aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Mai 2008
Zeitsprung - Vier Generationen tanzen vier Jahreszeiten

„Zeitsprung“ ist ein Tanzprojekt von Mitgliedern des Bielefelder Tanzensembles und 120 Laientänzern aus vier Generationen, angeleitet von Gregor Zöllig und Royston Maldoom.

art56415
Haidrun Schäfer stellt die Umsetzung der Idee anhand des Buches „Zeitsprung“ mit freundlicher Genehmigung des Kamphausen Verlages vor.

Am 21. Oktober 2006 fand die Premiere des Tanzstückes „Vier Jahreszeiten“ des Bielefelders Tanztheaters mit den Bielefelder Philharmonikern und Werken von Joseph Haydn, Artk-Anthony Turnage, Erkki-Sven Tüür und Benjamin Britten statt. Die Choreografie erarbeitete Gregor Zöllig in Zusammenarbeit mit den Tänzern und erzählt wird von ewig wiederkehrenden Prozess des Werdens und Vergehens.
Sieben Monate später erfolgte eine neue Interpretation. Die professionellen Tänzer des Bielefelder Tanztheaters erarbeiten mit Laien im Alter von sieben bis achtundsiebzig eine Choreografie und bringen diese auf der Bühne des städtischen Theaters zur Aufführung. Tanzen verbindet: Mensch und Umwelt, Zeit und Raum; es verbindet Traum und Realität, die Füße mit der Seele, Vergessenes mit Gegenwärtigem, Erkennen mit Erfahren, mit Erleben, mit Empfinden, Lernen mit Bewegung. Das Tanzprojekt Zeitsprung verbindet darüber hinaus Frühling mit Sommer, mit Herbst, mit Winter, Profis mit Laien, Alte mit Jungen, Bekanntes mit Fremdem und schließlich 120 Tänzer mit dem Publikum. Von Mitte Februar bis Mitte Mai finden die getrennten Proben in den vier Choreografiegruppen Frühling (Großelterngruppe), Sommer (Gruppe der Jugendlichen), Herbst (Elterngeneration) und Winter (Kinder) statt. An den letzten vier Tagen vor der Premiere führt Royston Maldoom die einzelnen Stücke zusammen.

Beispiel Frühling
Die meisten in dieser Gruppe haben ihn schon mehr als 60-mal ersehnt und genossen. Sie lieben ihn. Je älter sie werden, umso mehr wünschen sie ihn herbei. Und jetzt tanzen sie ihn: den Frühling, die Zeit des Aufbruchs und der Liebe. Nicht die Kinder, sondern die Alten. Eine schöne Idee. Heiter und gelassen geht es hier zu, engagiert und konzentriert. Claudia, Polina und Dirk, die Choreografen dieser Gruppe, leiten und begleiten 55- bis 78-jährige tanz- und bewegungsfreudige Männer und Frauen.
Der Generationendialog
Der Generationendialog wird ein ganz zarter, fast poetischer. Er vollzieht sich in den Übergängen von einer Saison in die andere. Mitten im letzten Bild des Frühlings getanzt von der grün gekleideten Großelterngeneration steht plötzlich Julia, die Botin des Sommers. Während sie die dunkle Jacke auszieht, um das strahlende Gelb des Sommers zu zeigen, schauen sie sich an, die 17-jährige Julia und die grünen Tänzerinnen und Tänzer, die ihre Großeltern sein könnten. Ihre Blicke treffen sich, Sekunden nur, aber sie sind von einer Intensität, die bis in die letzte Reihe des Ranges reicht. Der Frühling weicht und macht einem kraftvollen Sommer Platz, den übrigen 30 Jugendlichen, die jetzt von der Bühne Besitz ergreifen.
Das Herz eines jeden Zuschauers öffnet sich beim Wechsel vom rostroten Herbst zum weißen Winter. Wenn die Kinder wie lang ersehnte erste Schneeflocken auf die Bühne trippeln, um den gerade gestresst und atemlos zu Boden gegangenen Eltern ihre bunten Schmusekissen anzubieten. Die Übergänge scheinen fast nur angedeutet, der Zuschauer nimmt sie dennoch als intensiven Kontakt wahr.

Zwei Aufführungen
„Es hat mich so sehr berührt.“ „Mir kamen immer die Tränen.“ So und ähnlich formulierten Betreuer, Besucher und auch der Intendant Michael Heicks ihre Empfindungen nach den Vorstellungen. Von „tiefem Berührtsein“ ist die Rede. Aber was genau wird berührt? Die einen nennen es „Seele“; die anderen sagen, das „Menschsein“. Michael Heicks nennt es „die Vision von Verbundenheit“: Verbundenheit der Generationen, verbunden sein im gemeinsamen Tanz. Es ist die Sehnsucht nach Gemeinsamkeit, nach Verschmelzen, nach Ganzheit, die hier berührt wird.



Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.