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Ausgabe Februar 2008
Gemeinsam wachsen

Der amerikanische Psychologe Chuck Spezzano ist Eheberater und Seminarleiter. Gemeinsam mit seiner Frau Lency hat er das Kommunikationsprogramm „Psychology of Vision“ entwickelt, eine Verbindung von klassischer Psychologie mit spirituellen Prinzipien.

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Auf seiner Vortragsreise durch Mitteleuropa besuchen sie den Norden Deutschlands. Anlässlich seines Besuches veröffentlichen wir einen Auszug aus dem seinem Buch „Beziehungs-Notfall-Set“ - mit freundlicher Genehmigung des Goldmann Verlages.
Der "Beziehungsorbit"
Du befindest dich mit deinem Partner auf einer elliptischen Umlaufbahn um jenen Punkt in eurer Beziehung, an dem ihr euch miteinander verbindet. Am äußeren Ende der Ellipse könnt ihr leicht das Interesse aneinander verlieren und es kommt möglicherweise zur Trennung. Doch wenn du nur ein paar Dinge richtig machst, wirst du dich deinem Partner auf deiner Umlaufbahn irgendwann wieder annähern und ihr werdet erneut in eine längere romantische Phase eintreten, bis euch die Ellipse wieder voneinander entfernt.
Jedes Mal, wenn du zu deinem Partner zurückkehrst, erlebt ihr neue Flitterwochen. Sobald du mögliche Fallen vermeidest, werden die Umläufe mit der Zeit immer enger und kürzer. Hältst du an einem Streit fest, löst das eine Abwärtsspirale noch stärkerer Machtkämpfe aus, die das Ende des Ganzen bedeuten können. Eine solche Situation wird zwar von einem von euch dominiert, aber Gewinner gibt es nicht. Jeder von euch beiden könnte so vernünftig sein, ehrlich, mutig und großzügig zu handeln, das Bewusstseinsniveau anzuheben, den Streit zu beenden und euch neue Flitterwochen zu bescheren.

Beziehungsprinzipien
Hier zähle ich einige Prinzipien auf, die dir zu einer partnerschaftlichen Beziehung verhelfen können. Meine Frau und ich haben sie im Laufe unserer langjährigen Arbeit als Eheberater und Trainer entdeckt:
o Du kannst dich, ganz gleich, was geschieht, immer nur in eine Richtung bewegen - auf deinen Partner zu. Geh ihm einfach stets weiter entgegen, besonders wenn es Schwierigkeiten gibt. Probleme können einer neuen Stufe der Nähe nicht standhalten.
o Räume deiner Beziehung oberste Priorität ein. Wenn du deine Partnerschaft an die erste Stelle setzt, ist jeder Schritt, den du auf den anderen zu machst, ein weiterer Schritt zu Erfolg. Sobald du das Konkurrenzdenken überwunden hast, wird deine Liebe auch deine Karriere fördern.
o Tu nichts, was deinen Partner verletzen könnte. Und sag niemals etwas, was du nicht auch in seinem Beisein sagen würdest. So kannst du dir deine Partnerschaft und deine Integrität bewahren.
o Es gibt viele Gelegenheiten, deine Bindung zu festigen. Da die Wurzel aller Probleme stets ein Beziehungsproblem ist, förderst du jedes Mal, wenn du deine Lebensgemeinschaft stärkst, auch deine Karriere und dein übriges Privatleben. Sobald du dich einem mehr oder weniger kleinen "Laster" ergibst - ganz gleich, ob übermäßiges Essen, Trinken, Drogenmissbrauch, Affären, Arbeitssucht, Vorwürfe oder Angriffe -, verpasst du eine Gelegenheit, an deiner Beziehung zu bauen. Je größer das Vergnügen, dem du frönst, desto gewaltiger ist auch der Entwicklungsschritt auf eine neue Stufe der Verbundenheit, an dem du dich hättest erfreuen können. Dein Ego will dich ablenken und aufhalten, denn auf jeder neuen Stufe der Nähe wird die Liebe größer und das Ego kleiner.
o Hilf deinem Partner, wenn er sich in Schwierigkeiten befindet. Es ist wunderbar, falls du etwas Bestimmtes tun kannst, um ihm zu helfen. Am wichtigsten aber bleibt, dass du ihn liebst und ihm zur Seite stehst. Dein Partner muss sich selbst heilen, doch deine Liebe kann den entscheidenden Unterschied machen, da jedes Problem ein Mangel an Selbstliebe ist. Du kannst ihm geben, was ihm fehlt, und seine Selbstliebe neu entflammen.
o Übernimm die Verantwortung für deine Gefühle und Erfahrungen. Wenn du das nicht tust, wirst du anderen die Schuld geben, sie angreifen, jammern und das Opfer spielen. All diese Verhaltensweisen bringen deine Seite im Machtkampf zum Ausdruck und entspringen stets einer Position der Schwäche. Du könntest dich stattdessen für die Macht und Verantwortung entscheiden. Schwäche hat drei Hauptursachen:
Die erste ist, dass du dich für schwach hältst. Du könntest dem Glauben an die eigene Schwäche einfach die Nahrung entziehen und dich stattdessen mit dem beschäftigen, was du gern über dich glauben würdest.
Die zweite Ursache ist, dass du schwach sein willst. Schwäche ist eine Ego-Strategie, die dir hilft, deine Bedürfnisse erfüllt zu bekommen, dich zu verstecken, deinen Willen durchzusetzen oder Rache zu üben.
Die dritte Ursache ist, dass du die Schwäche zu einem falschen Gott erhoben hast. Ein Götzenbild ist etwas, von dem du fälschlicherweise annimmst, es könne dich retten oder glücklich machen. Deshalb schwörst du ihm die Treue. Du könntest all deine Götzenbilder der Schwäche und all deine falschen Egostrategien aufgeben, um zu bekommen, was dich wirklich glücklich macht. Ein Götzenbild ist ein tief sitzendes unbewusstes Muster und Teil unseres Kampfs mit Gott. Aber ein Götzenbild der Schwäche kann uns niemals glücklich machen.
Je mehr du dich um deine Verantwortung für deine Erfahrungen drückst, desto unreifer ist dein Verhalten. Wenn es dir an Reife fehlt, bürdest du deiner Beziehung eine schwere Last auf und sorgst dafür, dass sich alles nur um dich dreht. Je mehr du in deinen Gefühlen schwelgst, desto stärker ist dein Partner normalerweise von seinen Empfindungen abgespalten. Ich habe festgestellt, dass eine der größten Versuchungen für die Frau darin besteht, in ihren Gefühlen zu schwelgen, während die Dissoziation eine der größten Versuchungen für den Mann ist. Wenn eine Frau aufhört, in ihren Gefühlen zu schwelgen und ihre Schwäche aufgibt, nimmt sie ihre natürliche Führungsposition in der Beziehung ein. Dann werden sowohl die Beziehung als auch die beiden Partner wachsen und gedeihen.
Es ist ein gewaltiger Schritt, die Verantwortung für deine Gefühle zu übernehmen. Jedes Mal, wenn du dich schlecht fühlst, verspürst du den Wunsch, deine Mitmenschen anzugreifen und ihnen die Schuld für das zu geben, was dir widerfährt. Erst wenn du die Verantwortung für dich übernimmst, kannst du dich lieben und glücklich machen. Bis dahin erwartest du von deinem Partner, dass er dich liebt, und deine Ansprüche werden zur Belastung.
Hast du die Verantwortung für dich und deine Gefühle übernommen, besteht der nächste Schritt der Reife und der Ermächtigung darin, die Verantwortung für die Gefühle des Partners zu übernehmen. Dein Partner bringt jene Emotionen zum Ausdruck, die in deinem Unterbewusstsein verborgen sind. Wenn du ihm nicht hilfst, seinen Schmerz zu bewältigen, wirst du früher oder später mit denselben Regungen konfrontiert. Du kannst deine Gefühle wahrnehmen, ohne sie als Waffe zu gebrauchen oder andere damit emotional zu erpressen. Wenn du den Partner mit deinen Gefühlen kontrollierst - ganz gleich, ob du ihn damit verletzt, ob du Schuldgefühle oder Wut provozierst -, gelingt es dir vielleicht, ihn zu manipulieren und einzelne "Schlachten" zu gewinnen. Den "Krieg" wirst du ganz sicher verlieren.
Du glaubst, der Dinge, die du dir mithilfe von Manipulation oder Kontrolle verschaffst, nicht würdig zu sein. Deshalb musst du dich immer wieder neu darum bemühen, noch mehr zu bekommen, und deinen Partner dazu bringen, dir zu beweisen, dass du liebenswert bist. Das kann sich recht zerstörerisch auf deine Beziehung auswirken, da du mit deinen selbstsüchtigen Versuchen, dir immer noch mehr zu holen, den anderen von dir entfernst. Du musst dich nun für dich entscheiden und dich um emotionale Reife bemühen. Deine Bereitschaft, die Verantwortung zu übernehmen, kann den Unterschied in deiner Partnerschaft machen und wie eine natürliche Einladung an dein Visavis wirken, es dir gleichzutun.
Wenn du emotionalen Schmerz verspürst, dann nimm ihn einfach wahr. Du kannst auch ein wenig übertreiben, um ihn schneller hinter dir zu lassen, während du zugleich Reife beweist. Wenn du den Mut aufbringst, deine Gefühle zu fühlen, wirst du in gleichem Maße auch Mut zur Freude finden. Du wirst dein Herz öffnen, deine weibliche Seite stärker zu schätzen wissen, mehr Gutes annehmen können, deine maskulinen und femininen Energien ins Gleichgewicht bringen, deinem Partner gleichberechtigt sein und die Beziehung ins Stadium der Partnerschaft führen.



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