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Ausgabe September 2008
Arbeiten in der Welt von morgen

Wie gestalte ich meine Zukunft, was haben wir dafür zu lernen und wie können wir unsere eigenen Ideen verwirklichen? Ein Beitrag von Jürgen Häger

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Nicht nur das Klima befindet sich im Wandel, auch der Berufs- und Arbeitsmarkt erlebt unruhige Zeiten. Diese „Turbulenzen“ entstehen durch die unmittelbaren Auswirkungen von Globalisierung, Technisierung, Komsumorientierung und ausgefeilten Geschäftsstrategien – im Positiven wie im Negativen. Sie erzeugen eigene Gesetzmäßigkeiten, die häufig die (Negativ)Schlagzeilen der Medien bestimmen. Die Themen des Alltags werden durch multimediale Omnipräsenz nach Quoten und Verkaufszahlen geprägt und gesteuert. Wirtschaft und Politik spielen mit uns „Katz und Maus“ oder „Hau’ den Lukas“ bis es donnert und kracht. Die Szenerie dieses Theaters ist überwältigend.
Irritation, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit rufen auf einmal Werte- und Sinnfragen auf den Plan. Die Fragen „Wie gestalte ich meine berufliche Zukunft?“ und „Wohin entwickelt sich eigentlich die Arbeitswelt von morgen?“ werden dabei mehr und mehr zur täglichen Herausforderung.

Neue Schlüsselkompetenzen sind gefragt
Die Zukunftsforscherin Imke Keicher formuliert es in ihrem Buch Und sie bewegt sich doch – Neue Chancen und Spielregeln für die Arbeitswelt von morgen so: „In Zukunft werden uns hochkomplexe Strukturen auf einem weltweiten Arbeitsmarkt mit einem hohen Veränderungstempo und immer wieder neuen Unsicherheiten konfrontieren.“ Weiter heißt es: „Patentrezepte gibt es für die Arbeit der Zukunft nicht mehr. Stattdessen ist jeder Einzelne gefragt, herauszufinden, was er kann, was er will – und wie er dies mit einem sich permanent wandelnden Umfeld in Einklang bringen will.“
Wenn das stimmt – und die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch – ist jede/r einzelne von uns aufgefordert, sich klar und deutlich zu positionieren, seine persönlichen Werte und Grenzen aufzuzeigen, integer und authentisch zu agieren. Auf dem Arbeitsmarkt könnte das heißen, sich mit einem persönlichkeitsnahen, aussagefähigen Profil aktiv und eigenständig zu bewegen und zu präsentieren – als eine Art „Unternehmer/in der eigenen Arbeitskraft“. Unabhängig davon, ob ich eine Anstellung suche, mich selbstständig mache oder in einem Projekt meinen Platz finde. Sich selbstbewusst und potent (hier: in Kenntnis seines Potentials) zu zeigen, öffentlich zu sein – gesehen und wahrgenommen zu werden, zu agieren und zu reagieren, seinen Arbeitsplatz aktiv (mit)gestalten – über all’ das lohnt es sich Gedanken zu machen.
Imke Keicher zeigt eine interessante und spannende Entwicklung auf. Nach ihren Erkenntnissen wird die zukünftige Arbeitswelt von „Kreativarbeitern“ bestimmt, die in der Lage sind, auf die sich ständig verändernden Anforderungen zeitnah zu reagieren und ihre Erkenntnisse in das jeweils vorliegende Arbeitssystem einzufügen.
„Uniquability“, „Kreativität“ und „Empathie“ sind demnach als zukünftige Schlüsselkompetenzen gefragt. Mit „Uniquability“ ist dabei nicht nur das Vorhandensein der Einzigartigkeit jedes Menschen gemeint, sondern auch die Fähigkeit (Ability), diese bewusst, verantwortungsvoll, eigenständig und praktisch anzuwenden - und sie bestenfalls seinem sozialen Arbeits- und Lebensnetzwerk als konstruktiven und gewünschten Beitrag zuzuführen. Das setzt Selbstkenntnis und eigenverantwortliches Entscheiden und Handeln voraus – mit allen daraus resultierenden Konsequenzen.

Neue Lern-, Lehr- und Erfahrungsräume
Auch unsere etablierten Schul- und Lehrsysteme entsprechen nicht mehr den Anforderungen der rasanten Entwicklung des Weltgeschehens. Die altgedienten Methoden von Wissensvermittlung und -aufnahme sind längst überholt. Wissenschaftler, Pädagogen und Psychologen wissen schon lange darum und fordern von den Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft mehr Offenheit für neue Konzepte einer zeitgemäßen Lern- und Ausbildungskultur. Es kann davon ausgegangen werden, dass Ressourcen orientiertes Lernen und das Herausbilden individueller Fähigkeiten ein hohes Maß an Identität und Nachhaltigkeit für den beruflichen Weg gewährleisten. Weiterhin sind Soziale und Emotionale Kompetenzen, Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit – neben den erforderlichen fachlichen Qualifikationen – wesentliche Voraussetzungen für die zukünftige Arbeits- und Geschäftswelt.
Das Erkennen und Anwenden von „Kollektiver Intelligenz“ in Gruppen, Teams und Gemeinschaften beinhaltet höchstes Lern- und Lehrpotential. Es eröffnen sich neue Lern- und Erfahrungsräume mit einer unendlichen Vielfalt an Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten für jeden Einzelnen.
So geht es jetzt vor allem darum, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen konstruktiv weiter zu entwickeln und bewusst zu gestalten. Dazu gehören neben zeitgemäßen Schulen, Lehrstätten und Universitäten auch weiterführende Einrichtungen, wie „Ideen-Labore“, Kreativitätswerkstätten oder sozialökonomische Geschäftsräume für Gründer, Selbstständige und Freiberufler (z.B. self-germany.de, garageberlin.de). Die Verfügbarkeit von Beratungs-, Coaching-, Supervisionsmöglichkeiten, der Austausch in Gruppen und Netzwerken, die sinnhafte Nutzung des Internets, das Wahrnehmen disziplin- und kulturübergreifender Kontakte, die Zusammenarbeit über Patenschaftsmodelle uvm. – das alles sind konkrete Mittel und Möglichkeiten, Menschen auf ihrem Weg in die berufliche Zukunft zu unterstützen.

Wandel als Chance
Die Zeiten, von „Ausbildung, Weiterbildung, Karriere, Rente“ als kalkulierte, vertikale, hierarchisch angelegte Erfolgslinie – gar in einem einzelnen Unternehmen – sind definitiv vorbei. Diese Modelle entwickeln sich zu Einbahnstraßen mit Sackgassenpotenzial. Horizontale, kreisförmige Bewegungen sind angesagt, das Aufnehmen von Schwingungen und Stimmungen und das sofortige Antizipieren, Weiterleiten und Umsetzen in das unmittelbare Lebens- und Arbeitsumfeld. Sich auf einer Ebene miteinander kommunizierend und – den Wellenbewegungen entsprechend – tanzend zu bewegen ist die Strategie der Zukunft. Ein überwiegend weibliches Prinzip. Das hört sich für einige interessierte Sucher und Pioniere doch gar nicht so schlecht an, oder?
Die Zeichen stehen auf Veränderung. Warum sich also nicht gleich für das einsetzen, was uns am meisten Sinn und Freude verspricht? Warum nicht die eigenen Wünsche, Ideen und Projekte verwirklichen? Neue Strukturen, Innovationen, erneuerbare Energien, Bio, Wellness, alternative Heilmethoden, spirituelles Unternehmertum, Gemeinschaftssinn – all’ das ist im Kommen, und die Welt kann es wirklich gebrauchen.
Warum nicht neue Branchen/Berufe entstehen lassen und den eigenen Arbeitsplatz selbst kreieren? Vieles ist möglich – für jede/n von uns.



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