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Ausgabe Juli 2008
Das ursprüngliche Yoga

Heute hat sich Yoga weitgehend als Form der Gesundheitsgymnastik und Körperarbeit etabliert. Der ursprünglichen Bedeutung und Philosophie des Yoga geht die Sozialpädagogin Annette Hempel nach.

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Das indische Sanskrit-Wort „Yoga“ wird von den großen Lehrern, allen voran Yogananda, Ramana Maharishi (der Heilige vom Berg), mit den Worten die „erreichte Vereinigung mit Gott“ übersetzt. Der Begriff bezeugt, dass wahres Yoga den in der physischen Welt erreichten Endzustand des individuellen menschlichen Entwicklungszyklus darstellt.
Yoga bzw. Yogi darf sich daher genau genommen nur nennen, wer die Gottvereinigung verwirklicht hat. Bereits an der Definition können wir erkennen, dass fast alles, was sich heute als Yoga bezeichnet – ob aus Asien kommend oder in der westlichen Welt entstanden – dem nicht gerecht wird und diesen Begriff daher im Grunde nicht im ursprünglichen Sinne nutzt.
Im allerersten schriftlichen Werk über die Wurzeln des Yoga beschreibt der Autor Pantanjali bereits deutlich – wie auch der brahmanische Text der Bhagavad Gita – den wahren Yoga, der nur auf vier bestimmten Wegen (Margas) über den achtfachen Lotus (den erhabenen achtfachen Pfad Buddhas) erreicht werden kann.
Diese vier Wege stellen analog die praktische Umsetzung der vier menschlichen Erfahrungsebenen nach den göttlichen Prinzipien dar:
Das menschlichen Denken führt durch Jnana-Marga - Denken - zum Jnana-Yoga.
Das menschliche emotionale Fühlen führt durch Bhakti-Marga - Glückseligkeit - zum Bhakti-Yoga.
Das menschliche Handeln führt durch Karma-Marga - Handeln - zum Karma-Yoga.
Das feinstofflich verankerte höhere Selbst - in unserem Ätherkörper - führt durch Raja-Marga zur Einswerdung mit der Gottenergie - zum Raja-Yoga.
Durch Erkennen, Erfahren und Verstehen der göttlichen Prinzipien sollen wir über die vier wahren Yoga-Wege unseren Charakter und damit unser gesamtes Wesen so veredeln, bis wir eine große Harmonie erreicht haben. Im Moment dieser Bewusstseinserkenntnis auf jeden der vier Wege entsteht die Endphase – das Yoga, der Vereinigungszustand mit Gott – in die wir dann in voller Erkenntnis eintreten.
Demnach ist wahres Yoga ein heiliger Weg, dessen Ziel es ist, uns zur Einheit in Gott zu führen.
Der Begriff Yoga sollte daher eigentlich – schon aus religiös-ethischen Gründen – nicht für andere Dinge und Zwecke entfremdet werden, für die es doch wohl leicht andere, zutreffendere Bezeichnungen gäbe.
Was bewirken nun die vier wahren Wege - Marga -, die zu den vier heiligen Yoga-Zielen führen?

Im Jnana-Marga – dem Weg zum Jnana-Yoga – lernt der Schüler sein Denken zu beherrschen und es mit der göttlichen aufbauenden Ordnung des Denkens in Einklang zu bringen. Verkörpert und lebt er in seinem Denken die geistigen Gesetze, hat er Verbindung mit dem „göttlichen Denkprinzip“ erreicht. Erst ab diesem Zustand lebt er Jnana-Yoga und darf sich daher auch erst dann Yogi nennen.

Im Bhakti-Marga – dem Weg zum Bhakti-Yoga – lernt der Schüler sein Fühlen beherrschen und es mit den göttlichen Prinzipien der Glückseligkeit, der Gottliebe gegenüber allem Leben und allen Dingen in Einklang zu bringen. Verkörpert und lebt – also verwirklicht – er diese Gottliebe, tritt er vom Übungsweg - Marga - in den Zustand des Yoga ein; ist er ein Bhakti-Yogi, da er Bkakti-Yoga lebt.

Im Karma-Marga – dem Weg zum Karma-Yoga – lernt der Schüler alle seine Erfahrungen aus dem Jnana-, Bhakti-Marga (bzw. Yoga) bewusst in seinem täglichen Leben aktiv einzusetzen, um bei allem Tun stets die göttliche Harmonie in allen Handlungen zu erzeugen. Er wirkt so aus der Summe seiner Denk- und Fühlerfahrungen nach den göttlichen Prinzipien aus seinem Herzen heraus in der äußeren Welt und hilft ihr, sie durch sein Tun zu harmonisieren.
In diesem Zustand hat der Yogaschüler die Einheit der göttlichen Prinzipien des Jnana- und Bhakti-Yoga erreicht, denn er verwirklicht sie wie die 12 Eigenschaften des Tierkreises (großer Zodiak), indem er folgende Gegensätze im richtigen Verhältnis im Leben einsetzt:
Schweigen – Reden
Empfänglichkeit – Unbeeinflussbarkeit
Gehorchen – Herrschen
Demut – Selbstvertrauen
Blitzesschnelle – Besonnenheit
Alles annehmen – Unterscheiden können
Vorsicht – Mut
Nichts besitzen – Über alles verfügen
An nichts gebunden sein – Treue
Sich zeigen – Unbemerkt bleiben
Todesverachtung – Lebensschätzung
Gleichmut - Liebe
Nun wird er Karma-Yogi genannt, da er Karma-Yoga aktiv lebt. Schüler in diesem Zustand werden auch „Meister des Lebens“ genannt. Der Karma-Yogi fühlt und weiß: er wird vom eigenen „göttlichen Ich“ geführt, das ihm zeigt, durch welche Handlungen die göttliche Harmonie erzeugt wird, die er durch sein „persönliches Ich“ durch Unterscheidungsfähigkeit bewusst in der Welt zu erkennen hat und umzusetzen sucht.
In diesem Stadium entwickelt sich die Sehnsucht, mit dem „göttlichen Ich“ EINS zu werden und der „Meister des Lebens“ tritt nun in den „Königsweg des Yoga“, den Raja-Marga – dem Weg zu Raja-Yoga – ein, indem er lernt, die drei niederen verschmolzenen Wege (Margas) und ihre Yoga so im Herzen zu vertiefen, dass er sich auf den Ra (Sonnen)-Ja (Che=Energie)-Weg(Marga), dem Energieweg zur Sonne begibt. Dieser Weg wird von allen wirklich großen Lehrern der Welt als der „Versenkungsweg nach Innen (in die höheren Welten)“ bezeichnet, der nur durch die drei Stufen:

1. Von der Konzentration zur
2. Kontemplation, die dann zur
3. wahren Meditation – der Vereinigung mit Gott – und somit zum Endziel führt.
Wahre Meditation bedeutet also, den direkten vollbewussten Kontakt mit Gott im eigenen Herzen (medi, Mitte) erreicht zu haben. Durch diesen Zustand drückt sich Gott direkt durch den Menschen über dessen Denken, Fühlen und Handeln aus.
Er ist nun zum „Meister seines Seins“ herangewachsen. Der Schüler erkennt sich bewusst und klar als Werkzeug Gottes, ist somit Raja-Yogi geworden und lebt voll bewusst nach den Lehren seines Gottes im Herzen Raja-Yoga, um den Geschwistern auf Erden zu dienen.
Nur diese vier Wege (Margas) und Yoga entsprechen den vier Bewusstseinsebenen des Menschen und führen ihn zur wahren Meditation – zur Einheit mit Gott.
Die einzelnen Wege werden entweder nacheinander oder teilweise zusammen begangen – was vom Karma abhängt.
Alle anderen Lehren wurden leider bruchstückhaft den ursprünglichen heiligen vier Yoga entnommen und so verändert - oder gar neu erfunden -, dass sie allein von der Wirkungsweise und Zielvorgabe kein wirkliches Yoga mehr sind.
Dies betrifft auch die indische ganzheitliche Gymnastik. Sie, wie auch viele der bruchstückhaften Lehren, können für Körper und Seele viel Gutes tun und sehr förderlich sein. Sie führen aber wegen der fehlenden o.g. ganzheitlichen Grundlagen nicht zur Vereinigung mit Gott, was nur über die beschriebenen vier wahren Yoga-Wege zu erreichen ist. Für den Yogaweg sind Körperübungen nicht vorgesehen, denn sonst könnten unsportliche Menschen den Weg zur inneren Vereinigung nicht gehen.
Wenn die Unterscheidungskraft, die uns die heiligen Lehren der vier reinen Yogawege erklärt, fehlt, entsteht nur Mittelmaß, insbesondere, wenn wir viel wissen und Lehren konsumieren, statt unseren wahren eigenen Weg zum Herzen zu folgen. Hierzu gehört die erkannten Lehren im täglichen Leben, beruflich und privat aktiv umzusetzen. Erst dadurch erhält das wahre Yoga seinen Ausdruck im Inneren wie im Äußeren und fördert dabei die harmonische Entwicklung des Ganzen.
Diese Wahrheit haben uns all die wirklich großen Lehrer vorgelebt, die auf den hier vorher beschriebenen Wegen ihr Ziel erreicht haben, getreu dem geistigen Grundsatz des Yoga:
„Wo deine Konzentration ist, da bist du,wohin du sie lenkst, zu dem wirst du.“

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Yoga Klassiker:
Patanjali: Die Wurzeln des Yoga, Hrsg. von B. Bäumer (O. W. Barth)
Yogananda, Paramahansa: Worte des Meisters (Droemer Knaur)
Yogananda, Paramahansa: Autobiographie eines Yogi (Self-Realization Fellowship)
Besant, Annie: Die Lehre des Herzens (Aquamarin),
Bailey, Alice: Der Yogapfad (Lucis Verlag)
Elisabeth Haich, Sport und Yoga (Drei Eichen Verlag)
Lysebeth, Andre van: Yoga für Menschen von heute: Lernen, üben, beherrschen (Goldmann)
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