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Ausgabe September 2008
Geschichte der Esoterik - Teil 4 - Esoterik im 20. Jahrhundert


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Die Suche nach den Naturgesetzen und ihren unsichtbaren „geheimen“ sprich esoterischen Kräften ist wahrscheinlich so alt wie es denkende Menschen auf Erden gibt. Sie entwickelte sich aus Dankbarkeit gegenüber der Nahrung spendenden Natur (Naturreligionen und Schamanismus). Aus den Erkenntnissen über den Lauf der Gestirne entstanden die Forschungen der Chaldäer und auch das kosmische Wissen der Ägypter, denn die regelmäßigen Nilüberschwemmungen brachten Fruchtbarkeit in die Nilauen. Sie findet sich ebenso in den Lehren der indischen Brahmanen und den Erkenntnissen Buddhas, wie im alten Wissen des israelischen Volkes (Kabbalah und dem Sohar) und in den griechischen und später auch christlichen Quellen.
Im Mittelalter finden sich Hinweise auf „esoterisches“ Wissen in Texten von Agrippa von Netteshein, Origenes, Jakob Böhme, Swedenborg, Meister Eckhart wie auch in der asiatischen Welt bei Laotse, Kung-Fu-Tse, Chung-Tse. Immer schon wurde nach den Wurzeln gesucht, einen geistigen Weg zur Verbindung mit der Quelle.
Viele dieser Lehren wurden geheim gehalten und galten als „esoterisches Wissen“, weil sie nicht allgemein verständlich und von der Breite der Bevölkerung nicht zu begreifen waren. Daher wurden die esoterischen Lehren nur wenigen - durch Prüfung Auserwählten - zugänglich gemacht.
Die erste große Lehre der esoterischen Weisheit wurde im 19. Jahrhundert von Helena P. Blavatsky (H.P.B) veröffentlicht. Um 1880 brachte sie ihr Grundlagenwerk des okkulten Wissens, die aus drei Bänden bestehende „Geheimlehre“ heraus. Sie basiert auf den ältesten bekannten Texten und belegte viele Thesen des Mittelalters. Sie korrigierte so manche Denktheorie und schaffte durch ihre Veröffentlichung die erste Grundlage für eine wissenschaftliche Erforschung spiritueller Wahrheiten. Sie eröffnete der westlichen Welt erstmals die Existenz ursprünglichen, alten, heiligen Wissens und das ganzheitliche Vorhandensein der vier körperlichen Seinsebenen des Menschen (Physis, Denken, Fühlen, Äther). Einhergehend mit der Veröffentlichung der Geheimlehre gründete H.P.B die Gesellschaft der Theosophischen Lehren, die Theosophie.
Die Popularität ihrer Lehre, die erstmals uralte Texte, ferner den indischen Brahmanismus und die aus ihr komprimierte indische Lehre des Prinzen Siddhartha, der zum Gautamo Buddha wurde, verdeutlichte, stieß Anfang des 20. Jahrhunderts auf großes Interesse - anfangs vorwiegend in intellektuellen Kreisen. Viele bedeutende Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts wie Sigmund Freud, Dr. Alfred Adler, Albert Einstein, C.G. Jung etc. beschäftigten sich intensiv mit religiösen Themen, auch mit den Lehren von H.P.B. Bekannte Professoren und Doktoren verschiedener Fakultäten forschten auf Grundlage der Theosophie. In den damaligen Fachmedien entstanden zahlreiche Veröffentlichungen rund um diesen Themenbereich. Buchverlage erweiterten ihre Angebotspalette und es entstanden neue Fachverlage, die sich schwerpunktmäßig den okkulten, spirituellen Themen widmeten.
Durch das große Interesse der Öffentlichkeit in der westlichen Welt und Amerika, entstanden aus der theosophischen Mutterloge der H.P.B viele Gruppen, auch die Theosophische Gesellschaft Deutschlands, aus der heraus Rudolf Steiner die Anthroposophie begründete.
In den dreißiger Jahren entstanden neuere Lehren von Alice A. Bailey, die die Theosophie wesentlich vertiefte. Die Theosophie begründete ein neues Denken und legte vorwiegend in Amerika und Europa, den Grundstein für die um ca. 1930 entstandene Aktivität der „I AM Bewegung“, begründet von einem Ingenieur namens Mr. Ballard, dessen Gruppenaktivitäten zwischen 1935 bis 1950 gewaltige kosmische Energien freisetzten.
Die geistig-physischen Auswirkungen dieser Aktivitäten waren so stark, dass die wahren Kernlehren der I AM- Bewegung nur ausgewählten Schülern anvertraut wurden und bis heute für die Allgemeinheit zur Veröffentlichung nicht freigegeben sind. Bei diesen Skripten handelt es sich daher um esoterische Geheim-Lehren, die bis heute nur von wenigen Schülern weltweit benutzt werden.
Doch den dynamischen Kräften der I Am - Bewegung fehlten die harmonisierenden, ausgleichenden Faktoren der kosmischen Energien von Liebe und Weisheit, durch die erst eine andauernde Stabilität erreicht worden wäre. Dieser Umstand führte zu einer neuen Gruppierung, zur „Brücke zur Freiheit“, die von Geraldine Innocente zeitgleich in den USA/Kalifornien, in der Schweiz und Deutschland (Berlin) gestiftet und initiiert wurde.
Die von 1952 bis 1961 gegebenen Lehren der “Brücke zur Freiheit” stellten eine Zusammenführung, der großen geistigen Lehren dar. Denn in den Lehren der “Brücke” wurde das theosophische Wissen der Weisheit und die Kraftfreisetzungen der I Am Bewegung mit der schöpferischen, allumfassenden geistigen Liebe zu einer Einheit verbunden. Den Schülern wurde auf Grundlage der vorherigen Lehren erklärt, wie deren einzelne Energien zu verschmelzen sind, um über den Weg der wahren, ursprünglichen Meditation den Abgrund der Unwissenheit zu überschreiten, über die Brücke zum Geistigen Wissen und dann zur endgültigen Freiheit zu gelangen.
In der Mitte des letzten Jahrhunderts erlebten diese drei ursprünglichen Gruppen energetische Umbrüche, aus denen neue Gruppen entstanden. Ursprüngliche Lehren wurden dabei „zeitgemäß“ verändert, in neue Zielsetzungen eingebunden, teilweise mit neuen Namen versehen und von den Ursprungslehren abgetrennt, oft als „neue“ Lehre bezeichnet.
Aus den so abgespaltenen Gruppen entstanden durch Weglassen und Hinzufügen spiritueller Ideen neue „geistige Systeme“ und Wege. Unverständnis gegenüber den Gesetzen des Evolutionsweges, aber auch der große Wunsch, der Menschheit etwas selbst geschaffenes, eigenes geben zu wollen, waren die Motivationskräfte dieses großen Verbreitungswillens, der in Amerika seinen Anfang nahm und als „New-Age“ auch hier für Aufsehen sorgte.
Die Namen der drei Hauptgruppen wurden von den inhaltlich veränderten Gemeinschaften teilweise widerrechtlich übernommen. Dadurch entstand noch mehr Verwirrung in den „Angeboten“ am Markt. Doch alle drei ursprünglichen Gruppen haben die ihnen übergebenen Original-Lehren glücklicherweise bewahrt, sie pflegen und leben die Original-Texte sowie die ursprünglich gegebenen Regeln bis heute in ihren Gemeinschaften. Sie dienen nach wie vor dem kosmischen Gesetz und betreuen kostenlos Schüler auf ihrem spirituellen Weg zum eigenen Herzen.
Autoren wie K.O. Schmidt, einer der bedeutendsten deutschen Mystiker und Lehrer des 20. Jahrhunderts hat in zahlreichen Werken verschiedenste philosophische Richtungen dokumentiert. Auch Gottfried Graf von Dürckheim hat in seinem Standardwerk über den Zen Buddhismus esoterische Inhalte deutlich formuliert: Beide Autoren sind ein Beispiel dafür, dass zu unterschiedlichen Zeiten Menschen auftreten, die die ursprüngliche Wahrheit der Esoterik der Menschheit wieder ins Bewusstsein bringen. Geistige Lehrer, die die Heilige Wissenschaft der in den Naturgesetzen wirkenden Kräfte innerlich verstehen und an Suchende weiter geben, gab und gibt es zu jeder Zeit. Sie zu finden und dann vor allem zu erkennen ist die erste geistige Übung eines Schülers auf seinem Weg. Denn nur wer Gottes Wahrheit durch entwickelte Entscheidungskraft klar im Herzen fühlen und erfassen kann, ist vorbereitet, den inneren Gesetzen der Heiligen Wissenschaft zu folgen.

Um unsere Esoterik-Reihe nicht hier zu beenden, sondern mit der Gegenwart abzuschließen, werden wir in den kommenden Ausgaben der KGS Berlin heute noch aktive, esoterische Gruppen bzw. Gemeinschaften vorstellen, die sich auf unterschiedliche esoterische Traditionen beziehen und diese bis heute pflegen.

Studienkreis für Empirische Evolutionsforschung - gegründet 1952

Quellen zur Geschichte der Esoterik im 20. Jh.

Blavatsky, H.P.: Die Geheimlehre, Studienausg.
Haich, Elisabeth: Die Einweihung
Schmidt, K.O.: Universale Religion
Purucker, Dr.: Mensch im Kosmos
Jonathan Black, Die geheime Geschichte der Welt


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