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Ausgabe April 2008
Die Kunst der Heiltee-Zubereitung

Die Heilpraktikerin Doris Rauschert stellt die verschiedenen Möglichkeiten der Teezubereitung vor.

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Heilpflanzentees sind seit alters her eine oft genutzte Arzneiform. Wir unterscheiden dabei Teezubereitungen aus einzelnen Heilpflanzen oder aus Kräutermischungen. Um die heilsamen Inhaltstoffe optimal zu nutzen, ist die richtige Zubereitung eines Heiltees von großer Bedeutung. In der Phytotherapie wird die Zusammensetzung der Tees und deren Zubereitung auf jeden Patienten individuell nach Krankheitsfall, Konstitution, Alter, Geschlecht und besonderem Befinden abgestimmt und zusammengestellt.
Wie Heilpflanzen in der Heilkunde angewendet werden, macht in der Wirkung einen großen Unterschied: ob frisch oder getrocknet, Teile oder alles der Pflanze, als Tinktur oder als Tee. Jede Form der Verarbeitung verändert die Wirkung und muss vom Therapeuten beachtet werden. Bei der Teezubereitung spielt die Ziehzeit eine wesentliche Rolle. So werden zum Beispiel bei einem Salbeiauszug in den ersten Minuten aus der Teedroge die ätherischen Öle und nur wenige Bitterstoffe herausgelöst. Bei einer längeren Ziehzeit lösen sich vermehrt die Bitter- und Gerbstoffe. Salbeitee 1-3 Minuten ziehen gelassen, wirkt desinfizierend, appetitanregend und verdauungsfördernd. Bei einer Ziehzeit von 10-15 Minuten wirkt die Droge zusammenziehend, schmerzlindernd und schweißhemmend.

Infus, Mazerat und Dekokt
Bei der Zubereitung von Heiltees, unterscheiden wir zwischen Infus, Mazerat und Dekokt, deren Unterschiede bei der Herstellung und Anwendung kurz hier erläutert werden sollen:
Der Infus - heißer Aufguss - ist die häufigste Zubereitungsform. 1 gestrichener Teelöffel getrocknetes Kraut (entspricht 1 EL frischem Kraut) wird mit einer Tasse (150-200 ml) kochendem Wasser übergossen, 3-10 Minuten ziehen lassen. Den Deckel in der vorgesehenen Zeit nicht anheben, damit die ätherischen Öle, die sich im Kondenswasser befinden, wieder in die Tasse tropfen können. Ein Infus eignet sich für zarte Pflanzenteile wie Blüten, Blätter oder fein zerkleinerte Wurzeln oder Rinden. Bei frisch gepflückten Pflanzen(-teilen) reicht eine Sekundenüberbrühung. Hierbei geben die Heilpflanzen, z.B. frische Pfefferminzblätter, ihre aromatischen Kräfte schnell an das Wasser ab.
Ein Mazerat – Kaltwasserauszug – wird bei Pflanzen mit viel Schleim (Leinsamen, Isländisch Moos, Malve) angewandt. Die Drogen werden dazu 1-5 Stunden im kalten Wasser ausgezogen. Der abgeseihte Sud kann für Sitzbädern und Auflagen kurz erwärmt werden.
Wurzel- und Rindendrogen werden durch eine Abkochung – Dekokt – über 5-30 Minuten zubereitet. Die klein geschnittenen Drogen werden zunächst in kaltem Wasser angesetzt, zum Sieden gebracht und dann gekocht, kurz stehen gelassen und abgeseiht.

Mischformen
Eine Kombinationsmethode ist ein Infusmazerat. Hierbei werden harte Drogen mit ätherischen Ölen wie z.B. Baldrian oder Engelwurz erst als Infus zubereitet und anschließend mazeriert, d.h. der Ansatz bleibt bedeckt bis zum Erkalten stehen.
Eine seltene Zubereitungsform ist ein Mazerationsdekokt, die bei kieselsäurehaltigen Pflanzen und manchen Wurzeln, Rinden und Hölzern ihre Anwendung findet. Die Pflanzenteile werden 12 Stunden in kaltem Wasser eingelegt und anschließend 10-30 Minuten gekocht. Erst nach diesem Prozedere lösen sich Inhaltstoffe wie z.B. die Kieselsäure aus der Pflanze oder die Wirkstoffe aus der getrockneten Hagebutte.

Fazit
Heilpflanzen richtig und sachgemäß zubereitet und angewendet, können Linderung und Heilung im Krankheitsfall verschaffen und eine Alternative zu chemischen Arzneien sein.

„Der Tee überflutet die Seele unmittelbar wie eine Stimme. Seine Bitterkeit erinnert an den Nachgeschmack eines guten Rates.“ - Wang-Yü-Cheng


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