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Ausgabe Juli 2008
Hypnose - Über die Möglichkeit, ruhendes Potenzial zu aktivieren

Christoph Mahr beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Hypnose und befreit in diesem Artikel von den Vorurteilen der Willenlosigkeit, die dieser Methode teilweise noch anhaftet.

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Hypnose wird oft mit Vorstellungen von Manipulation, Unterwerfungsbeziehungen und Willenlosigkeit verbunden. Andererseits schwingt gleichsam die Hoffnung mit, dass Symptome einfach wegsuggeriert werden können. Zum Glück ist die Realität der Hypnose eine andere. Die moderne Hypnose ist kein Kontext, in dem Suggestionen in einen passiven Behälter „eingepflanzt“ werden, sondern Methodik, die von Anfang an auf einer respektvollen, kooperativen und gleichberechtigten Mensch-zu-Mensch-Beziehung beruht. Symptome werden hier verstanden als kreative und intelligente Botschaften des Unbewussten mit Symbolcharakter, die es gilt als solche zu würdigen und wertzuschätzen.

Trance – eine natürliche Erfahrung
Beim hypnotischen Zustand, auch Trance genannt, handelt es sich um eine völlig natürliche Erfahrung, die von innen ausgelöst und nicht – wie man früher meinte – von außen induziert wird. Dies liefert auch einen Hinweis darauf, dass sie von praktisch jedem geistig gesunden Menschen erlernt, angewendet und erfahren werden kann.
Trance, der Bewusstseinszustand, in den wir uns unter Anwendung von Hypnose begeben, wurde von Milton H. Erickson – dem Begründer der modernen Hypnose – definiert als „ein Zustand einer erhöhten nach innen gerichteten Aufmerksamkeit“. Es gibt viele Wege, auf denen Menschen in verschiedensten Situationen in Trance gleiten: z.B. beim Tanzen, beim Musik hören oder in der Natur sein, aber auch das starre Blicken auf einen Punkt. Es ist gut, darum zu wissen und sich diese Elemente auch praktisch nutzbar zu machen. Das Hauptvehikel hypnotischer Arbeit ist jedoch unbestritten die Sprache. Sie gilt es, in einer kunstvoll vagen, unspezifischen, aber bedeutungsvoll klingenden Weise zu gebrauchen. In vielen Lebensbereichen findet diese Art der Kommunikation „ungewollt, automatisch, unbewusst“ statt und wird in der Regel als solche nicht erkannt. Hypnose ist also genau genommen etwas eher Alltägliches und mutet immer nur dann mystisch oder magisch an, wenn sie durch bestimmte Rituale vom Alltag abgegrenzt ist.
Die Erlebnisse in Trance sind breit gefächert und reichen von relativ gewöhnlichen Momenten bis hin zu tief greifenden metaphysischen Erfahrungen. Und so gehört es mit zu den Hauptaufgaben hypnotischer Arbeit, einen Rahmen zu schaffen, in dem Menschen mit ihrem innersten Kern in Kontakt kommen. „Einfließen in jenen hellen Raum hinter den Gedanken“, der die Quelle von Lebensenergie und Weisheit ist.

Ruhendes Potential erwecken
Es geht darum, unter Ausschaltung bzw. Umgehung des Bewussten einem Menschen Trance zu ermöglichen, um so eine direkte Kommunikation mit dem Unbewussten aufzubauen. Menschen werden unterstützt, das Spektrum ihres Selbstausdrucks zu erweitern anstatt die kreativen Ausdrucksmöglichkeiten einzudämmen, wie es z. T. bei traditionellen Therapieformen der Fall ist. Das Unbewusste als schier unerschöpflicher Speicher lebensgeschichtlicher Erfahrungen wird für die gewünschten Veränderungsprozesse nutzbar gemacht. Mittels Hypnose lassen sich ebenso die Selbstheilungskräfte aktivieren wie auch unentdeckte Fähigkeiten, die auf ihre Umsetzung warten. Der Praktiker moderner Hypnose geht in aller Regel davon aus, dass viele Menschen weit mehr Fähigkeiten und Talente haben als ihnen bewusst sind. Ziel der Hypnose ist es, diese zu entdecken und zu fördern. Probleme gelten als ein wesentlicher jedoch zweitrangiger Aspekt der Entwicklung gegenüber Lösungen, die an erster Stelle stehen. In der Trance kann nahezu jede beliebige reale, erinnerte oder phantasierte Szene mit allen emotionalen und körperlichen Auswirkungen erlebt werden. Der Zauber der Hypnose besteht in der Möglichkeit, einen Raum von Atmosphäre und Vertrauen zu schaffen, in dem wirkliche Veränderung geschehen kann.

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Christoph Mahr: Gründer und Leiter des Instituts Christoph Mahr und von NLP & Hypnose in Berlin ist DVNLP-Lehrtrainer und Trainer für Erickson‘sche Hypnotherpie. Seit 1999 werden regelmäßig Ausbildungen zum Hypnose-Practitioner, seit 2006 auch zum Hypnose-Master durchgeführt.
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