aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe Februar 2008
Das menschliche Bewusstsein

Dies ist die Fortführung eines Gesprächs mit dem Heilpraktiker Ofir Touval (11/07). Dieser Teil des Interwiews handelt von der Macht unseres Bewusstseins.

art54121
Haidrun Schäfer: Ich möchte kurz die Essenz unseres ersten Gespräches zusammenfassen: Um einen wirklichen Heilungsprozess zu erreichen, muss das Bewusstsein einbezogen werden. Dazu ist es wichtig zu erkennen, dass wir reaktiv sind, dass wir von Emotionen geleitet werden und dass wir von sofortigen Gratifikationen motiviert werden. Aus dieser Erkenntnis resultiert das Ziel, aus der reaktiven in eine aktive Haltung zu gelangen. Dazu gibt es Ihrer Meinung nach Techniken. Dort wollen wir anknüpfen: Wie schafft man ein Heilungsbewusstsein?

Ofir Touval: Eine der wesentlichen Erkenntnisse für mich war, dass sämtliche Handlungen, Gedanken, Gefühle und angeeignetes Wissen auf den fünf Sinnen basiert. All das, was ich wahrnehme, beeinflusst meinen denkenden Verstand. Und hier ist der Schlüssel. Die gängigen Therapieformen agieren im Rahmen der fünf Sinne, denn wir müssen uns unterhalten oder körperlich ausdrücken oder analysieren – alles Techniken, die auf unseren Sinnen basieren. Um wirkliche Bewusstseinsveränderungen vorzunehmen, müssen wir einen Schritt vorgreifen – das ist das, was ich mit meinen Kollegen bei Quanteam72 anbiete: Wir stellen Menschen Techniken zur Verfügung, die unlogisch sind, d.h. die nicht auf dem Verstand basieren, denn der Verstand steht uns bei dem entscheidenden Schritt im Weg. Alles, was wir unterrichten, greift auf die Prozesse zurück, die davor entstehen, bevor wir etwas bewusst erfahren und verstehen. In dem Moment, wo der Gedanke oder das Wort formuliert ist, ist es in der Wirklichkeit manifestiert und damit nicht mehr zu ändern. Meistens reagieren wir auf Problemsituation mit Erfahrungswissen, aber damit kommen wir nicht weiter. Das kann bis zu dem berühmten Hamsterrad führen, wo wir immer und immer wieder den selben Situationen begegnen, ohne eine Lösung zu finden. Warum? Offensichtlich gibt es einen Ursprung, aber dort greifen unsere fünf Sinne nicht, weil sie nur auf die körperliche Wahrnehmung begrenzt sind. Das ist eine Falle.

Immerhin sind die fünf Sinne unser Werkzeug, um in diesem Leben klarzukommen. Warum sollten wir sie umgehen?

Wenn man die materielle Realität auf ihren Gehalt untersucht, kommt man auf eine Relation von ca. 1% Materiellem und 99% „irgendetwas“Wenn ich also wirklich etwas verändern will, bin ich – solange ich nur die fünf Sinne einsetze – verloren. Folglich geht es im ersten Schritt darum, den Menschen bewusst zu machen, dass die Realität, die wir wahrnehmen, sich nur im Bereich der fünf Sinne abspielt. Wir – damit meine ich meine Kollegen von Quanteam72 und ich – vergleichen das mit dem Bild eines Samens: Aus dem Samen eines Baumes wachsen Wurzeln, Stamm, Blätter und Früchte. Der Same an sich verschwindet.

Deswegen ist es so schwierig, an ihn heranzukommen.

So ist es. Aber nur für meine visuelle Wahrnehmung. Er hat sich verwandelt. Und so ist es in der Analogie mit unserer Realität: Wir setzen Samen in unser Bewusstsein. Dauerhaft, jede Sekunde. Im Moment sitzen wir hier – wer weiß, was daraus entsteht? Vielleicht entsteht ein Forschungsinstitut, was wunderbare Früchte für die Menschheit tragen wird. Aber wie komme ich daran? Wie kann ich das bewusst machen? Genau das unterrichten wir: Wir versuchen, den Menschen an die Idee heranzuführen, dass die fünf Sinne trügerisch sind. Dass wir eine andere Realität haben als die fünf Sinne. Und dann: Wie komme ich da hin, auf die Ebene der 99%? Eine der Techniken ist, das reaktive Verhalten abzuschalten. Einfach stopp zu den auftauchenden Gefühlen zu sagen und tief Luft zu holen und die Widerstandskraft einzusetzen. Und auf einmal ist alles ganz anders.
Ein Beispiel: Es war vor etwa einem Jahr als ich eines Morgens runter auf die Straße ging und feststellte, dass irgendjemand mit einem scharfen Gegenstand über die ganze Seite meines relativ neuen Autos eine deutliche Spur eingraviert hatte. Jeder normale Autobesitzer würde einen ...

... Wutanfall bekommen...

... und fluchen und außer sich geraten. Ich habe in diesem Moment gesagt: Stopp. Das musste ich mehrmals tun, immer wieder gegen die Gedanken von Kosten und Wertverlust usw. angehen, aber irgendwann war es soweit und ich konnte lachen. Ich habe so herzhaft gelacht, weil ich mich völlig unabhängig von diesem Kratzer fühlte. Der Ritz ist immer noch da und immer noch muss ich lachen, wenn ich ihn sehe. Die Tatsache, dass dieses Geschehen nicht mehr mein Leben kontrolliert, ist sehr bereichernd.

Das Geheimnis ist also, den Schritt zurückzutreten und sich nicht mit dem Lack des eigenen Autos zu identifizieren?

Normalerweise sind wir so in unserem reaktiven Muster gefangen, dass wir diesen Schritt nicht machen. Meistens ist es so, dass wir durch äußere Umstände gezwungen werden, innezuhalten. Im Grunde ist der erste Schritt, ein Bewusstsein aufzubauen, dass es keine Zufälle oder Unfälle oder mir böse gesonnene Menschen gibt. Es sind alles Samen, die ich mit meinem Bewusstsein gesetzt habe und die irgendwann gedeihen. Jetzt kann ich entscheiden: Ich möchte andere Samen setzen und wie mache ich das. Und zweitens ist jedes Erlebnis eine große Chance für mich, etwas zu verändern. Jeder hat seine Hemmnisse oder Mauern. Wir arbeiten mit mehreren tools – ob es Meditation oder ein Stoppschild ist – es gibt viele Möglichkeiten. Wichtig ist, dass wir „out of the box“ gelangen – außerhalb von dem Wirkbereich unserer fünf Sinne.

Aber wieder: Unsere Sinne sind das Werkzeug, das wir haben, um hier zurechtzufinden.

Ja, das ist unser Dienstwagen, damit wir unsere Arbeit verrichten können. Das Problem ist, dass die meisten Menschen ihre Identität mit ihrem Körper verwechseln. Deswegen gibt es Lifting und Botox. Ich bin ein großer Fan von der Quantenphysik, denn sie beweist, dass die materielle Realität eine Illusion ist. Es gibt das Gesetz von Heisenberg, das besagt, dass der Betrachter den Zustand des Betrachtungsgegenstandes beeinflusst.

Es gibt also keine Objektivität?

Nein, denn unser Bewusstsein ist unser Filter, wodurch wir die Dinge wahrnehmen. Es gibt keine Objektivität. Denken wir an die Geschichte mit dem Keks (Novemberausgabe Seite 30): zwei Menschen, die den gleichen Keks essen mit einer komplett anderen Wahrnehmung. Hier schließt sich der Kreis.

Können wir davon ausgehen, dass wir als Menschen auf der Erde inkarnieren, um bestimmte Erfahrungen zu machen und uns weiterzuentwickeln? Warum tun wir das überhaupt?

Es gibt ein Erklärungsmodell, das davon ausgeht, dass die Seele aus fünf Komponenten besteht. Von den fünf Komponenten sind uns drei bekannt: die Triebe auf der körperlichen Ebene, die geistige und intellektuelle Ebene und die spirituelle Ebene. Darüber hinaus gibt es noch zwei Bereiche. Die Seele ist ein viel komplexeres Gebilde als das, was wir Bewusstsein nennen.

Das Bewusstsein ist das, womit ich hier unterwegs bin. Trotzdem ist es etwas Immaterielles, etwas was außerhalb der fünf Sinne existiert.

Ich würde sagen, das Bewusstsein ist das Verbindungsglied zwischen den fünf Sinnen und der Seele. Das, was wir schulen können, ist das Bewusstsein und das wiederum hat Auswirkungen auf unseren Körper und auf die Seele.

Aber warum sind wir überhaupt hier?

Die Seele befindet sich in einem Prozess der Korrektur. Sie kommt aus einem Zustand vollkommener Harmonie und Unendlichkeit. Dann gab es den Moment des Urknalls oder der Ursünde auf der religiösen Ebene. Ein Moment, wo alles auseinandergebrochen ist. Dieser Moment beinhaltet gleichzeitig im Samen die komplette Geschichte vom Anfang der ursprünglichen Vollkommenheit bis zum Ende der kompletten Vollkommenheit – allerdings mit einem Unterschied: das Bewusstsein ist dabei. Das Bewusstsein war am Anfang nicht da. Nehmen wir dieses Glas mit Wasser und isolieren einen Tropfen von diesem Wasser, dann ist dieser Tropfen etwas ganz Vollkommenes und Teil von dem Wasserglas, aber weiß der Tropfen Wasser davon?
Wenn wir diesen Tropfen isolieren, kann er sich in einem Prozess darüber bewusst werden, dass er ein Tropfen ist und gleichzeitig Teil des Ganzen. Dann ist er nicht nur Teil des Ganzen, sondern ein bewusster Teil des Ganzen. Wir nennen das Korrekturprozess. Wir kommen aus der Vollkommenheit und die allererste bewusste Entscheidung unserer kollektiven Seelen war, aus der Vollkommenheit auszusteigen. Dann kam es zu der Explosion, die Harmonie zerbrach...

... die Vertreibung aus dem Paradies...

... dann entstand die ganze Welt, die Materie...

Bleiben wir vielleicht bei dem Bild des Wassertropfens: Wir sind nicht eins in dem Sinne, dass wir alle ein einziger Wassertropfen sind, sondern dass alle Teil eines Ganzen – des Ozeans – sind.

Ja, in dem Moment, wo ich mich als einen Wassertropfen definiere und gleichzeitig eins mit dem Ganzen bin, da ist der Korrekturprozess abgeschlossen.

Es geht also darum, es mit unserem Bewusstsein zu verstehen, nicht mit unseren fünf Sinnen.

Genau das ist es: Die fünf Sinne sind nicht die Realität und nicht Ich, sondern das Bewusstsein bin ich.
Letztes Jahr ist mir ein außergewöhnliches Ereignis zum ersten Mal passiert: Es war in Israel an dem Ort einer 1700 alten Synagoge. Ich war dort mit meinen Kindern, die erst fünf und acht Jahre alt sind und während mehr als einer halben Stunde wähnten wir uns in einem Zustand der absoluten Harmonie oder Stille oder Vollkommenheit – es ist schwer, Worte dafür zu finden. Der Lärm der Welt verebbt und man schwebt in der zeitlosen Liebe ohne Gedanken. Zum ersten Mal spürte ich dieses Gefühl, in dem die Seele existiert.

Gedanken sind ja auch etwas, was hier in diese materielle Welt gehört.

Wenn ich versuche, das zu beschreiben, ist es ein Gefühl von Raum- und Zeitlosigkeit. Und es ist nicht mit Worten zu beschreiben. Ein Wort begrenzt. Und wie soll man die Unbegrenztheit begrenzen? Das ist die größte Schwierigkeit, die wir haben. Und da kann man nur Schritt für Schritt behutsam den Weg gehen. Ich sage allen, dass ich die Tür zeige, aber gehen müssen sie alleine.

Herr Touval, ich danke Ihnen für das Gespräch!



Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.