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Ausgabe April 2008
Pflanzenheilkunde

Die Heilpraktikerin Manuela Reick konkretisiert die Vorgehensweise der Pflanzenheilkunde.

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„Trinke doch Brennnesseltee zur Entschlackung!“ – so oder so ähnlich finden sich alljährlich im Frühjahr die Ratschläge zur Entgiftung. Bei näherem Betrachten wird deutlich, dass die Aufforderung „nimm Brennnessel!“ recht ungenau ist. Sollen es die Blätter sein, mit oder ohne Blüten, mit oder ohne Stängel? Soll es die Wurzel sein oder gibt es sogar eine medizinische Wirkung der Samen und Blüten? Soll ein Kräutertee aufgebrüht werden oder soll eine fertige Zubereitung der Brennnessel verwendet werden? Dem Laien mag da manchmal die Entscheidung schwer fallen. Deshalb möchte ich heute die verschiedenen Möglichkeiten, Heilpflanzen medizinisch einzusetzen, etwas näher beleuchten. Je nach gewünschter Pflanze wird ein bestimmter Pflanzenteil zubereitet. Es kann daraus ein wässriger Auszug (Tee) hergestellt werden, aber auch Auszüge mit Alkohol oder Öl sind häufig.

Phytotherapie am Beispiel Brennnessel
In der Pflanzenheilkunde, die auch als Phytotherapie bezeichnet wird, werden jeweils die heilkräftigsten und unbedenklichsten Pflanzenteile verwendet. Manchmal finden sich die gewünschten Inhaltsstoffe vor allem in den Wurzeln wie z.B. bei der Angelikawurzel, aber manchmal auch eher in den Blüten wie z.B. bei den Jasminblüten. Oftmals werden aber auch unterschiedliche Pflanzenteile für verschiedene Indikationen eingesetzt. Am Beispiel der Brennnessel möchte ich das hier darstellen: Traditionell genutzt werden die Blätter bzw. das Kraut zur Entgiftungs- und Durchspültherapie. Kraut enthält Blätter, Stängel und Blütenanteile. Bei in der Apotheke gekauften Heilpflanzentees definiert das Deutsche Arzneibuch deren Verhältnis untereinander. Der hohe Gehalt an Mineralstoffen wie Eisen und Kieselsäure lässt die oberirdischen Pflanzenteile auch aufbauend wirken. Sie wirken bei Blutarmut durch Eisenmangel und sind gut in der Bindegewebstherapie einsetzbar. Die Früchte der Brennnessel sind reich an Linolsäure und wirken aufbauend, milchfördernd und antirheumatisch. Die Wurzel der Pflanze wird erst seit ca.1950 bei Prostatavergrößerung eingesetzt.

Haferstroh
Haferstroh wird gerne in entgiftenden Teemischungen verwendet. Es wirkt sehr gut harnsäureausleitend und aquaretisch, d.h. entwässernd, ohne Mineralien mit auszuscheiden. Der Kieselsäureanteil ist sehr hoch und gut bioverfügbar (gute Aufnahme vom Körper), da ein Teil der Kieselsäure in löslicher Form vorliegt. Wird das Haferstroh als homöopathisches Mittel, also als Urtinktur, aufbereitet, ergeben sich ergänzende Wirkungsgebiete.
Die (grob)stoffliche Wirkung der Kieselsäure wird ergänzt durch eine mehr feinstoffliche Wirkung der Pflanze auf das Nervensystem. Dabei ist die Art der Zubereitung entscheidend für diese feinstoffliche Wirkungsweise. Homöopathische Firmen achten bei der Herstellung ihrer Urtinkturen sehr darauf, dass sowohl die Wirkstoffe (grobstofflich), als auch die Information und Lebenskraft der Pflanze (feinstofflich) bewahrt bleiben. Die Pflanzen können also sowohl gemäß ihrer phytotherapeutischen Indikation eingesetzt werden als auch entsprechend ihres Wesens, ihrer Erscheinung und ihrer psychischen Wirkungsweise.
Betrachten wir die Haferpflanze, so fällt auf, dass sie sehr biegsam ist: Sie wiegt sich im Wind, doch sie zerbricht trotz Sturm nicht. Übertragen auf die Medizin heißt das, der Hafer hilft uns, Energien oder Einflüssen, die uns umwerfen wollen, zu trotzen. Besonders gut sprechen gehetzte Menschen, die immer auf der Flucht zu sein scheinen, auf Hafer an. Im Vordergrund steht die (Nerven-)Schwäche, die den erschöpfenden Tätigkeiten (auch Exzesse jeder Art) folgt. Man findet einfach nicht mehr zurück zu sich selbst, als würde man wie ein Satellit um das Zentrum kreisen, dieses aber nie erreichen. Schlaflosigkeit, trotz Schwäche ist so ein typisches „Leere“-Symptom. Der Hafer kann uns helfen, wieder zum Rhythmus zurückzufinden, uns aufzubauen, zu stärken und dadurch wieder zur Nervenruhe zu finden.



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