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Ausgabe Oktober 2007
Happy anyway - was auch immer geschieht


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Das Leben ist ein Geschenk. Nach Auffassung des spirituellen Lehrers Alan Lowen können wir es nur dann wirklich auskosten, wenn wir uns in Hingabe üben.

Eine Menge Leute sind derart mit Erfolg und Gewinnen beschäftigt, dass sie nicht einmal mitbekommen, dass sie nicht glücklich sind. Genau wie Menschen, die den Tod fürchten, wissen sie nicht, wie sie loslassen und verlieren können. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die kaum mehr als das Allernötigste besitzen und auf eine Weise glücklich sind, von der die anderen nur träumen können. Worin besteht der Unterschied?

Hingabe lernen
Doch, es ist durchaus möglich, reich und glücklich zu sein, ebenso wie erfolgreich und glücklich oder berühmt und glücklich oder alles zusammen und glücklich: Wenn wir wissen, wie Verlieren geht! Das ist es, worin weniger wohlhabende Leute oft viel besser sind: Sie hatten ein lebenslanges Training im Verlieren, und sie haben keine Angst davor. Als ich einem Freund erzählte, mein nächster Workshop hieße „Happy Anyway: Die verlorene Kunst der Hingabe lernen“, meinte er: „Schreib nicht ,Hingabe’ im Titel! Das wird jeden abschrecken, der mit Erfolg zu tun hat.“ Er ist Amerikaner. Als ein Engländer, der auf beiden Seiten des Atlantiks lebt, kann ich verstehen, was er meint - und auch, dass Europäer vielleicht etwas offener dafür sind, ihren Dämonen zu begegnen. So oder so: Wenn Hingabe für uns ein Tabuthema ist, werden wir niemals glücklich sein können.
Lernen zu verlieren
Das Leben ist ein erstaunliches Geschenk. Das Leben ist schön! Und es enthält seine eigene Aufhebung: Wir werden alle eines Tages sterben. Deutlicher könnte uns das Leben nicht sagen, dass wir lernen müssen zu verlieren. Stattdessen steckt unsere Gesellschaft den Kopf in den Sand und sucht nach den süßen Dingen des Lebens. Die Botschaft lautet: Sei erfolgreich, gewinne und mach immer mehr daraus! Schon in jungen Jahren wird uns vorgegaukelt, dass Besitz und Erfolg uns glücklich machen. Wir lernen, Belohnungen mit Glück zu verwechseln. Es ist nichts Verkehrtes daran, auch die Belohnungen zu genießen - nur wenn wir glauben, dass sie uns glücklich machen, sind wir auf dem Holzweg - auf dem viele Menschen ihr gesamtes Leben verbringen. Wenn sie verlieren, strengen sie sich noch mehr an, kaufen noch mehr oder versinken in Depressionen.

Angst vor Verlust
Das Streben nach Erfolg, der Wunsch zu gewinnen, das “Muss-ich-haben”-Syndrom - sie alle wurzeln in unserer Angst. Wir wollen immer mehr, um nicht unserer Urangst vor Verlust, Einsamkeit, Verlassenheit und Tod begegnen zu müssen. Glück bedeutet nicht, dieser Angst zu entrinnen. Glückliche Menschen haben Freundschaft mit ihrer Grundangst geschlossen. Sie können die Annehmlichkeiten des Lebens genießen - einschließlich Erfolg. Sie können Niederlagen und Verluste mit Anmut akzeptieren. Sie sind in jedem Fall glücklich.

Akzeptanz
Um das zu lernen, müssen wir uns mit all unseren inneren Verfassungen anfreunden. Die Herausforderung besteht darin, uns auch jenen hinzugeben, mit denen wir hadern, die wir verurteilen oder ablehnen. Das mag sich wie eines der vielen Workshop-Klischees anhören, aber Tatsache ist: Wenn wir lernen, was uns nicht in der Schule beigebracht wurde, nämlich wirklich mit all dem zu SEIN, was hier und jetzt in uns vorgeht, verwandelt sich unsere Beziehung zu allem. Selbst wenn wir uns dann dafür entscheiden, den Erfolg zu suchen, tun wir es aus Freude daran. Wir werden nicht von Verlustängsten angetrieben. Wir sind glücklich und dankbar, mit dem zu sein, was ist. Wenn ich gewinne: schön! Wenn ich verliere: auch schön. Freundlich mit allem umzugehen, was ich erlebe, lässt mich glücklich sein, denn so kann ich einfach weiter da sein. Präsent zu sein ist der Schlüssel zum Glück. Völlig präsent können wir nur dann sein, wenn wir uns ganz uns selbst hingegeben haben.
Verlust als Teil des Lebens
Wir lernen es nicht, indem wir in der Schule darauf gedrillt werden, ein guter Verlierer zu sein. Wir müssen dorthin gehen, wo wir den Verlust fürchten, ob es nun der Verlust des Lebens oder der Verlust von Gesicht oder Stellung ist. Wir müssen Hingabe als etwas entdecken, das es zu erleben gilt - und nicht als Idee oder Theorie. Wir müssen bereit sein zu fühlen. Sich Dingen zu stellen, mit denen wir nichts zu tun haben wollen, ist an sich schon eine Form von Hingabe. Das haben wir nicht in der Schule gelernt. Die Tragikkomödie unserer Zivilisation ist, dass dies das einzige Element ist, das für jede persönliche Ausbildung erforderlich ist. Ich nenne es „The Art of Being“ - die Kunst des Seins.



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