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Ausgabe April 2008
Lotos


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Vishnu, „Erhalter der göttlichen Ordnung“, hat es sich im kosmischen Ozean auf der Weltenschlange Ananta bequem gemacht und liegt in kontemplativem Schlaf versunken, beschreibt das indische Epos Mahabharata. Aus seinem Nabel lässt er den Urlotos mit tausend Blättern hervorwachsen, aus purem Gold und strahlend wie die Sonne. In dessen Blüte erschafft Vishnu den allsehenden Brahma mit seinen vier Gesichtern, Schöpfer der Berge, Flüsse, Tiere, Menschen und Jahreszeiten. Aus einer weiteren Blüte, die aus seiner Stirn hervortritt, zeugt er Lakshmi, lotosfarbige und lotosäugige Göttin der Erde und ihrer Vegetation, zugleich Ausdruck vollendeter Schönheit der Gesetze, nach denen sich das Universum manifestiert. Nach und nach treten alle anderen Götter aus dieser einen Blüte hervor, aber auch die alles verschlingende Zeit.
Schon die alten Arier sollen in den aus dem Wolkenmeer herausragenden Gipfeln des Himalajas Lotosblumen erblickt haben, die wie auf einem Teich schwammen. Aus den Wassern des ursprünglich undifferenzierten Chaos der Finsternis, in das alle Dinge formlos eingehüllt waren, steigt die „tausendblättrige“ Lotosblüte wie die Sonne auf. Ihre geschlossene Knospe erinnert an ein Ei. So umschließt sie schwimmend, ähnlich dem kosmischen Weltenei, die Unendlichkeit aller noch nicht entfalteten Möglichkeiten vor der Erschaffung der Welt. Schon eine im Tal der Indus gefundene Statue der Großen Mutter aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. – die „Lotosgöttin“ - , Herrin über alles Werden und Vergehen, trägt in ihrer Nacktheit als einzigen Schmuck Lotosblüten im Haar.



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