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Ausgabe Oktober 2008
Klangmassage

Ein Interview mit Peter Hess

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Peter Hess entwickelte vor mehr als 20 Jahren die nach ihm benannte Klangmassage und bis heute entwickelt sich und wächst seine Arbeit immer weiter. Haidrun Schäfer hat ihn persönlich für KGS befragt.

Peter Hess: Schon während meines Studiums habe ich mich mit alternativen Energien wie Orgonenergie beschäftigt. Später lernte ich unter anderem die biodynamische Massage kennen und arbeitete mit diesen Methoden. Eine Krankheit in der Familie, von der ich indirekt und dann direkt betroffen war, brachte mich mit alternativen Heilmethoden in Kontakt – als Physikingenieur und Berufsschullehrer für Elektrotechnik und Politik, allerdings immer mit einer gewissen Skepsis. 1984 waren es Freunde, die mich ermutigten, eine Auszeit zu nehmen und für ein Jahr bei ihnen in Nepal zu verbringen. Ich folgte ihrem Rat und bin dort mit jemandem in Kontakt gekommen, der Musikforschung betrieb. Außerdem konnte ich bei Schamanen und anderen traditionellen Heilern beeindruckende Erfahrungen mit heilenden Klängen machen und dabei erfahren, dass obertonreiche Klänge in diesen Ländern schon seit vielen tausend Jahren in Heilprozesse und entsprechende Ritualen integriert sind. In diesem Jahr lernte ich auch Klangschalen kennen und dann wurde mir sehr schnell klar, dass diese Instrumente sehr gut für meine Arbeit geeignet sein könnten. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass ich in dieser Zeit die Impulse zur Entwicklung meiner Methode bekam, die Methode als solche gab es noch nicht.

Wie sind Sie dann auf die Idee gekommen, die Schalen auf den Körper zu legen?

Als ich wieder zurück in Deutschland war, habe ich meine Seminararbeit mit der biodynamischen Massage wieder aufgenommen und begann, während der Seminare Klangschalen auf die Körper aufzulegen. Die Erfahrungen der Teilnehmer waren sehr schnell überzeugend, denn viele Arten von Verspannungen lösten sich in relativ kurzer Zeit: Nackenverspannungen, Unterleibs-, Lendenwirbel- oder Gelenkbeschwerden. Mehr und mehr nutzen wir die Klangschalen während der Seminare und gegen 1986 begann ich, eigenständige Seminare für Klangmassage zu geben. Am Anfang kamen hauptsächlich Frauen, die die Methode zur Selbsthilfe nutzen wollten, aber auch mehr und mehr Krankengymnastinnen und so begann ich, in Praxen Vorträge zu halten und dort meine Methode anzubieten. Diese Richtung weitete sich immer mehr aus und die Klangmassage wurde in immer weiteren Heilberufen eingesetzt. Dadurch, dass die persönlichen Erfahrungen von Klienten und Therapeuten in die Seminare einflossen, ist das Schneebällchen, das ich ins Rollen brachte, inzwischen zu einem ansehnlichen Ballon gewachsen.

Kommen wir zu der praktischen Wirkung. Die Schalen haben unterschiedliche Frequenzen, die unterschiedliche Wirkungen haben?

Ja, aber dennoch haben alle Schalen ein sehr breites Klangspektrum. Wir benutzen keine gegossenen, sondern geschmiedete Schalen und dadurch ist der Frequenzbereich bzw. das Obertonspektrum sehr vielfältig. Die gegossenen Schalen machen ein ganz klaren Ton. Uns ist aber wichtig, einen umfangreichen Frequenzbereich anzubieten, aus dem sich der betreffende Mensch immer genau die Frequenzen nimmt, die er für seinen individuellen Heilungsprozess benötigt. Der Klient entscheidet, was für ihn gerade richtig ist. Am Anfang habe ich noch Schalen aus Nepal benutzt, aber dann begannen wir mit der Produktion von eigenen Schalen. Die Beckenschalen z.B. haben ein eher tiefes Frequenzspektrum, das bei ca. 100 Hertz beginnt und gefühlsmäßig zum Unterleib passt. Natürlich haben auch die Auswahl der Schlegel einen Einfluss. Ein großer, fester Schlegel bewirkt tiefere Töne als ein kleiner und fester. Bei der Herzschale sind die Frequenzen höher und fangen bei 200 Hertz an und gehen bis in hohe Frequenzen hinein – bis in den Ultraschallbereich. Auch hier kann man mit den Schlegeln die Töne variieren. Die Gelenk- oder Universalschalen zeichnen sich dadurch aus, dass ihr mittels verschiedener Schlegel besonders vielfältige Klänge zu entlocken sind. Diese decken das gesamte Körperspektrum ab und sind daher besonders geeignet, wenn sich jemand erst einmal nur eine Klangschale anschaffen möchte.

Gibt es auch „wissenschaftliche“ Beweise für die Wirkung von Klangschalen?

In Polen gibt es zwei Forscher, Dr. Halina Potalska und Dr. Marek Potalski an der Hochschule in Poznan, die sich mit Klangschalen beschäftigen. Sie bestätigen das, was wir über Erfahrungen herausgefunden haben insoweit, dass die unteren Frequenzbereiche dem Beckenraum zuzuordnen sind und im Herzbereich die höheren Frequenzen anfangen. Wir haben in Polen auch einen kleinen Versuch gemacht und Menschen die Klangschalen auf die Handteller gelegt. Es stellte sich heraus, dass rechte und linke Hand die Klänge jeweils ganz anders wahrnehmen. Und bei jedem Menschen klingen die Schalen auch unterschiedlich. Ich gehe davon aus, dass Mensch und Schale einen Klangkörper bilden, der sehr individuell ist. Es gibt sogar Situationen, wo die Schale verstummt. Der Körper nimmt die Klänge aus der Schale so lange auf, bis die beiden Körper in Resonanz kommen – erst dann fängt die Schale an zu klingen. Die Wissenschaftler haben nun versucht zu messen, welche Frequenzen dem Menschen fehlen und dann die fehlenden Frequenzen dem Körper elektronisch zugefügt. Meine Arbeit mit den Klangschalen versteht sich als ganzheitliche Methode. Sie arbeitet nicht mit spezifischen Frequenzen, sondern vielmehr mit Frequenzfeldern, die jeweils einem bestimmten Körperbereich besonders ansprechen. Mensch und Schale treten in Kommunikation und der Mensch nimmt sich nicht nur einen isolierten Ton, sondern tritt in Resonanz. Bei einer Klangmassage entsteht ein Resonanzfeld, das sich aus verschiedenen Faktoren ergibt. In erster Linie geht es darum, in einen entspannten Zustand zu gelangen: den Stress loszulassen und die Klänge aufnehmen. In Kooperation zwischen dem Europäischen Fachverband Klang-Massage-Therapie e.V. und dem Institut Dr. Tanja Grotz läuft aktuell eine erste Untersuchung zu den Auswirkungen der Peter Hess-Klangmassage auf Stressverarbeitung und Körperbild. Die ersten Ergebnisse weisen auf positive Effekte hin.

Wie geht es weiter mit der Klangmassage?

Die Arbeit wächst und wächst und wir betreten immer noch weitere Bereiche. Es ist ja nicht nur meine Arbeit, sondern inzwischen sind die Erfahrungen von all denjenigen, die die Ausbildung gemacht haben, in die Weiterentwicklung eingeflossen. 1999 haben wir den Europäischen Fachverband für Klangmassage e.V. gegründet, in dem Erfahrungsberichte gesammelt werden, um sie anderen zur Verfügung zu stellen. Für die Zukunft stehen weitere Forschungsarbeiten an. Mittlerweile ist eine Doktorarbeit über die Klangpädagogik erschienen. Außerdem sind verschiedene Forschungsprojekte in Planung, z.B. im Zusammenhang mit der Arbeit mit Demenzkranken. Auf der DVD „Klangmassage in der therapeutischen Praxis“ wird dargestellt, was für Erfolge unter anderem bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten oder im Komabereich erzielt wurden. Wir veranstalten große Kongresse für allgemein Interessierte, aber auch für diejenigen, die sich fachlich damit beschäftigen. Für mich ist wichtig, dass die Erfahrungen der Menschen, die mit der Klangmassage arbeiten, in die Weiterentwicklung meiner Methode einfließen und damit werden sich immer weitere Möglichkeiten ergeben.

Vielen Dank für die Informationen und weiterhin viel Erfolg und weiteres Wachstum.


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