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Ausgabe September 2008
Schamanisches und spirituelles Lernen

Ein Beitrag von Dr. Lutz Wilde

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Bei mir wuchs das Esoterik-Interesse während meiner Physik-Promotion. Ich las viel, probierte dies und jenes, belegte dort ein Seminar, machte da einen Workshop mit. So entwickelte ich mich, bis ich nach einigen Jahren feststellte: Allein komme ich nicht richtig voran. Eine Grenze war erreicht. Langsam wuchs meine Bereitschaft, mich einem Lehrer anzuvertrauen. Dann lernte ich nahezu zeitgleich drei Lehrer oder Meister kennen. Für einen entschied ich mich. Was macht nun dieses Lernen aus? Was ist anders als vorher?
Die Ausbildung erfahre ich als ein Lernen, das auf meinen Wahrnehmungen und Schlussfolgerungen basiert. So sollte es sein, da Schamanismus ein Wissen aus Erfahrung verspricht und damit über den Glauben hinaus geht. Konkrete Erfahrungen beispielsweise in schamanischen Trommel-Trance-Reisen fördern das eigene (innere) Beobachten. Dann ist das Reflektieren gefragt. Denn der Weg in geistige Höhen erfordert Selbstreflexion und die Offenheit zur eigenen Veränderung. Beim Austausch in der Gruppe trainiere ich diese Fähigkeit. Gleichzeitig werde ich durch Gruppenmitglieder angeregt, auch andere als meine gewohnten Wahrnehmungsbereiche zu erschließen.
Hellwach ist jetzt mein Interesse: Ich möchte verstehen, was ich erlebt habe, was in dieser Trommel-Trance-Reise geschehen ist. Wie konnte ich auf einmal etwas erleben, was völlig neu für mich ist? Woher kommt diese Kraft in mir? Jetzt kann ich die theoretischen Einordnungs- und Erklärungshilfen anwenden. Halten sie der Überprüfung stand?
Und wenn ich nicht weiter komme, mich verrannt habe, so gibt es neben den Gruppenmitgliedern immer noch meinen Lehrer. Manchmal gibt er mir gleich die Antwort, manchmal gibt er mir statt einer Antwort eine Aufgabe. Anfangs habe ich gehadert. Es hat gedauert, bis ich verstanden habe: Er fördert mich. Die Aufgabe hilft mir, meine eigenen Unzulänglichkeiten zu erkennen und zu verändern. Und dann finde ich die Antwort: Aus mir selber heraus.
So „entwickle“ ich mich aus dem Knäuel meiner Verstrickungen. Jetzt gilt es: Üben, anwenden, aktiv experimentieren. Denn nur dadurch gelange ich wie in einer Spirale auf die nächste Ebene der Erfahrung, Erkenntnis und Kraft. Es ist wie ein kindliches Spiel: Leicht, freudig und doch hochkonzentriert.
Ein wichtiges Bindeglied ist meine Gruppe. Ich lerne in ihr, ich lerne mit ihr. Viele meiner inneren Prozesse durchleben andere Gruppenmitglieder auch. Gelassenheit entwickelt sich: Ich brauche nicht über alles zu reden. Ich lerne aus den Fragen und Äußerungen der Anderen. So bin ich einerseits der „Nabel der/meiner Welt“. Andererseits kann ich mich aus dieser Zentriertheit auf ein größeres Ganzes – in diesem Fall die Gruppe – einlassen, kann in sie eingehen, gehe in ihr auf und bin doch ganz tief in mir zentriert. Ich weiß, es klingt paradox, und doch ist es so.
Anfangs war es für mich ein Rätsel, wie individuelle Führung innerhalb einer Gruppe überhaupt möglich ist. Denn jeder Mensch hat einen anderen Erfahrungshorizont. Jede/r hat einen anderen persönlichen und energetischen Stand, hat seine ganz eigenen individuellen Muster, Vorzüge, Herausforderungen. Und doch werden alle auf ihrem Stand gefordert und gefördert. Sie gehen als Gruppe einen gemeinsamen Weg und doch geht jede(r) seinen auf ihn / sie abgestimmten Weg.
Des Rätsels Lösung liegt in der speziellen Art der energetischen Schulung. Fähigkeiten werden trainiert, um geistige Kräfte wahrzunehmen und anzunehmen, zu lenken sowie ausdrücken zu können. Die dabei verwendeten Methoden bewirken je nach Entwicklungsstand eine angepasste Energiefreisetzung und –erhöhung. Da unser Bewusstsein auf der Energie reist, gelangen wir mit einer höheren Energie ganz von allein in neue Bewusstseinsbereiche. Erinnerungen (mitunter aus längst vergessenen Zeiten) kommen ins Bewusstsein. Bekannte und Helfer (Krafttiere, Ahnen, Engel, innere Lehrer) stellen sich vor. Sie sind auf einmal da. Die Verbindung ist (wieder-)hergestellt. Und der Kontakt bewirkt neben einer schrittweisen Erinnerung vor allem eine Klärung und Energieerhöhung. Das ist ein spiralförmiger Prozess beständiger Entwicklung.
Die beharrliche Praxis wirkt fördernd auf den Alltag zurück. Innerer Friede und Freude, Verbundenheit, Liebe und Bewusstheit stellen sich ein. Das „Mehr“ an Kraft erlebe ich u.a. als Vitalität, Entscheidungs-, Willens- und Motivationskraft. Gleichzeitig erhöhen sich meine inneren Denk- und Verarbeitungsprozesse. Ich lerne schneller im Beruf, brauche weniger Zeit für die Erledigung meiner Aufgaben. So erhalte ich mehr Zeit für andere Dinge. Nutzen wir die Freiräume, die uns geboten werden. Wir haben sie verdient.

Dr. Lutz Wilde ist promovierter Physiker und Schamane. Nach vieljährigen Ausbildungen in der Akademie House of Shaman gibt er das Wissen um schamanisch-energetische Wege an interessierte Menschen in Berlin und anderen Städten Deutschlands weiter.


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