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Ausgabe Juli 2008
Wozu Yoga?

Heike Gebhard ist Yogalehrerin und berichtet über ihre Motivation, Yoga zu unterrichten.

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KGS: Yogalehrerin wird man nicht, weil man die Schule von den Eltern erbt. In vielen Fällen greift das „Schicksal“ ein, um denjenigen auf den richtigen Weg zu bringen. Wie sah in Ihrem Fall der Wink mit dem Zaunpfahl aus?

Heike Gebhard: Ich hatte massive Rückenprobleme und entzündete Schultergelenke, die aus der Belastung der Schreibhaltung am Computer herrührten. Nach etlichen Therapien hatten die Orthopäden nur noch eine Operation als Lösung anzubieten, was ich aber nicht wollte. Der „Zufall“ führte mich in eine Yogastunde. Diese Yogastunde war das Schlüsselerlebnis. Die Übungen, die in dieser Stunde gemacht wurden, haben mich sehr beeindruckt und ich konnte natürlich nicht mithalten, aber mich hat etwas anderes berührt: Es war die Energie, diese Konzentration, die bewirkte, dass ich mich sofort einlassen konnte. Ich spürte meine Grenzen sehr deutlich, aber das war in Ordnung. Nach der Stunde fühlte ich mich wie innerlich geduscht und gereinigt, glücklich und in meiner Mitte. Das war schon sehr besonders.

Das ist der Weg zur Yogaschülerin. Wieso sind Sie auch Lehrerin geworden?

Fortan ging ich, so oft es mir möglich war, zum Unterricht. Die Fortschritte, die ich innerhalb von ein paar Monaten machte, waren einfach enorm. Anfangs konnte ich viele ungen aufgrund meiner eingeschränkten Bewegungsfreiheit von Schultern und Rücken nur ansatzweise ausführen. Nach einigen Wochen fielen mir Übungen, die früher nicht denkbar waren, wesentlich leichter und erst da merkte ich: Die Schmerzen sind ja weg! Die Bewegungsfreiheit ist wieder da. Und dann war völlig klar: Ich will mehr wissen über den Hintergrund, die Philosophie. Meine Yogalehrer unterstützten mich, eine Yogalehrerausbildung zu machen. Danach habe ich gleich angefangen zu unterrichten, weil ich meine eigene Begeisterung vom Yoga weitergeben wollte. Und das ist bis heute so geblieben.
Ich persönlich schrecke vor Yoga etwas zurück, weil ich mir so ungeheuer steif vorkomme und kann mir aber vorstellen, dass die Übungen auch funktionieren, wenn man sie nicht in ihrer Perfektion beherrscht.
So ist es: Es geht nicht um Akrobatik, sondern darum, dass jeder da, wo er gerade steht, mit all seinen Einschränkungen, seine Übungen macht. Yoga hat nichts mit Leistungsdruck zu tun. Es geht darum, den eigenen Körper zu spüren und auch bewusst seine Grenzen wahrzunehmen. Und sie zu akzeptieren! Es geht um Achtsamkeit: die linke Seite ist z.B. anders als die rechte, ein Tag ist anders als der nächste. Ich stelle immer wieder fest, dass auch die kleinen, unspektakulären Übungen sehr effektiv sind. Es ist ja sogar möglich, die Übungen nur mental zu machen, falls es auf der körperlichen Ebene nicht geht. Mir ist es wichtig, jeden Schüler da abzuholen, wo er gerade steht.

Was verändert sich durch Yoga?

Neben den körperlichen Veränderungen werden auch andere Prozesse in Gang gesetzt. Die Intuition wird gestärkt. Wir erlangen mehr Klarheit und innere Ruhe und bekommen gleichzeitig mehr Energie. Wir haben die Möglichkeit, uns von alten Mustern zu befreien. In jeder Yoga-Stunde geht es nur um den eigenen Körper und seine Grenzen. Und an denen kann man wachsen und sie Stück für Stück verändern. Es geht um die Verfeinerung der Wahrnehmung. Ziel ist es, wieder achtsamer mit sich selbst, aber auch mit seinen Mitmenschen und seiner Umwelt umzugehen.

Im Moment bieten Sie „Yoga im Park“ an. Das ist etwas anderes als in einem geschützten Raum. Warum Yoga in der Natur?

Es ist ein besonderes Erlebnis, alle Sinne mit einzubeziehen: Den Boden unter sich zu spüren, den Duft der Linden wahrzunehmen, dem Vogelgezwitscher oder den Geräuschen des Windes in den Bäumen zu lauschen. Man fühlt sich mit der Natur verbunden und das tut unserer Erdung gut.



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