehrer zurückgeführt werden kann, so ist sie dennoch ein Teil einer spirituellen Bewegung, die so alt ist wie die denkende Menschheit. Ihre Philosophie ist eine zeitgenössische Darstellung der ewigen Weisheit, die den Religionen, Wissenschaften und Philosophien der Welt zugrunde liegt. Diese Gedanken sind weder Dogmen, noch gibt es ein Glaubensbekenntnis, das ihre Hauptprinzipien zusammenfassen würde. Die Studierenden nehmen nur jene Ideen an, die für sie selbst von Wert sind. Theosophische Bücher werden weder als Offenbarung noch als letzte Autorität betrachtet, nur als Führer bei der Suche des einzelnen Menschen.

Reinkarnation und Karma sind die bekanntesten Vorstellungen, die als Folge der modernen theosophischen Bewegung im Westen populär gemacht wurden. Obwohl sie als orientalisch angesehen werden, war die Reinkarnationslehre bereits in Platos Philosophie, im Judaismus und dem frühen Christentum enthalten und wurde erst im sechsten Jahrhundert aus den Lehren der Kirchen getilgt. Reinkarnation und Karma erklären zusammen die Ursachen des Charakters und der Lebensumstände jedes Menschen, indem sie diese auf Gedanken, Handlungen und Wünsche in diesem oder einem vergangenen Leben zurückführen. Aus diesem Grund sind die Menschen selbst für ihr eigenes Leben verantwortlich und kein anderer – nicht Gott oder Mensch – kann die Ergebnisse irgendeiner unserer Handlungen von uns nehmen oder neutralisieren. Jeder von uns ist das Produkt seiner eigenen Vergangenheit.

Der theosophische Grundgedanke ist die essenzielle Einheit aller Lebewesen. Leben ist überall im gesamten Kosmos, weil alles aus derselben unbekannten göttlichen Quelle stammt. Daher lebt und evolviert alles – vom Subatomaren über die Pflanzen zu den Tieren und Menschen, Planeten, Sternen und Galaxien. Alles ist an seiner Wurzel göttlich und drückt sich entsprechend seiner Entwicklungsstufe durch spirituelle, intellektuelle, psychologische, ätherische und materielle Bereiche von Bewusstsein und Materie aus.

Weil wir fundamental eins sind, sind Altruismus und Mitleid im menschlichen Leben Ausdrucksformen kosmischer und planetarischer Wirklichkeiten. Die Menschheit ist innerlich enger verbunden als physisch, und unsere Gedanken und Gefühle haben einen starken Einfluss auf andere. Indem wir versuchen, in Harmonie mit dem Göttlichen zu leben, so gut wir eben können, nützen wir nicht nur unserer unmittelbaren Umgebung, sondern auch der Menschheit als Ganzes. Das Ideal ist, das Wohl der Menschheit und von allem, was lebt, über die eigene Selbstverwirklichung zu stellen.
Da wir in der Göttlichkeit verwurzelt sind, hat jeder von uns die Fähigkeit, die Wirklichkeit selbst zu entdecken. Um voranzukommen, müssen wir lernen zu beurteilen, was richtig und was falsch ist, was wirklich und was illusorisch ist. Wir wachsen nicht, indem wir dem Diktat einer Autorität blindlings folgen, wie hoch sie uns auch immer erscheinen mag.


Die Theosophische Gesellschaft

Im Jahre 1877, zwei Jahre nach der Gründung der Theosophischen Gesellschaft, veröffentlichte H. P. Blavatsky ihr erstes Hauptwerk, Isis Unveiled (Isis entschleiert) – zwei Bände, welche die Universalität der theosophischen Gedanken in den alten und modernen Religionen und ihre Grundlage in der Natur aufzeigen. In London veröffentlichte sie ihr Meisterwerk, The Secret Doctrine (Die Geheimlehre), das einen umfassenden Überblick über die kosmische und menschliche Entwicklung bietet und dabei mythisches, religiöses und wissenschaftliches Material aus vielen Kulturen zusammenfügt, um die Universalität der grundlegenden theosophischen Ideen zu zeigen und weitere zentrale Werke, die bis heute in vielen Sprachen verfügbar sind.

Während der letzten hundert Jahre hat sich die moderne theosophische Bewegung in mehrere verschiedene Organisationen geteilt; jede von ihnen ist bestrebt, die Ziele der Gesellschaft auf ihre Weise mit ihrem eigenen Akzent zu erfüllen. Einige Jahre nach Blavatskys Tod spaltete sich die Gesellschaft in zwei Organisationen. Die Gesellschaft, die H. S. Olcott und Annie Besant folgte, behielt ihre internationale Hauptstelle in Adyar, Madras, in Indien. Die Gesellschaft, die W. Q. Judge folgte, hatte ihre internationale Hauptstelle in New York City, dann in Kalifornien – später in Point Loma, Covina und seit 1950 in Pasadena. Im Jahre 1909 bildete eine Gruppe unter der Leitung von Robert Crosbie eine weitere große theosophische Organisation, die United Lodge of Theosophists mit Sitz in Los Angeles, Kalifornien.
Die Theosophische Gesellschaft Pasadena mit Sitz in Kalifornien folgt unter ihrem Leiterin, Randell C. Grubb, dem ursprünglichen Programm. Dazu fördern die Hauptstelle und ihre nationalen Abteilungen Bibliotheken, öffentliche Diskussions- und Studiengruppen zu theosophischen Themen und den Fragen des Lebens.

Die Theosophische Gesellschaft bietet vielfältige Informationen über ihre Aktivitäten, Geschichte und Hintergründe sowie ein breites Spektrum theosophischer Literatur kostenlos im Internet zur Verfügung an.
Dort findet sich auch ein Bücherkatalog sowie aktuelle Veranstaltungshinweise.
Man findet sie unter www.theosophie.de


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