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Ausgabe Juli 2008
Polare Atemdynamik

Die Yogalehrerin Anna Trökes und die Atem- und Stimmlehrerin Margarete Seyd haben ihre Erfahrungen vereint und in ihrem gerade erschienenen Buch „Yoga und Atemtypen“ dargestellt. Hier ein kleiner Einblick der beiden in die „typenpolare Atmung“.

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Für viele spirituelle Praktiken, darunter auch Yoga, ist das Wechselspiel zwischen körperlicher Bewegung und dem Atemrhythmus essenziell. Die Entdeckung des Prinzips der polaren Dynamik im Atemrhythmus, wie Erich Wilk es zuerst beschrieb, gewinnt deshalb in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung. „Polare Dynamik“ im Atemrhythmus meint, dass entweder die Ein- oder Ausatembewegung aktiv führend ist. In Reaktion auf diese verläuft die entsprechend folgende Phase „passiv“.

Atem und Prana
Die Yoga-Kraft erschließt sich über den Atem, mit dem wir Prana, Lebensenergie, in uns aufnehmen. Die Übungen des Hatha-Yoga haben zum Ziel, über den Körper die Lebensenergie zum Fließen zu bringen und zu mehren. Die Übungen des Pranayama bewirken, dass der Atem lang, fein und fließend wird und dadurch den Geist klärt. Es gibt Übungen, die die Einatmung und solche, die die Ausatmung schulen.

Typenpolare Atmung
Die komplementären Energien von Mond und Sonne spielen auch im Yoga eine große Rolle. Auf einen dynamischen Verlauf der Ein- und Ausatmung wird allerdings weder in den Quellentexten noch in den Anleitungen zum Üben direkt hingewiesen. Doch in der Yoga-Praxis wird für uns immer wieder deutlich, dass ausatem-betonte Menschen etwas ganz anderes brauchen und mögen, als einatem-betonte. Das gilt sowohl für die Asana-Praxis wie auch im besonderen Maße für die Pranayama-Praxis des Yoga. Bei der Ausführung der Asanas und Bewegungsabläufe zum Beispiel zeigen sich individuelle Abweichungen in Haltung, Bewegungsdynamik und Bewegungsausrichtung. Ein langer, feiner Atem kann ebenso „geführt“ wie „gelassen“ sein.

Yoga und Atmung
Die Verbindung von typenpolarer Atmung und Yoga ist ein Forschungsfeld, das hilft, sich differenzierter und angemessener durch die Übungen zu leiten. Das Eingehen auf den Atemtypus hilft den Menschen, authentischer zu werden und sie in Verbindung mit ihren Atem-Kraftquellen, also in Einklang mit ihrem ganz eigenen innersten Wesen zu bringen. Denn dann entsteht diese tiefe Freude, von der die Quellentexte sprechen, die wir ausstrahlen und miteinander teilen.

Welcher Atmungs-Typ sind Sie?
Die Qualitäten des passiven Geschehenlassens und aktiven Unterstützens einer Atem- oder Bewegungsphase können Sie anhand der folgenden Übung nachvollziehbar erleben:
a) Greifen Sie die Tischkante mit der Hand und ziehen Sie diese zu sich heran. Atmen Sie gleichzeitig hörbar schlürfend ein. Lösen Sie den Zug und der Ausatem wird ohne Ihr Zutun geräuschlos erfolgen.
b) Drücken Sie mit dem Handballen gegen einen Tisch und atmen Sie gleichzeitig hörbar aus. Lösen Sie den Druck und der Einatem wird ohne Ihr aktives Zutun „einfallen“.
Welche Variante fällt Ihnen leichter? Wann fühlen Sie sich eher mit Ihrer inneren Kraft verbunden?
Lassen Sie beide Varianten auf sich wirken. Erleben Sie in Ruhe das Besondere der ihnen innewohnenden Qualitäten. Eine allzu schnelle Festlegung wird dem dynamischen Aspekt des Prinzips, um das es hier vor allem geht, nicht gerecht. Bei Variante a) wird durch das Schlürfen die Einatemmuskulatur zu erhöhter Aktivität angeregt. Fühlen Sie sich eher zu diesem Verlauf hingezogen, liegt es nahe, dass Sie zu dem Einatmungs- oder Dehnungstyp zählen. Variante b) führt durch den artikulatorischen Widerstand zu einer Verlangsamung der Ausatmung und erhöhter Aktivität der Ausatemmuskulatur. Fühlen Sie sich in dieser Dynamik freier, ist dies ein Indiz dafür, dass Sie zu dem Ausatmungs- oder Zentrierungstyp zählen.



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