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Ausgabe Dezember 2007
Esoterikreihe: Kosmische Energie

Lutz Wilde ist Physiker und in der Leitung der Akademie „House of Shaman“ in Berlin. Haidrun Schäfer traf ihn zu einem Gespräch über die Welt der Esoterik.

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Haidrun Schäfer: Exoterik ist das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können und was naturwissenschaftlich erforscht wird. Die esoterische Welt ist da schwieriger zu katalogisieren. Kann man auch sie als ein System begreifen?

Lutz Wilde: Ja. Doch es ist ein anderes System als die Exoterik. Kriterien, die für die exoterische Welt relevant sind, greifen in der Welt der Esoterik nur bedingt. Wollen wir über die Esoterik eine Aussage treffen, müssen wir uns vorher in dieses System hineinbegeben, bzw. das System "Esoterik" überhaupt für möglich halten. Und dann können wir innerhalb dieses Systems eine Logik erkennen. Wir müssten also ein System für möglich halten, in dem Engel, aufgestiegene Meister, Erzengel, Lichtstätten der Heilung, Heilungstempel usw. vorhanden sind.

Wenn ich das jetzt für möglich halte, woher weiß ich, dass das, was der andere erzählt, wahr ist? Muss ich dran glauben, damit es wirkt?

Wenn man genau hinschaut, basiert alles auf Glaubensgrundsätzen - auch die Naturwissenschaft. Sie glaubt daran, dass alles mit Gesetzen und Formeln aus dem Sichtbaren erklärbar und verstehbar ist. Nehmen wir das Gefühl der Liebe. Und nehmen wir an, wir würden genau die beteiligten Hormone, aktiven Hirnareale usw. kennen… Meinen Sie wirklich, dass diese biochemischen und neuronalen Prozesse die Liebe sind? Spüren Sie in sich. Sie lösen vielleicht Liebe aus. Das scheint mir möglich. Doch es ist nicht die Liebe. Oder nehmen wir Kräfte der Physik. Physiker rechnen damit. Wir haben Kräfte gespürt, Maschinen bewegen sich durch Kräfte. Doch was ist "Kraft" wirklich? Wer hat die "Kraft" gesehen? Wir wissen es nicht. Wir wissen nicht, was "Kraft" ist. Wir glauben einfach, dass es die "Kraft" gibt und rechnen - erfolgreich - damit. Und da Berechnung und Realität übereinstimmt, reift in uns das Wissen, dass es die "Kraft" gibt. Auch hier steht am Anfang ein Glaubenssatz. So ist es auch in der Esoterik: Wenn man sich in diesen Bereich hineinbewegt, kann man über den Glauben zu einem Wissen zu kommen.

Wie komme ich zu dem Wissen?

Indem ich prüfe: Hat das, was ich glaube, auf mein eigenes Empfinden, auf mein eigenes Leben Auswirkungen? Sind diese Wirkungen wiederholbar? Dann kann ich diese "Dinge" aus dem Glauben in das Wissen übernehmen. Im House of Shaman gehen wir den Weg des Wissens. Wir wollen, dass jeder über eigene Erfahrungen ein Menschen- und Weltbild entwickelt, aus dem heraus er weiß und versteht. Hilfreich wäre ein Zentrum in sich, dessen Ratschläge und Erklärungen als WAHR erfahren werden - in gewisser Weise ein inneres Beratungs- oder Wissenszentrum. Erfreulicherweise gibt es davon mehrere in uns, wie z.B. das Herz oder den Bauch. Das "Gefühl aus dem Bauch" nutzen viele Frauen und erfahren darüber instinktives, d.h. uraltes Wissen, das über die jetzige Inkarnation hinweg geht. In der Liebe des Herzens finden wir Beratung für das, was gerade JETZT gut ist.

In esoterischen Bereichen ist oft die Rede von kosmischer Energie. Können Sie erklären, was damit gemeint ist?

In der Esoterik unterscheiden wir kosmische Energie und universelle Energie. Wenn man in sich hineinspürt, kann man den Unterschied spüren: Kosmische Energie und universelle Energie. Spüren Sie den Unterschied in den Worten?

Ja.

Da sind Sie in dem Bereich des Wissens. Um es verständlicher zu machen: Wir leben auf der Erde als Teil des Sonnensystems, Teil der Galaxie (Milchstraße) und Teil des Universums. Und nach dem Universum? Für Esoteriker beginnt dort der Kosmos. Es gibt einen Qualitätsunterschied zwischen Universum und Kosmos. Und dieses Wissen ist im Unterbewusstsein eines jeden Menschen. Das haben Sie gespürt. In der Esoterik, mit kosmischen Energien will ich erfahren, wer ich wirklich bin. Wir können das "Ich" in einem größeren Ich-Zusammenhang erfahren: Von dem Ego oder der Identifikation mit dem Körper hin zu unserer göttlichen Natur. Und wenn wir uns als göttlich erfahren, stehen wir in einer natürlichen Verbindung zu allem Anderen, was existiert.

Wer ist sich dessen bewusst? Und wer lebt es?

Auf der ganzen Welt gibt es diese Menschen. Wir nennen sie Meister, denn sie haben diese Welt gemeistert, haben ihre wahre Natur gefunden und leben diese jetzt. Und es gibt viele Menschen, die sich auf dem Weg dort hin befinden. Der Weg in das göttliche Bewusstsein geht über viele Etappen. Und dann kommt das erste Erleben der Allverbundenheit. Häufig kann dieser Zustand nicht gehalten werden. Das Erlebnis ist jedoch so wunderschön, dass sie viel innere Entwicklung betreiben, um diesen Zustand wieder zu erlangen. Und dann kommt die Zeit, wo sie diesen Zustand länger und länger halten können. Sie fangen an, sowohl in einer höheren Bewusstseinsdimension und hier auf der Erde zu sein und zu wirken. Man könnte es als Geburt des multidimensionalen Selbst bezeichnen. Doch zurück zum Weg dort hin. Um mich in den Bereich des Göttlichen zu entwickeln, darf ich mehrere, mir erst einmal unbewusste Aspekte von mir selbst entdecken und in mein Selbstbild integrieren. Und erst nach der Bewusstwerdung erfolgt das Leben dieser neubestimmten Identität. Es gibt den schönen Spruch: ‚Du stehst am Morgen auf und hast die Möglichkeit, dich völlig neu zu definieren und ein völlig neues Leben zu führen.' Das betrachte ich als eine Illusion - auf jeden Fall habe ich diesen Menschen noch nicht getroffen. Wir Menschen brauchen für unsere Entwicklung Zeit und Hilfsmittel. Ein Hilfsmittel, um in den Bereich der Göttlichkeit zu kommen, sind kosmische Energien.

Wie kann kosmische Energie hier wahrgenommen werden?

Wollen wir kosmische Energien wahrnehmen, muss es bei uns Menschen ein Wahrnehmungsorgan dafür geben. In unserer göttlichen Natur und der Allverbundenheit ist das selbstverständlich. Doch im Alltag haben viele Menschen ein anderes Bewusstsein. Sie hören nicht auf dieses feine innere Wissenszentrum. Wichtig ist also, zur Ruhe zu kommen, in die Stille zu gehen, zu meditieren. So tritt in unserem Körper, in unserem Fühlen und dann im Denken Ruhe ein. Und aus dieser Ruhe heraus, kann die innere Stimme aus dem Wissenszentrum wahrgenommen werden. Und jetzt möchte ich einen weiteren Aspekt nennen und würdigen. Es wäre für uns sicher einfacher, wenn es eine Brücke zwischen dem Alltagsbewusstsein und den kosmischen Energien geben würde, nicht wahr? Und genau diese Brücke wird von vielen Naturvölker oder auch Völkern im tibetischen und indischen Bereich für die gesamte Menschheit gebaut, erweitert, begehbar gehalten. Sie halten über ihre Tradition und ihr spirituelles Leben das Wissen um unsere wahre Natur und den Weg dort hin lebendig. Sie sind Bewahrer von Wissen im Bewusstseinsfeld der Menschheit. Wenn wir jetzt kosmische Energien wahrnehmen wollen, so profitieren wir von dem, was andere Menschen in ganz anderen Regionen für die gesamte Menschheit bewirken. Und für uns wird es einfacher, aus dem Alltagsbewusstsein heraus kosmische Energien wahrzunehmen. Erinnern Sie sich: Sie haben den Unterschied zwischen universeller und kosmischer Energie gespürt. Ihre Wahrnehmung erschließt sich diesen Bereich bereits.

Wie kann ich mir diese kosmischen Energien vorstellen?

Sie können sich kosmische Energien wie Licht vorstellen. Es ist da, ob sie hinschauen wollen oder nicht. Doch anders als Licht durchdringt uns die kosmische Energie beständig. Wir Menschen nehmen davon nur einen winzigen Bruchteil davon auf. Und dieser winzige Bruchteil - den können wir vergrößern. Kommen wir zum Licht zurück. Im Regenbogen sind verschiedene Farben enthalten. Alles ist Licht, aber rotes Licht ist anders als blaues Licht. Wenn man rote und blaue Scheinwerfer in einen Raum strahlt, ist alles von diesen beiden Farben erhellt, aber trotzdem "weiß" das rote Licht, dass es rot ist und das blaue um seine blaue Farbe. Und so ist es auch mit den kosmischen Energien. Es gibt einen Ursprung kosmischer Energie (in unserem Beispiel: Licht), die verschieden geprägt wurde und als unterschiedliche Qualitäten auf der Erde wahrgenommen werden können (im Beispiel: als Farben rot und blau). Reiki ist heute recht bekannt. Reiki ist ein Teil kosmischer Energie. Doch es gibt noch mehr, wie es ja auch neben rot und blau noch weitere Farben gibt.

Wozu brauchen wir das und wozu sollten wir uns damit beschäftigen?

Dazu wähle ich einen anderen Vergleich: Einen Radioempfänger. Ein Mensch (im Alltagsbewusstsein) empfängt einige wenige Radiosender, sagen wir im Langwellenbereich. Er weiß nicht um andere Sender und Sendebereiche und ist damit zufrieden. Wenn er jetzt feststellt, dass es noch andere Wellenbereiche UKW gibt, könnte in ihm die Neugier wachsen, auch diese Bereiche zu empfangen. Das entspricht einer Bewusstseinserweiterung. In dem Vergleich ist es ja so, dass der UKW-Empfang qualitativ besser ist als im Langwellenbereich. So ist es in der Esoterik. Ein Radioprogramm (z.B. kosmische Meister wie Jesus Christus) im Langwellenbereich kommt gestört und verzerrt an. Wir hören und verstehen nicht alles. Können wir in einer anderen Bewusstseinsebene wahrnehmen (z.B. UKW), so erreichen uns die Nachrichten, Informationen und Hinweise der Radiosender viel besser. Und solch eine Bewusstseinserweiterung bietet mir das Einstimmen auf kosmische Energien. Wir können viel mehr Hinweise zum Leben empfangen, wie z.B. über die Veränderungen, die gerade auf der Welt stattfinden und den Möglichkeiten, die diese Zeiten für jeden Einzelnen bieten, aber auch Verständnis, Trost und Heilung. Diese erweiterte und verbesserte Möglichkeit der Wahrnehmung und in der Folge eine Identitätserweiterung - das ist Freiheit. Ich bin nicht mehr eingeschränkt, ich habe die Wahl. Es geht nicht darum, alle Kanäle völlig unselektiv in sich aufzunehmen. Uns geht es um die Freiheit der Wahl.

Wie gehe ich mit der Freiheit um?

Hier ist das Herz eine gute Entscheidungshilfe. Das Herz weiß, was gerade gut für mich ist, was ich brauche, was mich gerade unterstützt oder was mir hilft, einen Standpunkt zu wählen, in dem ich in Freude und Liebe sein kann. Auch wenn in meinem Alltag Dinge stattfinden, die ich als unschön empfinde. Da hilft das Herz und könnte sagen: Schau es dir mal so an… Oder: Erinnere dich, was Jesus dazu gesagt hat … Das hilft zu einer Änderung des Betrachtungsstandpunktes, zu einer fried- und freudvolleren Sicht auf das Leben. Wir beginnen zu verstehen. Und wenn ich mein Bewusstsein, meine Selbstbild erweitert habe, dann möchte ich es leben. Dazu brauchen wir Kraft, denn wir wollen Angewohnheiten ändern, unsere Wünsche und Visionen umsetzen. Zwei besondere Kraftzentren sind der Solarplexus und das Hara. Über diese Zentren wird kosmische Energie als Lebensenergie im Körper und den uns umgebenden Energiefeldern verteilt. Fließt die Energie leicht und kraftvoll, drückt sich das nicht nur in physischem Wohlbefinden und Leistungskraft aus. Auch unser emotionales und mentales Empfinden wird ruhiger, liebevoller.

Wir leben in einer Zeit, in der manche Menschen fast depressiv werden, wenn sie die Umweltentwicklung beobachten. Was kann man tun, um dort etwas zu verändern?

Unsere Antwort ist: Es reicht, sich selbst seiner wahren Natur bewusst zu werden und diese zu leben. Wenn ich mich lebe, verändere ich mein Umfeld mit. Wir Menschen leben in einem Beziehungsgeflecht mit anderen Menschen. Stellen Sie sich diese Gummi-Spinnennetze auf den Spielplätzen vor. Wirke ich auf einen Knotenpunkt (uns selbst) ein, verändert sich das gesamte Netz mit seinen Knotenpunkten - also den anderen Menschen, mit denen wir über Beziehungen (Gummibänder) verbunden sind. Man muss nicht als Weltverbesserer durch die Welt rennen. Bleiben wir bei uns selber und verändern uns selbst.

Wenn man sich nun auf den Weg machen möchte, was bieten Sie für Hilfestellungen an?

All unsere Angebote von Beratungen über Meditationen, Rituale, Einweihungen bis zu den Ausbildungen führen genau zu diesen Zielen. Die Ausbildungen möchte ich besonders herausheben, weil wir neben der Methodenvermittlung unsere Teilnehmer durch ihre Wachstums- und Entwicklungsprozesse begleiten. Und diese Begleitung liegt mir am Herzen. Mit kosmischen Energien arbeiten wir in den Geistheilungsritualen und den Einweihungen in die neuen Energien des Einheitsbewusstseins. Und auch da gilt es zu erkennen: Wer bin ich wirklich? Denn je sensitiver ich in meiner Wahrnehmung z.B. der kosmischen Energien werde, umso mehr spüre ich. Je mehr ich spüre, desto mehr kann ich von diesen Energien aufnehmen und in meinem Körper fließen lassen. Je mehr Energie und Kraft meinem Körper zur Verfügung steht, desto besser und schneller kann ich meine Wahrnehmungszentren reinigen und klären, was meine Sensitivität erhöht. Das ist die Positivspirale, auf die wir gerne hinauswollen. Und es ist aus meiner Sicht illusorisch anzunehmen: Jetzt habe ich es. Es ist ein nie endender Prozess der Entwicklung und Entfaltung. Wir leben in einer segensreichen Zeit. Wann hat es eine Zeit gegeben, in der sich Menschen in einem normalen Berufsalltag mit Esoterik beschäftigen können? Das ist eine große Chance. Und wir möchten durch unser Tun aktiv beitragen, dass die spirituelle Entwicklung und das alltägliche Leben wieder eins werden.

Ich danke Ihnen für das interessante Gespräch!

Lutz Wilde ist promovierter Physiker, Priester der ARDET, Dozent und Leitungsmitglied der Akademie House of Shaman. Er ist Familienvater von zwei Kindern und als Berater und Geistheiler tätig.

"Wollte der Kaiser sein Reich in Ordnung bringen,
schaffte er erst Ordnung an seinem Hofe,
zuvor jedoch in seiner Familie
und davor bei sich selbst."
Laotse



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