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Ausgabe April 2008
Radikale Vergebung

Herkömmliche Vergebung beinhaltet ein Opfer-Täter-Denken. Radikale Vergebung geht davon aus, dass alles, was uns zustößt, sinnvoll ist und auf ein höheres Ziel hin geschieht.

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Colin Tipping kommt für einen Erlebnisabend und ein Seminar nach Berlin. Haidrun Schäfer hat auf dem Hintergrund seines Buches „Ich vergebe – Der radikale Abschied vom Opferdasein“ die Ansätze der Radikalen Vergebung zusammengestellt.

Aus spiritueller Perspektive betrachtet, ist Unzufriedenheit ein Zeichen, dass wir aus dem Gleichgewicht geraten sind und sich uns eine Gelegenheit bietet, etwas zu heilen. Wir sehen es jedoch häufig nicht aus dieser Perspektive. Stattdessen beurteilen wir die Situation und machen andere für unseren Schmerz verantwortlich. Wir haben gelernt zu urteilen, zu beschuldigen und anzuklagen. Wir haben gelernt, Opfer zu sein und Vergeltung zu suchen. Nicht gelernt haben wir, die Hintergründe für Situationen zu erkennen. Nicht erworben haben wir den Glauben daran, dass unser Leben von Kräften gelenkt wird, die über unser bewusstes Denken hinausgehen. Der Sinn der Radikalen Vergebung liegt darin, die Wahrheit unter der Oberfläche der jeweiligen Lebensumstände zu sehen und jene Liebe zu erkennen, die dort jederzeit herrscht.

Überzeugungen
Unsere Überzeugungen basieren auf wenigen Erfahrungen und vielen Interpretationen. Wir erleben ein Ereignis und interpretieren es: Beides zusammen ergibt die Erfindung einer Geschichte. Wenn ich als Zweijährige die Trennung meiner Eltern erlebe, interpretiere ich die Situation als Kind mit meiner kindlichen Wahrnehmung, in der sich noch alles um mich dreht: Wenn etwas nicht in Ordnung ist, ist es meine Schuld. Daraus kann die Interpretation wachsen „Ich bin schuld, dass Papa weggegangen ist“ und dann entsteht „Papa ist gegangen, weil ich nicht gut genug bin“. Diese Überzeugung wird zum Glaubensmuster und für mich zur Wahrheit. Also ziehe ich immer wieder Situationen in mein Leben, die mir bestätigen, dass ich nicht gut genug bin. In jeder dieser Situationen steckt die Chance zur Heilung, indem ich mit dem alten Schmerz in Kontakt komme und sehen kann, welche Überzeugung mein Leben beherrscht. Jetzt kann ich das Glaubensmuster einer Zweijährigen in das einer erwachsenen Frau umändern: „Ich bin gut genug“.

Radikale Vergebung
Herkömmliche Vergebung heißt, etwas als gegeben hinzunehmen, das als schlecht empfunden wird: Das Opferdenken wird aufrechterhalten und damit eine Schuldzuweisung an den anderen und die Überzeugung, dass der andere für mein Unglück verantwortlich ist. Radikale Vergebung hingegen geht davon aus, dass nichts Schlechtes geschehen ist und daher auch nichts zu vergeben ist. Ein wesentliches Prinzip der Radikalen Vergebung ist die Einstellung, dass alles, was uns zustößt, sinnvoll ist und auf ein höheres Ziel hin geschieht. Es wird nicht gefragt: „Was ist falsch an der Situation?“, sondern: „Was ist vollkommen an dem, was passiert?“ Voraussetzung ist der Glaube an eine höhere Intelligenz oder Macht sowie die Vorstellung einer spirituellen Rea-lität jenseits unserer materiellen Welt.

Wir sind Menschen
Als Menschen sind wir mit der Fähigkeit gesegnet, Gefühle zu empfinden. Die Erde ist ein Planet, der die Schwingung emotionaler Energie trägt. Wir kommen hierher, weil wir genau dies erfahren wollen. Der Sinn großer Gefühlsaufwallungen kann darin bestehen, unserer Seele Gelegenheit zu geben, eine unterdrückte Emotion zu fühlen. Jede als negativ empfundene Situation ist eine Gelegenheit zum Heilen. Wir sind auf die physische Ebene gekommen, um Gefühle zu erfahren – das Wesentliche am menschlichen Dasein. Jedes Mal, wenn uns jemand aus der Fassung bringt, können wir uns vor Augen halten, dass dies eine Gelegenheit zur Vergebung ist, ein Geschenk, um zu heilen. Die Situation spiegelt ein früheres Ereignis, bei dem jemand uns etwas Ähnliches antat. Wenn wir der Person der gegenwärtigen Situation vergeben, heilen wir auch andere Gelegenheiten samt Ausgangssituation. Wir müssen gar nicht in der Vergangenheit herumstochern, um den Ursprungsschmerz zu finden.
Transformation des Opfer-Archetyp
Unsere Mission besteht im Wesentlichen darin, den Opfer-Archetypen zu transformieren und das Bewusstsein des Planeten auf eine höhere Stufe weiterzuentwickeln. Etwas zu transformieren bedeutet nicht, es zu verändern. Um etwas zu transformieren, müssen wir es vollständig erfahren und so lieben, wie es ist. Die Entscheidung, etwas zu transformieren, kann nur in der Welt der göttlichen Wahrheit getroffen werden. Wir Menschen müssen immer auf die Weise reagieren, die am menschlichsten erscheint. Als Menschen können wir so viel beitragen, dass wir uns dazu entscheiden, dass Vollkommene an der Situation zu sehen. Das bedeutet nicht, dass Radikale Vergebung von der Verantwortung der Konsequenzen unserer Handlungen entbindet!
Im Gegenteil: Wenn wir die Vergangenheit radikal vergeben können und Verantwortung für die Konsequenzen unseres Handelns übernehmen, dann sind wir frei, unsere Zukunft zu gestalten und zu manifestieren. Mit seinem neuen Buch „Vom Herzenswunsch zur Realität“ geht Colin Tipping einen Schritt weiter: Er zeigt uns, wie wir mit der durch die Vergebung freigewordene Energie genau die Zukunft erschaffen können, die wir uns aus tiefstem Herzen wünschen.

Buchtipps:
Colin C. Tipping: Ich vergebe – Der radikale Abschied vom Opferdasein, Kamphausen, Bielefeld, 2004
Colin C. Tipping: Vom Herzenswunsch zur Realität. Mit spiritueller Intelligenz Träume erfüllen, Kamphausen, Bielefeld, 2007


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