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Ausgabe Januar 2008
Heilende Klänge des Ayurveda

Ein Interview mit dem Ayurvedischen Arzt und Musiktherapeuten Shri Dr. Balaji També von Ravidas Korn.

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Ravidas Korn: Herr Dr. També, Sie sind ayurvedischer Arzt und Musiker in Indien und bekannt dafür, dass Sie auch Musik als Therapie einsetzen. Um was für Musik handelt es sich?
Dr. També: Ich benutze indische Musik. Nach ayurvedischer Auffassung ist Musik ein Produkt des Raums. Im Ayurveda gehen wir ja von den fünf Elementen aus: Raum, Luft, Wasser, Feuer und Erde. Wenn wir ein Medikament oder eine Massage verordnen, behandeln wir den Körper, der für uns das Element Erde darstellt. Wenn wir einen Menschen heilen wollen, müssen wir auch seinen Geist und seine Seele heilen. Und hier hat die Musik ihre Bedeutung. Musik ist eine komplementäre Therapie.
Was sind die Besonderheiten der indischen Musik?
Indische Musik beruht auf „Ragas“, das sind Grundmelodien, die Körper und Geist betreffen. „Ragas“ drücken bestimmte Stimmungen aus, zum Beispiel Romantik oder Stille; sie beziehen sich auf Tages- oder Jahreszeiten, etwa den Frühling oder die Regenzeit. Wichtig ist auch der Rhythmus. Auch der menschliche Körper hat einen Rhythmus. Das Herz schlägt in einem bestimmten Rhythmus, andere Organe arbeiten in einem anderen Takt.
Welche therapeutische Bedeutung hat der Gesang beziehungsweise die Stimme des Sängers?
Den Klang, den die menschliche Stimme und Kehle zustandebringen, kann kein Instrument auf der Welt erzielen. Die Stimme ist viel flexibler als jedes Instrument. Außerdem spricht ein Patient eher auf die menschliche Stimme an, weil sie ihm näher ist, sozusagen ein humanes Erbe enthält, im Gegensatz zur toten Materie des Instruments. Die menschliche Stimme hat also einen höheren therapeutischen Wert.
Und die Worte?
Auch die Worte sind von großer Bedeutung. Wir arbeiten traditionell mit Mantras, bestimmten Silben oder Silbenfolgen, die auf das Gehirn einwirken, und darauf aufbauenden Kompositionen, die heilend wirken. Es gibt zum Beispiel spezielle Kompositionen für Nierenkranke. Ein bestimmter Ton richtet sich direkt an die Nieren, ein anderer an das Gehirn, das Herz und so weiter. Es gibt Kompositionen, um Fieber zu senken oder Bluthochdruck und es gibt auch spezielle Programme für Krebskranke und Aidspatienten.
Die meisten Europäer verstehen die indische Sprache nicht. Die Musik entstammt einem für sie fremden Kontext. Können sie trotzdem von Ihrer heilenden Musik profitieren?
Aber ja. Musik ist ein Produkt des Raums. Auch wenn diese Musik aus einem anderen kulturellen Zusammenhang stammt, ist sie eben doch Musik. So wie ein Mann ein Mann ist und eine Frau eine Frau, gleich ob Inder oder Deutsche. Die Musik wirkt verbindend, führt die Menschen zusammen.
Sie kommen bereits seit vielen Jahren nach Deutschland und in andere Länder Europas und geben Konzerte. Wie ist das Echo auf Ihre Musik?
Die Leute mögen die indische Musik sehr. Wir geben Konzerte mit heilender, meditativer Musik in vielen Städten Deutschlands, wie Stuttgart, Hamburg, München und Frankfurt und auch in Österreich und der Schweiz. Ich habe festgestellt, dass die Gefühle, die diese Musik hervorruft, immer die gleichen sind, auch wenn die Menschen keine Ahnung von indischer Musik haben und zum ersten Mal in ein Konzert kommen. In unseren Konzerten legen wir den Schwerpunkt auf Musik, die Energie und Lebensfreude vermittelt, Musik, die die Integrität der Menschen stärkt und sie ihre Verantwortung für Natur und Gesellschaft spüren lässt. Wir spielen auch Entspannungsmusik, die den täglichen Stress reduziert.



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