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Ausgabe Januar 2008
Ziele 2008

Dem Leben eine Richtung geben
„Same procedure as every year?“ – Ziele gehören zum Jahresbeginn wie Knaller zu Sylvester. Gudrun Henne zeigt an zwei Beispielen, wie man sie auch erreichen kann.

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Berufswechsel
„Meine Praxis habe ich jetzt über ein Jahr“ stellt Jana stolz fest und lacht: „Das war die beste Entscheidung meines Lebens.“ Früher war Jana Lehrerin für Englisch und Mathematik. „Das war im Grunde nur eine Notlösung. Als Kind war ich in Mathe gut und Englisch fiel mir leicht und der Beruf als Lehrerin bedeutete einen sicheren Arbeitsplatz. Aber glücklich war ich nie damit. Ich hatte immer das Gefühl, meine eigentlichen Interessen und Begabungen liegen woanders, ohne zu wissen, was es genau war.“ Jetzt ist Jana Heilpraktikerin für traditionelle chinesische Medizin und hat eine eigene Praxis.

Essstörungen
Kati hat ein ganz anderes Ziel erreicht: Jahrelang hatte sie Essanfälle. „Ich habe mich furchtbar gefühlt, dick und unglücklich. Süßigkeiten zu essen, wenn ich unglücklich war, das war wie eine Sucht. Ich hab mir ganz oft vorgenommen: Heute keine Schokolade. Und immer, wenn ich es nicht geschafft habe, fühlte ich mich wie eine Versagerin.“ Jetzt hat Kati sechs Kilo abgenommen, macht zwei Mal in der Woche Sport und kann Schokolade wochenlang auf dem Küchenbuffet liegen lassen.

Wie haben sie es gemacht?
Jana hat ihren Traumberuf gefunden, Kati hat sich von einem Suchtfaktor befreit. Viele haben ähnliche Wünsche, bleiben aber unterwegs stecken. Auch Jana und Kati sind zwischendurch stecken geblieben, sind inneren Blockaden und Dämonen begegnet, doch sie haben ihre Ziele erreicht. Wie haben sie es gemacht?

Genaue Vorstellungen entwickeln
Anpacken, das hieß für Jana zunächst, konsequent an der Vorstellung von ihrem Ziel zu arbeiten. „Ich hatte am Anfang ja gar keine genaue Vorstellung, wie meine Selbständigkeit genau aussehen sollte: Welcher Heilberuf es konkret sein sollte, wie meine Praxis gestaltet sein und wo sie sich befinden soll, welche Patienten ich mir wünsche, wie viel ich verdienen möchte. Was dann anders ist in meinem Leben und was bleibt wie zuvor.“ Nach und nach hat sich Jana alles ausgemalt. „Ich habe Fantasiereisen gemacht und Collagen geklebt, mich bei einer Existenzgründung beraten lassen, mir einen Coach gesucht. Und ich habe mein Ziel in mein ‚Traumberuf-wird-Wirklichkeit-Buch‘ geschrieben, und immer weiter daran gefeilt.“ Das Ziel hat sie dann in einzelne Schritte zerlegt, jeder so groß, dass er gerade noch zu schaffen war. Manches hat viel länger gedauert als geplant. Und manchmal brauchte es einen Umweg. Jana hat die Heilpraktikerschule zweimal gewechselt, bis sie die für sie passende gefunden hatte. Die finanzielle Absicherung als Lehrerin hat sie erst aufgegeben, als ihre Praxis schon erste Patienten hatte.

Entschluss zur Änderung fassen
Auch bei Kati stand der feste Entschluss „etwas muss sich ändern“ am Anfang. Auch sie hatte zunächst keine genaue Vorstellung, wie ihr Leben ohne Essen als Ersatz aussehen sollte. Wenn der Wunsch noch ungenau ist, einfach nur ein Gefühl „etwas muss sich ändern“, dann kann es länger dauern, bis dem Gefühl Gestalt gegeben werden kann und es sich in einem konkreten Ziel manifestiert. Zeit, sich mit den eigenen Wünschen zu beschäftigen, bis sie deutlich werden, und ein liebevoller, geduldiger Umgang mit sich selbst sind Voraussetzungen für ein gutes Gelingen. „Ich bin oft stecken geblieben – habe wieder Kuchen in mich hineingestopft oder bin nicht zum Training gegangen, war verzweifelt. Erst als ich gelernt habe, dass ich glücklich sein darf, mir die Erlaubnis geben darf, das es mir gut geht, dass ich nicht ständig gegen etwas kämpfen muss, sein darf, lustvoll sein darf, ging es voran“.
„Ich habe immer wieder versucht, meinen Geist darauf zu richten, wo ich hin will. Habe mir ausgemalt, wie ich mich bewege, wie ich mich fühle, was ich tue“. Auch Kati hat eine Vielzahl von Techniken benutzt: Eine systemische Aufstellung, Phantasiereisen, Ausdruckstanz, innere Bilder, ein schriftliches Ziel und ein „Selbstentdeckungsbuch“. Wichtig ist, sich immer wieder zu fragen: Wo will ich hin? Wie will ich sein? Wie möchte ich leben? Ist das, was ich jetzt gerade denke und tue dafür hilfreich?
Trotz ihrer ganz unterschiedlichen Ziele haben Jana und Kati vieles ähnlich gemacht: Sich klar für die Veränderung in ihrem Leben entschieden, sich das Ziel immer wieder vorgestellt und schriftlich festgehalten, es ausgemalt und für sich attraktiv gemacht, unterschiedliche Techniken ausprobiert, einzelne Schritte möglichst genau geplant und sich nicht entmutigen lassen.



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