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Ausgabe Oktober 2008
Curry

Würzen und Heilen

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Die Bedeutung von Gelbwurz und Bockshornkleesamen im Curryvon Heilpraktikerin Barbara Ahrens

Ohne Knoblauch, Zwiebeln und Rettich wären die Pyramiden vermutlich nicht gebaut worden, da ihr Verzehr die vielen Menschen vor Auszehrung und Infektionen bewahrt hat. Die früheren Zwiebel- und Knoblauchsorten sollen aber um ein Vielfaches schärfer gewesen sein, als die heutigen. Im alten China wurde der Koch hingerichtet, wenn der Kaiser erkrankte. So ist es nicht verwunderlich, wenn ich in meiner Praxis auf Grundlage der Augendiagnose individuelle Tee- und Tinkturenrezepte erstelle, dass ich mich auch mit den Heilpflanzen beschäftige, die bei uns als Gewürze verwendet werden. In der Praxis ist die Dosierung zu Heilzwecken natürlich eine andere, als beim Würzen, wo es um das Aroma geht. Aber warum sollen wir nicht Gewürze sozusagen ‚vorbeugend’ verwenden, um erst gar nicht in die Verlegenheit zu kommen, sie als Heilpflanzentee zu benötigen?
Haben sie sich ihr eigenes Curry schon einmal selbst zubereitet? Bei den sich dabei in der Küche verbreitenden intensiven Düften muss sich ihre Stimmung positiv verändern! Meine positive Stimmung wurde etwas gedämpft, als ich die in der Praxis verwendeten extrem harten Kurkuma-Wurzelstückchen in meiner Gewürzmühle mahlen wollte. Die Gewürzmühle gibt es nicht mehr, sie ging dabei kaputt, wohl aber die Kurkuma-Wurzelstückchen (bitte verwenden sie für ihr Curry die gemahlene Wurzel, wegen der guten Laune!)
Stellvertretend für unsere Gewürze schauen wir uns nun zwei Zutaten meines Curryrezeptes (es gibt deren viele) und ihre Bedeutung in der Praxis genauer an.
Die farbgebende Komponente im Curry ist die Gelbwurz, Curcuma longa L., ein Ingwergewächs. Verwendet wird dabei die Wurzel. Sie riecht leicht aromatisch, pfeffrig, frisch mit einem Hauch Orange und Ingwer. Ihr Geschmack ist scharf, bitter, etwas moschusartig. Die aus Indien stammende Pflanze verlangt heißes, feuchtes Klima und viel Wasser. Traditionell dient sie zum Färben von Textilien, Leder oder Holz (wovon schon Marco Polo berichtet hat). In der ayurvedischen Medizin wird sie seit mindestens 3.000 Jahren verwendet. In Südost-Asien konsumiert die einheimische Bevölkerung durchschnittlich 1,5 – 3 Gramm Curcuma täglich. Daher verwundert es nicht, dass Gelbwurz in den letzten Jahren verstärkt pharmakologisch untersucht wurde. Das ätherische Öl und die Curcuminoide, die gelben Farbstoffe, bestimmen die Wirkung: Gelbwurz regt den Gallefluss an, was bei Frauen in der Praxis häufig auch gleich die Verstopfung beseitigt, schützt die Leber, senkt den Cholesterinspiegel, wirkt entzündungshemmend bei Reizdarm, Morbus crohn und Colitis ulcerosa; gilt als so antioxidativ wie Vitamin A und E und wird als Begleitschutz bei einer Strahlentherapie diskutiert.
Wenden wir uns nun als 2. dem - aus dem östlichen Mittelmeerraum kommenden – Bockshornklee zu, dem ‚Griechisch Heu’ oder ‚Schabziger Klee’, einem Schmetterlingsblütler. Wir verwenden die Samen. Sie enthalten viele Proteine, Vitamine und Mineralien und sind vor allem in der vegetarischen Küche beliebt. Ich selber verwende sie gerne geweicht in Suppen (aufgrund ihres an Sellerie oder Liebstöckel erinnernden Geschmacks). Roher Samen schmeckt bitter, adstringierend und für viele unangenehm. Trocken geröstet wird der Geschmack milder. Gekeimt ergibt er einen ausgezeichneten Salat. Früher wurde ‚Griechisch Heu’ altem Heu zugesetzt, um ihm durch den Kumaringeruch Frische zu verleihen. Die Samen liefern für die Pharmaindustrie Diosgenin, das bei der synthetischen Herstellung von Sexualhormonen und für die orale Empfängnisverhütung gebraucht wird. Allgemein wirken Bockshornkleesamen schmerzlindernd und erweichend. Sie befeuchten den Dickdarm, was gerade bei trockener, atonischer Verstopfung bei älteren Menschen eine Rolle spielt (zusammen mit Islandflechte, Eibisch oder Leinsamen). Befeuchtet wird aber nicht nur der Darm, sondern auch alle anderen Organe wie z. B. die Lungen bei trockenem Husten oder die Haut bei trockenen Ekzemen. Über die vielen Schleimstoffe, Fette, Eiweiße, Vitamine und Spurenelemente hat er ernährende, Appetit anregende und aufbauende Eigenschaften (besonders bei zehrenden Krankheiten, Schwächezuständen, Magersucht und in den Genesungsphasen). Regelmäßiger Genuss von Bockshornklee senkt den Blutzuckerspiegel, den Gesamtcholesterin- und den Triglyceridspiegel.
Dies sind zwei Beispiele, wie Gewürzpflanzen auch als Heilpflanzen verwendet werden. Daneben finden wir im Curryrezept noch Chilischoten, Korianderkörner, Kreuzkümmelsamen, Senf-, Pfefferkörner und Ingwerwurzel.
Generell können wir sagen, dass alle diese Gewürze Träger von Duft- und Aromastoffen sind und direkt über die ätherischen Öle auf unser limbisches System wirken. Dort werden Gehirnbotenstoffe - wie Serotonin oder Endorphine - freigesetzt, die uns entspannen oder Glücksgefühle vermitteln. Alle Gewürze sind appetit- und verdauungsanregend. Über Geruchs- und Geschmackswahrnehmungen werden - je nach Zusammensetzung der Speise und der Gewürze - Verdauungssäfte freigesetzt. Gewürze bewahren uns vor Unwohlsein und Beschwerden nach fettreichem Essen oder ungewohnter Kost. Darüber hinaus bewahren Gewürze vor Verderbnis, besonders vor Fettverderbnis. Sie sind antibakteriell durch ihre ätherischen Öle und/oder die Scharfstoffe. Sie wirken als Antioxidantien und Radikalenfänger.
So ist es nur zu verständlich, dass gerade in heißen und feuchten Ländern sehr stark und auch oft sehr scharf gewürzt wird. Was machen Chili, Pfeffer, Knoblauch und Co mit ihren Scharfstoffen? Nun, sie reizen Äste unseres Trigeminusnervs, so dass die Nase läuft und die Tränen kullern. Da sie nicht wasserlöslich sind, hilft auch kein Trinken, sondern nur das Kauen von Brot oder Reis.
Vielleicht haben sie ja nun Lust bekommen, sich ihren Curry einmal selbst zu zubereiten, nicht nur wegen dem Geschmack und Geruch, sondern auch um ihrem Körper heilende und belebende Unterstützungen zu gönnen.


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