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Ausgabe April 2008
Naturbeobachtung und Heilarbeit

Die Heilpraktikerin Sibylle Kirch zeigt an konkreten Beispielen, wie die Homöopathie und die Craniosacral-Therapie ihre Beobachtungen aus der Natur zu Heilzwecken nutzt.

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Ziel der Homöopathie ist es, mit potenzierten Substanzen Heilimpulse zu geben. Dabei werden Pflanzen, Mineralien und auch Tiere verwendet. Um das richtige Mittel zu finden, muss man sowohl das Wesen des Mittels als auch des Menschens mit seinen Symptomen erfassen.

Apis – die potenzierte Biene
Am Beispiel der potenzierten Biene, homöopathisch Apis, lässt sich gut erkennen, wie sich die Homöopathie Beobachtungen zunutze macht. Bienenvölker funktionieren nach festen Regeln: Betriebsam fliegen die Arbeitsbienen vom Stock zu den Blüten, hin und her. Nach festgelegten Regeln und geleitet von elektromagnetischen Wellen, Düften und Farben. Manche Menschen legen die gleiche hektische Betriebsamkeit wie Bienen an den Tag. Sie arbeiten von morgens bis abends, sind immer in Bewegung und machen so gut wie nie eine Pause. Vielleicht sind sie auch noch ausgesprochene Familienmenschen. Zeigt ein Mensch - vereinfacht gesagt - ein ähnliches Verhalten und hat körperlich Symptome, die von Apis bekannt sind, ist dies ein Hinweis auf Apis als passendes Arzneimittel. Körperlich gibt es ein wichtiges Symptom, das auf Apis weist: Heiße, rote und geschwollene Körperteile, die in ihrer Beschaffenheit dem Zustand der Haut nach einem Bienenstich ähneln. Auch hier führt die Beobachtung der Auswirkungen des Bienengifts zum Arzneimittel.

Die Bambusstabwirbelsäule
Ein weiteres Beispiel ist der Begriff der Bambusstabwirbelsäule, der auch unter Medizinern benutzt wird als Ausdruck für Morbus Bechterew, einer chronischen Entzündung und in der Folge Versteifung der Wirbelsäule. Die durch diese Krankheit veränderte Wirbelsäule ähnelt im Röntgenbild dem Stamm eines Bambus. Dabei ist der gesunde Bambus, der in Asien als Symbol für Glück gilt, durch seine spezielle Faserstruktur äußerst biegsam und ausdauernd, der Stamm bricht nicht, auch nicht im Sturm. Der Homöopath Bernd Schuster hat Bambus als homöopathisches Arzneimittel geprüft und festgestellt, dass es in vielen Fällen von Rückenbeschwerden, so auch bei Morbus Bechterew, zur Heilung geführt hat.

Die weinerliche Pulsatilla
Bei Pulsatilla, der Nickenden Küchenschelle, ist es besonders hilfreich, die lebende Pflanze in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, um daraus ihre arzneiliche Wirkung abzuleiten. Pulsatilla wächst in Gruppen. Sie blüht im Übergang vom Winter zum Frühjahr, einer Zeit mit wenig Regen und mäßiger Sonne. Die Blüten der zarten Pflanze sind leicht gebogen und bewegen sich in jedem Luftzug. Der Blütenkopf ist nach unten gesenkt, was an schamhafte Mädchen erinnert. Analog zu der Pflanze, die sich leicht in jedem Windhauch hin und her bewegt, ist ein Mensch, der Pulsatilla braucht, in einem Zustand starker Wechselhaftigkeit und Unentschlossenheit. Lachen und Weinen können sehr schnell abwechseln. Pulsatilla-Patienten können nicht allein sein und sind durstlos. Warme und stickige Räume sind ihnen ein Greuel. Patienten, die dieses Mittel brauchen, haben fast immer ein sehr starkes Verlangen nach und eine Besserung an frischer Luft. Der Gemütszustand des Kranken ist gutmütig und mild, gleichzeitig schüchtern und weinerlich. Auch die körperlichen Symptome können schnell den Ort wechseln und sind veränderlich.

Einheit von Struktur und Funktion
Die Formen von Pflanzen und Tieren sind nicht zufällig. So haben Ahornsamen Flügel und Löwenzahnsamen ähneln Fallschirmen. Ohne diese Form und Leichtigkeit könnte die Funktion, die Verbreitung der Samen, nicht erfüllt werden. „Die Struktur dirigiert die Funktion und die Funktion kreiert die Struktur.“ Ausgehend von diesem Satz des Osteopathen A.T. Still ist das Verständnis der natürlichen Funktionen von Körperteilen Voraussetzung, um Dysfunktionen zu erkennen und effektiv zu behandeln. Ändert sich die Struktur, ändert sich auch die Funktion.

Auch in der Craniosacral-Therapie macht man sich die Beobachtung der Natur, in diesem Fall die natürliche Eigenbewegung und Form der Schädelknochen zu Nutzen. Jeder einzelne Knochen muss in seiner Anatomie und Funktion studiert und verstanden werden, um die Beschwerden des Patienten als Ganzes zu verstehen. Ist eine Funktion gestört, führt eine Verkettung von Folgen zu Beschwerden an anderer Stelle. Auf dieser Erkenntnis basiert ein ganzheitliches Behandlungskonzept.



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