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Ausgabe Januar 2008
Coaching bei Schulstress

Ende Januar gibt es Zeugnisse.Wer erinnert sich nicht mit Grauen an nervige Prüfungssituationen oder steht heute hilflos vor dem Prüfungsstress des eigenen Sprösslings? Das muss nicht sein! Die Diplom-Psychologin Christiane Knöß kombiniert verschiedene Co

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Jacob ist 15 Jahre alt und einer der Besten in seiner Klasse. Trotzdem hat er vor jeder Klassenarbeit "Schiß", schläft schlecht und hat Angst, nicht gut genug zu sein. Auch das Zureden der Mutter hilft nicht. Also nimmt Jacob die Hilfe einer Coachingsitzung in Anspruch.

Christiane Knöß: Du bist hier, um dir einen entspannteren Umgang mit Prüfungssituationen zu ermöglichen. Es geht darum, Druck aus der Situation heraus zu nehmen und die Angst zu verringern. Lass uns einfach mal nach den Gründen für den Stress forschen, den du da hast.
Es gibt so etwas wie ein Körpergedächtnis. Dort werden Erinnerungen an Schmerzen, Schrecken oder unangenehme Erlebnisse aufbewahrt und die Angst davor, das noch mal erleben zu müssen. All das merkt sich der Körper. Verwaltet werden diese ganzen Erinnerungen im Gehirn. Das ist so etwas wie eine Schaltzentrale. Inzwischen geht man davon aus, dass es neben dem Gehirn als Verwaltungszentrale auch ein Bauchgehirn gibt. Wir alle haben den Eindruck, unsere Gefühle sitzen im Bauch. Vom Bauch zum Gehirn gibt es auch ganz viele Nervenbahnen, umgekehrt sind es dagegen weniger. Also sendet vorwiegend der Bauch ans Gehirn. Der Bauch antwortet auch viel unmittelbarer als das Gehirn. Das nutzen wir, um der Prüfungsangst auf die Schliche zu kommen. Um an Antworten von deinem Bauch ranzukommen, benutze ich den kinesiologischen Muskeltest, mit dem ich deinen Körper bzw. dein Bauchgehirn direkt befrage. Ich teste mit dem Muskeltest, was dich stark bleiben lässt und was dich schwach macht. Das können Gefühle, aber auch Gedanken sein..Wir wollen jetzt rauskriegen, woran das bei dir liegt. In der Prüfung oder auch in normalen Schulsituationen kann es sein, dass du auf einen Lehrer quasi allergisch reagierst oder auf eine bestimmte Situation oder auf Erwartungen, die in dir drin sind. Das kann man sich vorstellen wie ein Rollladen, der in der Situation innerlich runtergeht, woraufhin du dann nicht mehr richtig denken oder reagieren kannst. Wie ist es bei dir? Hast du Probleme mit der Prüfung, weil du dich zu schlecht vorbereitest?

Jacob: Nee, das ist eher die Angst in der Zeit vor der Prüfung. Während der Arbeit weiß ich es entweder oder weiß es nicht. Während der Arbeit ist es dann nicht mehr so schlimm. Es ist die Zeit davor. Da denke ich immer: Hoffentlich weiß ich alles. Ich weiß nicht, was drankommt und deshalb habe ich Angst, dass etwas drankommt, was ich nicht weiß. Oder dass ich einen Blackout habe.

Das heißt: "Hoffentlich weiß ich alles" ist ein Satz, den du denkst.

Ja.

Die Angst vor der Prüfung ist allgemein. Gibt es irgendein Fach, in dem du die Angst nicht hast?

Vielleicht Musik. Da habe ich zwar auch Angst, aber vielleicht ein klein bisschen weniger.

Woran meinst du liegt das? Weil dir Musik besonders gut liegt oder weil da die Arbeiten leichter sind?

Nee, weil's mir liegt.

Gibt es in deinem Leben irgendwo einen Bereich, wo du sagst, da flutscht es, also zum Beispiel Schlagzeug spielen. Da muss man natürlich auch üben, ist ja klar, aber wenn du dann mal was vorspielen musst, wie ist das? Du spielst doch auch in der U-Bahn, oder?

Ja, Gitarre.

Hast du da auch Angst gehabt?

Nee.

Das war easy?

Naja, am Anfang hab ich schon ein bisschen Angst gehabt. Aber nach dem zweiten Mal war es dann kein Problem mehr. So nach den ersten 10 Minuten war die Angst dann weg.

Also eher so eine Art Lampenfieber?

Ja, ähnlich wie bei den Konzerten in der Schule, wo ich Schlagzeug spiele und auch die Moderation mache.

Und da hast du keine Angst?

Da gehe ich vor der Moderation meinen Text noch mal durch.

Okay, das machst du ein paar Mal aber nicht so wie bei den Vokabeln?

Ich mach's zwar ein paar Mal, aber ich hab nicht so einen Stress.

Gut, d.h. es gibt zwei Situationen, in denen man sich zwar auch vorbereiten muss, aber da ist der Stress nicht da. Lass uns mal deinen Körper bzw. Bauch fragen, womit das was zu tun hat. Vielleicht hat es was mit der Schule zu tun, vielleicht mit der Familie, es gibt da viele Möglichkeiten, die zum Teil ganz überraschend sind. Das kann man prima durchfragen, es kann ja durchaus sein, dass da irgendwelche Anforderungen von irgendwoher kommen, die vielleicht gar nicht deine sind. Kannst du sagen, ob die Angst vor der Prüfung etwas mit dir zu tun hat oder hast du die von jemand gekriegt?

Hat eher mit mir zu tun.

Das heißt, du bist einer, der die Latte ziemlich hoch legt?

Ja.

Also hohe Ansprüche an dich selbst. Wo kommen die her? Könnte es sein, dass sich diese Ansprüche in deiner Familientradition wiederfinden? Wir machen mal ein Experiment: Stell dir vor, dass deine ganzen Ahnen, also praktisch deine ganze Sippe, alle hinter dir stehen - eine ganz schöne Menge. Wenn es da jetzt beispielsweise jemanden gäbe, der mit Prüfungen auch solchen Stress hatte, was würdest du sagen, wo steht der? Steht der eher in der väterlichen Linie oder eher in der mütterlichen Linie?

Schwer zu sagen.

Okay, dann lass uns das mit dem kinesiologischen Muskeltest befragen. (Test) Beide Linien geben ein positives Ergebnis, d.h. beide hatten auch das Thema Prüfungsstress in ihrem Leben. Das hat jetzt etwas mit Familienaufstellungsarbeit zu tun. Ich weiß nicht, ob du das schon mal gehört hast. Da schaut man, wo die Kinder - unbewusst - Aufgaben übernehmen für irgendjemanden aus der Familie. Die Kinder versuchen dann, stellvertretend das Problem zu lösen.. D.h. in deiner Familie gibt es jemand, der das gleiche Problem hatte wie du oder ich könnte mir vorstellen, dass es mehrere waren und du versuchst, das jetzt für die mit zu lösen. Und da gilt es jetzt einfach mal zu sagen: Okay Leute, ist ja alles schön und gut, aber das muss jetzt jeder für sich selber lösen. Nach meiner Ansicht wird so etwas energetisch weitergegeben, d.h. mit Energie. Und für die hat man oft eine Vorstellung oder kann sie farblich einschätzen. Wenn du eine Verbindung zu deinem Vater siehst, eine Energie-Verbindung, die sich dann nach hinten verzweigt, zu all den anderen, die da hinter euch noch stehen, was hat die Verbindung für eine Farbe?

Vater? Blau.

Und die Verbindung zu deiner Mutter?

Rot.

Okay, wenn du dir jetzt mal diesen blauen Strang ansiehst, die väterliche Linie, ist da nur einer, der mit dem Prüfungsthema was zu tun hat oder sind das mehrere?

Mehrere.

Gut, jetzt ist ja der nächste Repräsentant, der hinter dir steht, dein Vater, der ja offensichtlich auch Prüfungsangst hat. Wenn du als nächstes einmal in dich selbst hineinschaust, wo in dir hast du das Gefühl, da könnte Prüfungsangst sitzen? Vielleicht ist die auch blau - schau mal.

Im Bauch.

Ist die auch blau?

Ja, auch blau.

Okay, dann nehmen wir jetzt einfach mal an, das ist der Teil der Prüfungsangst, die du von deinem Vater gekriegt hast. Der ist jetzt erwachsen. Könntest du ihm ein Päckchen packen und ihm das zurückgeben?

Joo.

Du könntest auch das, was du von ihm gekriegt hast, über diesen Strang zurückfließen lassen, wie wäre das?

Nee, Päckchen packen finde ich besser.

Okay, dann stell dir vor, du hast da ein Päckchen auf deinen Knien. Wie sieht das aus?

Schuhkarton.

Hast du auch schon etwas zum Verschließen zur Hand? Klebestreifen oder so?

Eine Schleife

Okay, dann stell dir vor, dass du alles blau, was in dir ist und mit Prüfungsangst zu tun hat, in dieses Päckchen reinfließen lässt. Wenn alles drin ist, verschließe das Paket.

Ok.

Dann stell dir vor, du wendest dich deinem Vater zu und sagst zu ihm: Lieber Papa, ich hätte es gern für dich gemacht, aus Liebe, aber dies ist deins und das gebe ich dir jetzt zurück. Wie schaut er?

Überrascht.

Vielleicht hatte er gar keine Ahnung, dass er das an dich weiter gegeben hat. Eltern machen so was ja nicht mit Absicht, die wollen ihre Kinder ja eher vor den unangenehmen Erfahrungen bewahren. Nimmt er es an?

Ja.

Was macht er damit?

Er schaut rein, macht den Deckel wieder zu und stellt es in die Ecke.

Ist das für ihn okay so?

Ja.

Und für dich? Was hat sich verändert? Was ist jetzt mit deinem Bauch?

Da ist jetzt Platz.

Okay, in freigewordenen Platz setzen sich gern Sachen rein, die man da nicht haben möchte, darum lass uns den mal auffüllen. Das geht gut mit Licht. D.h. man kann sich Licht aus dem Universum kommen lassen. Sternenlicht zum Beispiel. Welche Farbe hat das Licht, mit dem du diesen Platz füllen möchtest?

Mit weißem.

Okay, dann mach das. Was hat sich verändert?

Ist gut.

So, jetzt noch das Gleiche für die mütterliche Seite. Wo sitzt es in dir?

In der Brust.

Lass alles rot, was mit Prüfungsangst in dir zu tun hat, in das Päckchen fließen, verschließe es und gib es zurück, auch wieder mit den Worten: Liebe Mama, das ist deins, ich gebe es dir jetzt zurück. Wie reagiert sie?

Auch überrascht. Sie schaut rein, macht aber den Deckel nicht wieder zu. Das behagt ihr nicht.

Was macht sie dann damit?

Sie nimmt es in sich rein.

Ist das okay für sie?

Ja.

Und für dich?

Auch. Sie kann damit umgehen.

Was hat sich in dir verändert?

Da ist wieder dieser leere Raum in meiner Brust.

Dann fülle ihn auch wieder mit Licht.

(Macht er.)

Was hat sich verändert?

Es ist leichter geworden.

Gut. Wenn du dich jetzt noch mal so durchguckst, wo ist jetzt die Prüfungsangst in dir, die zu dir gehört?

Im Kopf, so oben am Schädel innen.

Das könnte ein Gedanke sein, oder?

Ja.

Vorhin hast du schon mal einen Gedanken gesagt: "Hoffentlich weiß ich alles." Dann lass uns jetzt mal testen, ob das der entscheidende Gedanke ist oder ob sich da noch irgendwo ein anderer versteckt hält. Der Muskeltest ergibt, dass du schwach wirst, wenn du diesen Satz denkst. Gut für dich wäre der Satz: "Ich schaff das!" Man kann auch sagen: "Ich bin gut vorbereitet." Einen Tag vorher sollte man übrigens nicht mehr lernen, sagt die Lernforschung, damit sich das Gelernte setzen kann. "Hoffentlich weiß ich alles" macht dir auf jeden Fall Stress und der sitzt hier oben. Wollen wir mal sehen, dass wir das noch überwinden. Wir versuchen, es über die Augen in Bewegung zu bringen, durch Winken oder, wie man noch sagen könnte, durch bilaterale Hemisphärenstimulation oder Wingwave. Dann kann sich das, was du davon heute nicht mehr brauchst, verabschieden, wenn du es erlaubst. Spür deinen Kopf. Wie fühlt es sich an?

Schwer.

Wenn es ein Gefühl gäbe, das dazu gehört, ist es Angst, Wut, Trauer oder Freude?

Angst und Wut

Was ist es eher: Angst oder Wut?

Eher Angst.

Okay, dann spüre die Schwere der Angst in deinem Kopf, die mit dem Satz verbunden ist "hoffentlich kann ich alles". Verabschiede dich innerlich davon und folge meinem Finger mit den Augen. (winken) Was hat sich verändert?

Ist leichter geworden.

Jetzt testen wir, ob der Satz noch Stress auslöst. Nein. So kann es bleiben. Fertig. Mein Gefühl ist, das reicht jetzt. Lass dich mal überraschen, was passiert. Wasser trinken ist jetzt wichtig und wundere dich nicht, wenn du heftig träumst, denn das arbeitet jetzt noch nach. Wenn später noch einmal etwas zu dem Thema auftaucht, arbeiten wir noch mal nach, okay?

Okay, danke!

Nachtrag von der Mutter
In der folgenden Woche wurden jeden Tag Arbeiten geschrieben. Jacob fand sie lästig, aber die Angst davor war weg. Er hat sich wie immer gut vorbereitet und ist wesentlich entspannter in die Prüfungssituationen gegangen.

Offenes Informations- und Kennenlernangebot: 9.1. und 30.1.08, 16.30-17.30 h, Aquariana, Am Tempelhofer Berg 7d, 10965 Kreuzberg, Tel.: 69 80 81-0, www.aquariana.de


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