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Ausgabe September 2008
Persönlichkeit und Selbst

Die unterschätzten Ressourcen für Gesundheit und Erfolg - ein Beitrag von Dieter Jarzombek

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Persönlichkeits- und Selbsterfahrungsseminare sind wieder in Mode. Doch wofür braucht man sie wirklich und worauf sollte man achten, damit die Nabelschau zur Selbsterkenntnis und das Training auch wirklich zum erhofften Erfolg führen?

Vielfach sind Menschen in unserer Gesellschaft fachlich gut ausgebildet, mit Tools und Wissen ausgestattet, mit allem also scheinbar gut bestückt, was man und frau so brauchen, um glücklich und erfolgreich durchs Leben gehen zu können. Und dennoch beschleichen nicht wenige das Gefühl, dass da etwas fehlt, um sich ganz zu fühlen. Andere merken in Krisenzeit, wenn der Job verloren wurde, die stetig wachsenden Anforderungen zum Burn-Out geführt haben oder durch die Trennung von einem Partner, dass ein erfülltes und selbst bestimmtes Leben sich wohl anders anfühlen müsste.
In den meisten Aus-, Fort- und Weiterbildungen - auch auf dem Esoterik-Markt - wird übersehen, dass wir Selbst unser wichtigstes Arbeitsinstrument im Leben sind, und dass alles angeeignete Wissen und Können ins Leere laufen müssen, wenn wir es nicht verstehen, es durch angemessenes sozial- und selbstkompetentes Verhalten anzuwenden und in die Welt zu bringen. Diese beiden Facetten des Verhaltens sind Bestandteile der eigenen Persönlichkeit.
Interessanterweise gilt das nicht nur für den Beruf und die privaten Beziehung sondern gerade auch für die spirituelle Entwicklung, die viele Menschen anstreben. Nicht selten trifft man hier auf Leute, die herausragende Fähigkeiten entwickelt haben, jedoch kaum in der Lage sind, ihren Alltag zu bewältigen, erfüllende soziale Beziehungen zu leben oder ihre Fähigkeiten zum Wohl von sich und anderen einsetzen zu können. Allzu oft entwickeln solche Menschen dann ein überhöhtes spirituelles Ego, was sie selbst an ihrer eigenen weiteren Entwicklung hindert, und ihre Anhänger und Schüler in die Irre leiten kann.
In vielen Traditionen gibt es Hinweise auf solch Schieflagen, so heißt es Selbsterkenntnis stehe vor Gotteserkenntnis - umgangssprachlich könnte man das auch so formulieren: bevor du anfängst zu fliegen, solltest du erst einmal laufen lernen. Wer also erfolgreich sein will im Leben - egal in welchem Bereich - braucht ein hohes Maß an Sozial- und Selbstkompetenz und hier setzen wirkliche Persönlichkeitstrainings an.
Durch die Forschungsergebnisse der Persönlichkeitspsychologie ist inzwischen belegt, dass sich Persönlichkeit nicht - wie lange Zeit angenommen - in den frühen Lebensjahren oder durch Vererbung herausbildet und dann unveränderbar und stabil für den Rest des Lebens bleibt. Vielmehr können sich Persönlichkeitsmerkmale durch neue Herausforderungen, wie sie bspw. In einem Training hergestellt werden, von Menschen noch bis ins hohe Alter verändern lassen. Die Weiterentwicklung von Persönlichkeit ist also auch im Erwachsenenalter durchaus möglich und auch sinnvoll, insofern der- oder diejenige sich durch einzelne Persönlichkeits-/ Verhaltensweisen an der Erfüllung eines selbst bestimmten und erfolgreichen Lebens hindert - sich also selbst im Wege steht.
Wenn Menschen in Persönlichkeitstrainings wie dem von mir entwickelten Self-Effektiveness-Trainig (SET) ihre Persönlichkeitsmuster in intensiver Selbsterfahrung erkennen, sie sich ihre wahren Wünsche und Bedürfnisse bewusst machen und dann verstehen durch welche "Verhinderungsstrategien" sie sich bislang von der Erfüllung eines ihnen wirklich entsprechenden Lebens abgehalten haben, ist das für viele Teilnehmer eine beeindruckende Erkenntnis, die zur Bereitschaft führt, hinderlichen Persönlichkeitsanteile aufzugeben und wirksame hinzuzulernen.
Wodurch werden Persönlichkeitstrainings für die TeilnehmerInnen denn überhaupt erfolgreich? Neben der Methodenwahl und dem Curriculum des Trainings sowie der Qualifikation der Trainer scheinen vier besondere Wirkungsfaktoren ausschlaggebend für den Erfolg zu sein:
1. Feed-back: Wir Menschen können uns nur in dem anderen selbst erkennen. Oder anders ausgedrückt: Wir brauchen andere Menschen, die uns offen, ehrlich und zugleich wertschätzend Rückmeldung über uns, unser Verhalten und unsere Wirkung auf sie geben, damit wir dies mit unserer Selbsteinschätzung abgleichen können und uns durch den Blick von außen erfahren können.
2. Neuerzählung unserer Geschichte: Unsere Identität gründet sich auf der Summe unserer abgespeicherten Geschichten über unser Leben. Wenn wir in der Lage sind unser Leben oder Teile davon neu zu deuten, durch neue Erfahrungen umzubewerten und neu zu erzählen, so verändern wir damit auch unser Selbstverständnis und unser Selbstbewusstsein und ermöglichen Veränderungen von alten Denk-, Gefühls- und Verhaltensmustern.
3. Körperarbeit: Durch die gezielte Arbeit mit dem Körper erreichen wir Muster, die über den kognitiven also verstandesmäßigen Zugang nicht erreichbar sind und können diese auf sehr sanfte Art und Weise auflösen.
4. Gemeinschaft: Wir Menschen sind als soziale Wesen auf die Gemeinschaft von anderen angewiesen, um von einander lernen zu können, uns aufgehoben und geborgen zu fühlen, um uns auseinandersetzen zu können, um uns sicher fühlen zu können - all das benötigen wir, um uns entwickeln zu können.
Gute, mehrjährige Persönlichkeitstrainings sind nach aller Erfahrung unter den beschriebenen Bedingungen durchaus in der Lage große qualitative Unterschiede im Leben von Menschen zu bewirken - hin zu mehr Klarheit, Beziehungs- und Liebesfähigkeit, Kraft und Stärke, zu mehr Gesundheit sowie zu einem freieren und selbst bestimmteren Leben. Wer sich auf dieses spannende Abenteuer einlässt, begibt sich auf nichts weniger als auf die Reise zu seinem wahren Selbst.
Der freie Autor Dieter Jarzombek ist Verhaltens- und Gestalttherapeut, SET-Supervisor und Spiritus Rector des Calumed - Refugiums in Bispingen / Nordheide.


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