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Ausgabe Juli 2008
typgerechtes Yoga - Eine Verbindung von Ayurveda und Yoga

Der Yogalehrer Stefan Datt kombiniert die beiden indischen Weisheitslehren zu einer typgerechten Yogapraxis.

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Yoga und Ayurveda sind zwei Systeme, die sich gegenseitig ergänzen. Beide Wege wurzeln in den alten indischen Weisheitstexten, den Veden. Ayurveda ist eines der ganzheitlichsten Heilsysteme der Menschheit. Das tiefe Verständnis der individuellen Konstitution zeigt ebenso viele Wege zur Verbesserung der Gesundheit, wie es Menschen gibt. Zusätzlich zu dieser individuellen physischen Konstitution, die bereits vor der Geburt festgelegt ist, beschreibt Yoga auch geistige Konstitutionstypen, die in der Bhagavad Gita im 17. Kapitel dargestellt werden. Diese geistige Konstitution ist im Gegensatz zu der körperlichen sehr wechselhaft und somit wandelbar. Hier setzt Yoga an und hilft mit den verschiedenen Übungen, auch eine Verbesserung der geistigen Konstitution zu erlangen.

Innerer und äußerer Yoga
Man unterscheidet den inneren und den äußeren Yoga. Der innere Yoga zeigt den Weg zu spiritueller Erkenntnis, der äußere Yoga führt zu körperlichem und geistigem Wohlbefinden. Die yogischen Körperübungen, die Asanas, haben im äußeren Yoga einen wichtigen Platz. Asanas gehören zu den wirksamsten Körper-übungen, die die Menschheit entwickelt hat. Wichtig ist, dass der Fokus einer Yogastellung immer das Prana sein sollte, die innere Energie, die in den chinesischen Traditionen Qi oder Chi genannt wird. Letztendlich sollte der Fluss des Prana eine Yoga-Asana formen. Diesem Fluss gilt es nachzuspüren und so die Wirksamkeit der Übung zu erhöhen. Im Idealfall bringt der Yogalehrer seinen Schüler dazu, die jeweilige Yogaübung von innen heraus zu begreifen und das Prana als Lenker der Asana zu erkennen.
Yoga-Übungen sind im höchsten Maße therapeutisch und führen durch das Lösen von Spannungen und dem bewussten Ausführen von statischen oder dynamischen Übungen zu mehr Geschmeidigkeit und einem freieren Energiefluss in Körper und Geist. Dieser Energiefluss kann Krankheiten heilen und vorbeugen. Schwache Organe und Drüsen erhalten durch die Yoga-Praxis mehr Energie, gestressten Organen wird das Zuviel an Energie genommen und sie können sich entspannen. Ein großer Nutzen von Yoga entsteht aus der in zahlreichen Studien belegten Wirkung auf das vegetative Nervensystem. Stress wird durch Yoga hervorragend abgebaut und so der Entwicklung psychosomatischer Erkrankungen vorgebeugt. Die Wirbelsäule wird beweglich und lässt den ungehinderten Stromfluss in den Nervenleitungen zu den Organen zu. Die Körperhaltung wird verbessert, dadurch ein freieres Atmen ermöglicht und das Bewusstsein für den eigenen Körper und das Leben im Allgemeinen nimmt zu.
In der Yoga-Praxis können aber auch gravierende Fehler gemacht werden. Versuchen wir Asanas mit Gewalt zu erreichen oder entwickeln eine innere Haltung des Wettbewerbs mit uns selbst, können wir uns verspannen oder verletzen. Immer sollten die „Asanas durch Lösen von Spannungen und Meditation gemeistert werden“ (Patanjali, Raja-Yoga Sutras Kap. 2 Vers 47).

Ayurvedische Konstitutionstypen Als Krönung der Asana-Praxis, können wir nun die Ausführung der Übungen unserer körperlichen und geistigen Konstitution anpassen. Dabei ist es wichtiger, wie man übt, als welche Übungen man praktiziert.
Vata-Typ
Von den drei Konstitutionstypen ist der Vata-Typ der leichteste. Er hat in der Regel eine zarte Figur und dünne Knochen. In jungen Jahren ist er recht beweglich und wird im Alter schnell steif. Der Vata-Typ sehnt sich nach Ruhe und Kraft und so sollte er seine Yogaübungen auch ausführen: ruhig und kraftvoll. Stellungen im Sitzen (Siddhasana) und Stehen (Baum - Vrksasana), Übungen für das Becken und den Darm (dort sammelt sich Vata) sowie alle sanft ausgeführten Rückbeugen (erwärmend) gleichen den Vata-Typ aus. Beruhigende und erwärmende Atemübungen wie die Feueratmung oder die Wechselatmung führen den Vata-Typ zu innerer Ruhe und Klarheit und stabilisieren die Emotionen.
Pitta-Typ
Der Pitta-Typ ist muskulös, gut durchblutet und hat ein feuriges Temperament. Seine Yoga-Praxis sollte daher beruhigend und kühlend sein und ohne Ehrgeiz ausgeführt werden. Im Yoga wird das Feuerelement im Solarplexus am Nabel lokalisiert, das kühlende Mondelement am weichen Gaumen: dort, wo der Speichel produziert wird. Das Üben des Schulterstandes ist für Pitta-Typen ganz besonders angenehm, da er das lunare Mondelement vor der aufsteigenden Hitze des Solarplexus schützt und den Organismus kühlt. Drehungen im Sitzen (Matsyendrasana) reinigen die Leber und reduzieren so ebenfalls Pitta. Kühlend wirken Vorwärtsbeugen, die lange gehalten werden können. Kühlende Atemtechniken (Sitali) sind betont zu üben.

Kapha-Typ
Der stämmige Kapha-Typ sollte sich niemals in Asanas zwingen, die nicht zu seinem Körperbau passen (Lotussitz). Um Kapha zu reduzieren, wird er davon profitieren, sich zu einer kräftigen dynamischen Yoga-Praxis zu motivieren. Mehrere Runden Sonnengruß wärmen ihn und beleben seinen Stoffwechsel. Um die Verdauung anzuregen, könnte der Kapha-Typ „Nauli Kriya“, das Kontrahieren der Bauchmuskeln erlernen. Der Bogen ist eine ausgezeichnete Übung, um Kapha zu verringern. Alle Rückbeugen wärmen ihn. Auch sind sämtliche Standübungen empfohlen, da sie den Kapha-Typ wach, bewusst und begeistert halten.

Praktische Übungen:

Für den Vata Typ
Trikonasana: das Dreieck
Beginne im Stand, stelle die Füße auseinander, drehe den rechten Fuß 90° nach rechts, strecke den linken Arm neben deinem Ohr Richtung Himmel und beuge den Oberkörper soweit nach rechts, bis der Arm idealer Weise parallel zum Boden ist. Wiederhole die Übung nach links. Das Dreieck hat eine erdende und stabilisierende Wirkung auf Vata.

Für den Pitta Typ
Paschimotanasana: die Vorwärtsbeuge
Lege die Beine gerade nach vorne zusammen, atme ein und strecke die Arme senkrecht hoch, atme aus und beuge dich aus dem unteren Rücken nach vorne, greife die Füße oder Fußgelenke, atme sehr ruhig. Diese Asana reguliert Apana Vayu, wirkt günstig auf die Verdauung, kühlt den Kopf und reduziert Pitta.

Für den Kapha Typ
Virabhadrasana: der Krieger
Beginne im Stand, spreize die Beine, drehe den rechten Fuß 90° nach rechts und beuge das rechte Knie um 90°. Strecke beide Arme zum Himmel, lege die Handflächen aufeinander und atme kräftig und rhythmisch. Diese Übung vermehrt Vyana Vayu und reduziert Kapha.


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