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Ausgabe Juni 2008
Neue Wege zur Selbstverantwortung

Wir haben zwar unsere Verstrickungen mit Mama und Papa, aber wir haben auch ganz praktische Möglichkeiten, die Beziehungen zu klären.

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Eine davon ist Naikan: Anhand von drei Fragen, die man sich täglich oder im Seminar eine Woche lang stellt, werden Bewusstseinsprozesse in Gang gesetzt, die den Weg in die Selbstverantwortung ebnen.

Neue Wege zur Selbstverantwortung

Wir haben zwar unsere Verstrickungen mit Mama und Papa, aber wir haben auch ganz praktische Möglichkeiten, die Beziehungen zu klären. Eine davon ist Naikan: Anhand von drei Fragen, die man sich täglich oder im Seminar eine Woche lang stellt, werden Bewusstseinsprozesse in Gang gesetzt, die den Weg in die Selbstverantwortung ebnen.

Die drei Fragen
- Was haben andere für mich getan?
- Was habe ich für andere getan?
- Welche Schwierigkeiten habe ich anderen bereitet?

Auf den ersten Blick drei ganz einfache Fragen, auf den zweiten fällt allerdings auf, dass die Frage, von der das Leben und die Wahrnehmung Erwachsener geprägt ist, fehlt: Was haben die anderen mir angetan? Sie wird bewusst ausgelassen, weil sie zu Schuldzuweisungen, Anklagen und Vorwürfen führt. Naikan weitet diesen eingeengten Blick und lädt dazu ein, die ganze Vielfalt des Erlebens wahrzunehmen. Die Fragen fördern die Eigenverantwortlichkeit und machen vergessene Tatsachen bewusst – sie helfen, selbst-bewusster zu werden.

Innere Beobachtung

„Nai“ bedeutet innen oder als Perspektivwechsel von außen nach innen. „Kan“ bedeutet schauen, beobachten, betrachten. Man könnte es als mit innere Beobachtung übersetzen. Entwickelt wurde es vor ca. 50 Jahren in Japan und wird dort in der Schule, im Strafvollzug und in der Suchthilfe eingesetzt. Auch in Deutschland wird in diesen Bereichen teilweise mit Naikan gearbeitet.

Retreat Wochennaikan

Seit 22 Jahren leitet Gerhald Steinke in Deutschland ein Zentrum in Tarmstedt, wo ganzjährig Wochennaikan angeboten wird. An sieben Tagen beschäftigen sich die Teilnehmer 12 Stunden am Tag anhand der drei Fragen mit Eltern, Freunden, Geschäftspartnern und nahestehenden Personen und reisen „mit strahlenden und von innen leuchtenden Gesichtern am Ende der Woche ab. Alle haben die Erkenntnis, selbst für ihr Leben und Geschick verantwortlich zu sein, als beglückende Befreiung erlebt.“

Naikan macht Schule

Ein Bremer Schulzentrum hat in den Jahren von 2002-2006 in den Klassen der Jahrgänge 5-10 ein Naikan-Projekt erfolgreich durchgeführt. Die Initiatoren hatten sich gefragt, was sie tun können, damit Kinder sich nicht als Opfer fühlen, sondern einen Blick aus einer selbstverantwortlichen Perspektive entwickeln. Die Anforderungen im Erwachsenenleben haben sich geändert und das Zeitalter der Belehrung ist vorbei. Heute werden Eigenschaften wie Selbständigkeit, Selbstverantwortung und Selbsterkenntnis verlangt, die jedoch im herkömmlichen Schulsystem oft zu kurz kommen. Der Naikan-Ansatz dagegen eignet sich, um diese „Selbst-Bildung“ in der Schule zu initiieren. Der Ergebnis des Projektes in Bremen war für alle Beteiligten – Schüler und Lehrer – ein großer Erfolg. Wer Genaueres nachlesen möchte, dem sie der Buchtipp empfohlen.



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