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Ausgabe Dezember 2007
Humor und Lachen in den Religionen

Harald-Alexander Korp ist Philosoph und Religionswissenschaftler. Ihn interessiert das Verhältnis der Religionen zu Witz und Humor. Haidrun Schäfer sprach mit ihm über Gottes Lachen und die Welt.

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Harald-Alexander Korp ist Philosoph und Religionswissenschaftler. Ihn interessiert das Verhältnis der Religionen zu Witz und Humor. Haidrun Schäfer sprach mit ihm über Gottes Lachen und die Welt.

Haidrun Schäfer: Sie halten Vorträge über das Thema "Humor und Lachen in den Religionen". Warum?

Harald-Alexander Korp: Ganz einfach um zu vermitteln, dass Religion auch Spaß machen kann. Glaube und Religion bestehen nicht nur aus Ernsthaftigkeit, sondern können sogar einen ‚Heidenspaß' machen. Mit Witzen, Sarkasmus und Spott kann man sich einen gewissen Glauben ‚erarbeiten'.

Wie sind Sie darauf gekommen, Humor dort zu suchen und nicht z.B. bei Komikern?

Gerade weil es auf den ersten Blick keinen Zusammenhang zu geben scheint. Zumindest für uns hier und heute. Es gibt aber Traditionen, wo Humor und Religion wunderbar zusammenpassen.

Sie möchten also die Religionen aus der ‚Moralapostelecke' befreien?

Befreien ist ein großes Wort. Auf jeden Fall versuche ich, die Religionen von einer anderen Seite anzugehen oder zu beleuchten. Ich gebe halt Anregungen. Es gibt viele Beispiele in der Religionsgeschichte, wo über Gott oder die Propheten gelacht wurde. Durch den Karikaturenstreit ist das Thema sehr brisant geworden. Es ist aber auch nicht mein Anliegen, jetzt nur noch über diese Dinge zu lachen. Es gibt von Eugen Drewermann die schöne Antwort auf die Frage, was für ihn Gott sei: ‚Gott ist die Energie, die mich durchströmt, wenn ich nach ihm suche.' Diese Energie spüre ich sehr stark, wenn ich mit dem Thema Lachen und Humor an den Glauben herangehe. Auch mit dem sarkastisch spottenden Witz. Man sagt ja so schön: ‚Einem Lachenden ist nichts heilig' - da sehe ich für mich ganz persönlich die Basis auf der Glaubenssuche, weil es alles auf den Kopf stellt und das ist für mich ein Zeichen des ‚Anderen' oder des ‚Göttlichen'. Es ist eine andere Welt und Humor ist ein wunderbarer Zugang dazu.

Was meinen Sie mit ‚anderer Welt'?

Die Welt des Göttlichen, der Transzendenz, Nirvana - es gibt ja viele Bezeichnungen - kündet von einer anderen Welt im Gegensatz zu unserer alltäglichen Welt. Durch die Hingabe des Lachens, wo das Denken für einen Moment zur Ruhe kommt, kann man diesen Raum erspüren, indem man mit einer inneren Freude in Kontakt kommt, die man durchaus als göttlich bezeichnen kann. Es gibt natürlich tausend andere Wege. Im Humor oder im Lachen steckt ja oft etwas Paradoxes und da existiert für mich eine Parallele zum Göttlichen. Das Göttliche ist für mich auch paradox: etwas, an das ich mich annähern kann, das ich erfahren kann, aber nicht logisch erfassen kann. Einen guten Witz kann ich logisch auch nicht erfassen und das ist das Spannende: Er hebelt mein Denken aus. Er verblüfft mich. Das Göttliche und das Nirvana lässt mich staunen und verblüfft mich - das sind die Parallelen.

Was ist Ihre Definition von Religion?

Es gibt zwei Herleitungen von dem Begriff Religion: von religere und religare. Religere ist ein Begriff, der im Mittelalter verwendet wurde, im Sinne kirchentreuer Bibelauslegung gegenüber sogenanntem Aberglauben. Religare hingegen heißt Rückbindung an etwas Größeres, Umfassendes. Religionen sind für mich die Regeln, die die Menschen aufstellen, wie man dem Höchsten oder dem Höheren näher kommen kann oder gegenüber verhalten soll: Gebote, Verbote, Rituale, Liturgien.

Wie reagieren die Menschen während der Vorträge, in denen Sie sie mit diesem ungewöhnlichen Blickwinkel konfrontieren?

Manche Menschen sind schon schockiert über die Witze, die es gibt. Das Antasten des Heiligen ist ja ein gewisses Tabu. Sowohl im Islam, aber auch im Christentum darf man das nicht. Jeder hat seinen eigenen Zugang und ich kann verstehen, dass man sich selbst verletzt fühlen kann. Lachen stellt eben Autoritäten infrage, die kirchlichen Autoritäten, aber auch die Autoritäten und Glaubenssätze in mir selbst, an denen ich vielleicht sehr hänge. Auf der anderen Seite: Man kann Gott doch nicht beleidigen!



Hat Gott denn Emotionen? Kann er lachen?

Wenn wir davon ausgehen, dass Gott Emotionen hat und lachen kann, dann kann man alle anderen Gefühlszustände auch auf ihn übertragen und das tut der Mensch ja nicht so gern. Missgunst, Hass und die sieben Todsünden hat er dann auch erschaffen, wenn man von dem analogen Bild ausgeht. Das Spannende ist, dass man das Gottesbild in den verschiedenen Religionen gut verfolgen kann. Angefangen in der griechischen Mythologie mit Zeus und seinem Götterhimmel, bei denen lustvoll gelacht und gespottet wurde, wie z.B. im homerischen Gelächter. Diese Götter waren anthropomorph, also menschenähnlich, und die hatten die ganze Bandbreite der menschlichen Eigenschaften: von Missgunst über Hass und Eifersucht zu riesiger Freude und deshalb konnten die auch lachen.

Und das kann der christliche Gott nicht?

Das Gottesbild hat sich gewandelt. JHWE, der Gott des Alten Testaments, hatte schon noch menschliche Eigenschaften. Er war ein Gott des Zornes, denn er war eifersüchtig. Auch war er ein brutaler Gott, wenn man daran denkt, dass er von Abraham verlangte, seinen eigenen Sohn zu töten. Das ist ein Bild, was mich fasziniert, aber auch grausen lässt. Und dieser Gott lacht auch einmal im Alten Testament in einem Psalm von David. Der Gott des Neuen Testaments, der ‚liebe' Gott, der darf nicht mehr lachen. Wenn man von den Evangelien ausgeht, da steht gar nichts über ein Lachen Gottes. Und auch in den apokryphen, also außerbiblischen Schriften, von denen es Dutzende gibt, lacht Gott nicht. Ich erkläre mir das so, dass Lachen auch etwas mit dem Abbau von Aggressionen zu tun hat: Es ist ein Ventil. Wir sind Menschen, in uns wirken archaische Kräfte und da gehören Aggressionen und Sexualität dazu. Lachen ist ein wunderbarer Ausdruck davon. Lachen ist ein Abbau von Aggression, von Triebspannung, sagte Sigmund Freud. Dadurch, dass wir alles ständig kontrollieren müssen, wird im Lachen für einen Moment diese Kontrolle verloren und man darf es in einer gesellschaftlich akzeptierten Form rauslassen. Das kann dem Gott des Alten Testaments noch ganz gut zugesprochen werden, aber dem Gott des Neuen Testamentes nicht mehr: Der ‚liebe' Gott darf keine Aggressionen haben. Der darf nur positive menschliche Eigenschaften wie Liebe und Barmherzigkeit zeigen. Genauso wie Jesus. Ähnlich ist es mit Allah, dem Gott der Muslime. Obwohl im Koran sogar steht, dass Allah das Lachen und das Weinen erschaffen hat, darf Allah nicht lachen, sonst wäre er zu menschenähnlich. Vom Propheten Mohammed hingegen ist im Gegensatz zu Jesus ausgiebiges Lachen überliefert. Der Prophet Mohammed darf sehr wohl neben Mitgefühl auch Aggressionen und Zorn zeigen und deshalb lachen.

Aber das ist doch ein Unterschied. Gott ist Gott und Jesus hat sich als Mensch inkarniert.

Zum Lachen braucht man ja einen Mund und Zähne und eine Zunge - kleine Anekdote am Rande: Bei einem Vortrag in einem Altenheim habe ich auch gesagt, dass man zum Lachen einen Mund, Zähne und eine Zunge braucht, worauf eine ältere Dame rief: ‚Also Zähne braucht man dafür nicht!' - und das ist mit unserem Gottesbild nicht kompatibel: Kann Gott einen Mund haben?

Was ist mit Jesus?

Bei Jesus stehen wir vor dem Problem: Ist er Gott, ist er Mensch, ist er beides? Wie geht man damit um? Das ist schon immer ein Problem im Christentum gewesen. Wie kann man zugleich das Unendliche sein und der sterbliche Mensch? Das macht auch die Faszination dieser Figur Jesus aus. Er hat immer wieder Menschen berührt - mich auch - es ist ja eine Heldengeschichte und auch der Fall eines Helden mit der Kreuzigung, dann wieder die Auferstehung - eine unglaublich dramatische Geschichte und immer wieder das Problem: Was ist er jetzt? Ist er der König der Juden, ist er ein normaler Mensch, ist er Anarchist, ist er Sohn Gottes? Er ist die Projektsfläche für mich. Es gibt tausend Theorien und Fragen: War er verheiratet, hatte er Kinder? Man kann fast alles über ihn behaupten und auch belegen, wie der da Vinci-Code ja zeigt.

Und hat Jesus gelacht?

Im Neuen Testament steht kein einziges Wort darüber, dass Jesus gelacht hat. Obwohl es im Evangelium ja ‚die frohe Botschaft' heißt, fragt man sich doch, warum da nicht gelacht wird? Was seine Emotionen betrifft, so werden einige erwähnt. Es gibt die Tempelreinigung, wo er wohl explodiert ist. Dann gibt es die Hochzeit zu Kanaa, wo er auch Wein getrunken und gefeiert haben soll. Gewisse menschliche Emotionen sind eindeutig überliefert, also müsste er auch gelacht haben. Aber es gibt keine eindeutigen Überlieferungen. Eine Theorie besagt, dass diejenigen, die die Evangelien geschrieben, überarbeitet und übersetzt haben, Jesus Lachen für nicht wichtig oder sogar kontraproduktiv empfunden haben und zwar weil Jesus auch ein Gott sein sollte und der lacht eben nicht. Inzwischen beginnt man, dieses Thema aufzuarbeiten. Es gibt einige Bücher über das Thema: Hatte Jesus Humor? Es spricht auch einiges dafür, seine Gleichnisse - die ja sehr paradox sind - humoristisch aufzufassen. Z.B. ‚Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht.' Das ist doch ein paradoxes Bild: Wie soll ich einen Balken in meinem Auge haben? Das kann ja auch komisch gemeint sein. Wir stellen uns Jesus immer als ernsten und würdevollen Mann vor, aber warum eigentlich? Wir können uns auch vorstellen, er hätte dabei gegrinst. Natürlich bleibt immer eine gewisse Besserwisserei und auch Moral bei Jesus bestehen - die kann man einfach nicht weginterpretieren. Aber ich finde schon, dass man durchaus Humor bei Jesus finden kann. In einer einzigen der apokryphen Schriften, in der Apokalypse des Petrus, wird von einem Lachen berichtet. 1945 hat man auf einer Müllhalde in Ägypten Schriften aus dem 2. und 3. Jahrhundert gefunden und in einem Text steht, dass Jesus gelacht hat und zwar bei seiner Kreuzigung, bei der sich seine Person aufteilte in einerseits den, der gekreuzigt wird und andererseits in den lebendigen Jesus, der aufersteht und der sich vor Lachen ausschüttet. Da gibt es verschiedenen Interpretationen. Jesus wird sicher zum einen aus Freude darüber, den schmerzenden Körper abzulegen, gelacht haben, aber andererseits wohl auch über die Soldaten, die meinten, nun hätten sie ihn erwischt und die völlig falsch lagen. Die Szene ist provokativ, aber sie bringt auch etwas in den Fluss. Humor kommt von ‚humores', die Körperflüssigkeit, d.h. es geht darum, etwas zum Fließen zu bringen. Die Wahrheit ist für mich immer etwas, was im Fluss ist. Es gibt also keine Wahrheit, wobei dieser Satz auf sich selbst angewandt, schon wieder ein Paradox ist. Aber das ist für mich wiederum auch ein Zeichen der Wahrheit, dass sie sich immer im Fluss befindet und man sich letztendlich immer wieder die Mühe machen muss, sie zu finden. Ich denke, das kann der Humor leisten. Er hat auch Grenzen, man kann mit dem Witz und dem Lachen auch sehr schwer verletzen. Von Nietzsche stammt der Satz: ‚Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man.' Es ist ja bekannt, dass es viel schmerzvoller sein kann, ausgelacht zu werden als einen Fausthieb zu bekommen. Das rührt daher, dass das Auslachen an die Scham des Menschen angreift.

Das sind sehr unterschiedliche Herangehensweisen: das herzliche und das spottende Lachen.

Das stimmt und mich interessiert das spottende Lachen ganz besonders, weil da Grenzen erreicht werden. Dort geht es um Grenzen sprengen und um Metamorphosen. Das freudige Lachen ist schön und gut und führt dazu, dass man sich in seiner Welt ganz wohl einrichtet. Das spottende Lachen stellt einen in Frage. Das kann und sollte Religion auch tun: Eine Frage stellen in Bezug auf die täglichen Pläne. Deshalb lacht Gott im Alten Testament über den Menschen: Er spottet über die Menschen und deren Pläne. Es gibt den schönen Ausspruch: ‚Wie bringt man Gott zum Lachen? Erzähl ihm deine Pläne!" Diese Aussage ist so gar nicht kompatibel mit Bärbel Mohr und ihren Bestellungen beim Universum. Man muss sich nur vorstellen, dass zwei Heere aufeinander losgehen, beide beten zu Gott um Sieg - was soll Gott denn jetzt machen? Die Wünsche und die Begehren der Menschen sind halt oft auch paradox und deshalb interessiert mich das spottende Lachen besonders. Im Buddhismus ist dieses spottenden Lachen sogar eine Methode, dem Nirvana näher zukommen, denn es enthüllt die vielen Illusionen unseres Ich-Bewusstseins. Und in der Therapie mit Antigewalttätern werden Übungen gemacht, bei denen die sich auslachen lassen müssen. In einer Gruppe von 10 Leuten muss einer eine blöde Figur machen, indem er z.B. ein Lied singt und muss es aushalten, sich auslachen zu lassen. Dabei kommt jeder dran. In Interviews sagten sie dann, dass diese Erfahrung ihre Welt verändert hat. Früher hätten sie demjenigen, der über sie gelacht hat, sofort eine reingeschlagen und jetzt beginnen sie zu begreifen, dass nur über einen Teil gelacht wurde und nicht über die gesamte Person. Ich kann sogar auch mitlachen. Das ist für mich die größte Herausforderung: Es zu schaffen mitzulachen, wenn man ausgelacht wird. Das würde die Konflikte auf jeden Fall verändern. Und das ist meiner Meinung nach der Sinn dieses spottenden Lachens: damit umzugehen.

Jetzt kommen wir in die Bereiche der Psychologie. Was hat das noch mit Religion zu tun?

Religion ist auch in gewisser Weise angewandte Psychologie. Religion hat für mich einen Sinn, wenn es im Alltag zur Anwendung kommt. In der Humortherapie - und da ist ein deutlicher Zusammenhang zu den Religionen - gibt es fünf Stufen des Humors. Die erste Stufe ist, dass man gar nicht lachen kann. Die zweite, dass man über andere lachen kann. Die dritte Stufe ist schon, dass man über sich selbst lachen kann. Dann beginnt für mich erst der Humor. Die vierte Stufe ist zuzulassen, dass andere über mich lachen und die fünfte ist, gemeinsam mit anderen über mich zu lachen. Religion heißt durchaus auch Gewalt und Religionskriege und deshalb ist für mich der Zusammenhang zwischen Religion und Antigewalttherapie offensichtlich. Innerhalb einer Religion Witze zu machen, ist schon tabu, aber dann andere Religionen zu thematisieren, birgt Konfliktpotential, wie wir mit dem Karikaturenstreit gesehen haben. Ganz aktuell ist das Verbot von Janoschs Büchern in Bayern in den Schulen nach seiner Karikatur über die Taufe. Oder der Karikaturist Gerhard Haderer, der zu sechs Monaten Gefängnis in Griechenland verurteilt wurde, weil er einen heiteren, surfenden und kiffenden Jesus gezeichnet hat. Die Anklage wurde dann aber nach einem Einspruch wieder fallen gelassen. Da gibt es extreme Befindlichkeiten.




Wo liegt Ihrer Meinung nach die Chance einer humoristischen Sicht?

Humor streift paradoxe, absurde, utopische Welten und kann dadurch klar machen, dass man die gleiche Sache von verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann. Das ist für mich eine Form der Vernunft und Aufklärung: komplexe Zusammenhänge zu betrachten und zu erkennen: Wow, da gibt es ja noch eine ganz andere Sichtweise. Daraus entsteht für mich so etwas wie Demut und eine Achtung gegenüber den Bedürfnissen anderer Menschen. Natürlich leben wir in einer Spaßgesellschaft. Aber auch die hat irgendwo Grenzen, wobei ich gerne auf den Satz von Prediger Salomo zurückkomme: ‚Alles hat seine Zeit: Lachen hat seine Zeit. Weinen hat seine Zeit. Reden hat seine Zeit. Schweigen hat seine Zeit.' Diese Harmonisierung der verschiedenen Gefühle der Menschen, das finde ich wichtig. Ich will auf keinen Fall nur lachen und alles durch den Kakao ziehen - um Gottes Willen.

Es geht nicht darum, dass alles nur witzig ist.

Das Schöne ist, dass alles auch witzig sein kann. Aber es kann auch ernst sein. Gerade beim Thema Liebe und Mitgefühl, ist es die Frage, inwieweit Humor und Witz Liebe unterstützen oder auch in Frage stellen kann. Humor ist auf jeden Fall etwas, das etwas ins Fließen bringt. Lachen kann mich in den Augenblick katapultieren, das Denken für einen Moment zur Ruhe kommen lassen und damit auch die Beurteilungen meiner Mitmenschen. Andererseits hat Humor und Witz etwas damit zu tun, Gefühle nicht zuzulassen: Man macht lieber einen Witz drüber und damit kann ich mich abschotten. Das hat Sigmund Freund treffend untersucht und gesagt, dass Scherz und Humor eine Form sind, um sich von etwas zu distanzieren. Da ist was dran.

Spott ist doch oft auch eine Abwehrreaktion.

Ja, Spott als Waffe oder Schutz. Das ist auch das Faszinierende an dem Thema, das es nicht fassbar ist. Der Philosoph Henri Bergson hat in seinem Buch ‚Le rire - das Lachen' geschrieben, dass das Lachen wie der Schaum auf dem Meer ist: In dem Moment, wo man danach greifen will, ist es verflogen.

Kommen wir zu greifbaren Dingen: Was sind Ihre nächsten Projekte?

Das Ermunternde ist das große Interesse, auf das meine Vorträge stoßen. Sowohl an religiösen Orten wie Kirchen und Akademie, aber auch an ‚neutralen' Orten wie das Café Einstein mit einem geisteswissenschaftlichen Salon, wo das Thema auch von der Seite der Philosophie und Kulturwissenschaft betrachtet wird. Die Aktion Mensch hat eine ganze Vortragsreihe von mir gefördert. Es sind insgesamt sechs Vorträge im nächsten Jahr in einer Moschee, Kirche, Synagoge, einem buddhistischen und hinduistischen Tempel unter dem Thema ‚interreligiöser Dialog' vorgesehen. Im FEZ ist eine Islamwoche geplant. Außerdem bereite ich zu dem Thema "Humor und Lachen in den Religionen" einen Film vor. Mein bereits gedrehter Dokumentarfilm "Fließen lernen" über den buddhistischen Mönch Bikkhu Panyasara, der in einem ausgebauten Bauernhof in Mecklenburg Vorpommern Schweigeseminare anbietet, läuft immer wieder im Kino am Ufer.

Spannendes Thema, viele Ideen und von mir der Wunsch auf Erfolg!

Harald-Alexander Korp: Jahrgang 61, Studium der Religionswissenschaften, Philosophie und Physik. Spirituelle Praxis bei Lehrern verschiedener Religionen. Lebt als Autor und Regisseur in Berlin. www.hakorp.de



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