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Ausgabe Juli 2007
Simply Being - Einfach Sein

Gespräche aus der Stille des Herzens

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Interview mit der brasilianischen Satsanglehrerin Avinash, übersetzt von Anadi J. Weiss.

Avinash, was ist die Essenz deiner Lehre im Satsang?

Ich lehre Einfach Sein und die Liebe zum Selbst . Nicht die Liebe, die man gewöhnlich im Zusammenhang mit den Vorstellungen von Beziehungen kennt.
Wenn du dich selbst bedingungslos liebst und bereit bist, das arrogante Abgetrenntsein hinter dir zu lassen, das in der Vorstellung „ Ich bin so und so“ liegt, dann verlieren deine so genannten Probleme die Macht über dich und lösen sich einfach in Klarheit und Stille auf. Diese Stille geht über die Zeit hinaus und führt zu einem Verstehen von dir selbst als der, der du wirklich bist - über die äußeren Erscheinungen, den Verstand, den Körper und die Gefühle hinaus. Hier – in diesem Augenblick - findest du Frieden.
Wenn du das einmal erlebt hast, kannst du es nie wieder vergessen. Du wirst diesen Frieden gerne wieder und wieder erfahren, weil das deine wahre Natur ist – einfach im Augenblick zu sein – wo es nichts zu tun, nichts zu verbessern gibt, einfach nur zu sein.

Was erwartet mich in einem Treffen mit dir?

Ein Satsang mit mir ist eine aufrichtige Begegnung mit sich selbst.
Es geschieht die Erfahrung von innerer Stille, Liebe und Frieden: einfach, ohne Anstrengung. Ich lade die Teilnehmer ein, Fragen über ihr Leben und ihre Schwierigkeiten zu stellen, über alles, was sie daran hindert, Glück und Verstehen zu finden.
Hier gibt es keine guten oder schlechten Fragen. Jede Frage ist ein Versuch, in den Augenblick zu gelangen, in Klarheit und Frieden. Also: willkommen. Wenn du diesem Mysterium dein Herz öffnest, wirst du überrascht sein. Plötzlich wird das, was als dein Problem erschien, zum Problem der Existenz selbst. Auf diese Weise hört es auf zu existieren. Lerne, dich nicht mit dem zu identifizieren, was vergänglich ist und was eines Tages vorüber sein wird, sondern bleibe bei dem, was sich nie verändert – dein wahres Sein – einfach hier und jetzt zu sein.
Auf diese Weise wird es einfach, mit den Situationen des täglichen Lebens in einem neuen Licht umzugehen, indem man wahrnimmt, dass alles in der Dualität geschieht: Mann und Frau, Tag und Nacht, gut und schlecht, Glück und Enttäuschung, Armut und Reichtum und so weiter.
Und wie kann man das, was im Satsang geschieht, ins tägliche Leben übertragen?
Wenn du lernst, das Wesen der Dualität zu erkennen und sie als das zu verstehen, was sie wirklich ist, dann handelst du im Einklang mit dem Augenblick. Wenn du eine Handlung ausführen musst, handelst du frisch aus dem Augenblick heraus und reagierst nicht einfach aus Gewohnheit oder aus einem Ego-Trip. Wenn du nichts zu tun hast, tue nichts, bleibe einfach still. Beobachte die Gedanken in deinem Verstand und bleibe in Frieden.

Warum braucht man einen Meister, um die Wahrheit zu finden, die doch unser eigenes Selbst und unsere eigene Natur ist, und die bereits in uns liegt?

Der Meister ist dein eigenes Selbst und befindet sich bereits in dir. Wie mein Meister Papaji sagen würde: „Hinter der Netzhaut deiner Augen...“, also sehr nah. Öffne deine Augen und erkenne mit Vertrauen und Demut deine wahre Natur.
Dennoch ist es nach meiner eigenen Erfahrung hilfreich jemandem nahe zu sein, der sein Selbst verwirklicht hat – dieser Jemand sollte dein Herz berühren und dir Frieden bringen. Vergiss nicht: Mit „jemandem nahe sein“ meine ich nicht notwendigerweise physisch nahe. Wenn es keine Möglichkeit dazu gibt, bleibe im Herzen verbunden, dann besteht keine Distanz.

Wie bist du in Kontakt gekommen mit dem, was du lehrst?

Was ich lehre ist die Liebe zur Wahrheit, und die kennt keine Zeit, sondern besteht seit meiner Kindheit. Die Begegnung mit Osho hat eine ernsthafte Suche nach der tatsächlichen Realität verstärkt - mit dieser Aufrichtigkeit arbeitete ich in Kommunen in der ganzen Welt und als Therapeutin mit Menschen und reiste überall hin. Immer mit einer Priorität: mein wahres Selbst zu finden.
Erst als ich Sri Poonjaji (Papaji) 1991 traf, verwirklichte ich mein Selbst. Ich blieb noch sechs Jahre in seiner physischen Präsenz und besuchte seine Satsangs.

In einem privaten Beisammensein trug er mir auf, von der Stille, die ich gefunden hatte, zu sprechen – er erwähnte das Beispiel von Buddha, der mit 29 Jahren erleuchtet wurde und den Rest seines Lebens sprach. „Du musst sprechen“, sagte er, indem er mit dem Finger auf mein Gesicht zeigte. Bei dieser Gelegenheit sagte er auch, dass Avinash und Gyandeva, mein Partner, viele Menschen ins „Jetzt“ bringen werden. Genau das tun wir: Wir reisen herum und überall bringen wir die Menschen ins „Jetzt“, in diesen Augenblick, in dem die vollkommene Annahme dessen liegt, was existiert.

Was genau ist deine Lehre?

Die Stille in Worte zu fassen ... das Herz zu berühren ... Die Präsenz dieses Augenblicks zu zeigen- wo Frieden, Liebe und Glück darin bestehen, einfach zu sein.

Kann mir der Satsang mit dir helfen, mein Leben zu verbessern?

Ja. Lege die Verwirrung des denkenden Verstandes beiseite und genieße dein Leben.

Verwendest du bei deiner Arbeit irgendeine Technik?

Was ich tue, hat nicht mit Techniken zu tun, die ich in der Vergangenheit lernte. Es ist ein Ausdruck meiner eigenen Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks. Ein Sehen der Person und der Situation, so wie sie ist, und DARAUF eine Antwort zu geben.
In dieser Freiheit wähle ich vielleicht einige Tarotkarten aus, oder rede von Energie und Chakras. Das geschieht meist in den Einzelsitzungen, wenn die Situation eine Klärung der Alltagsthemen erfordert. Was auch immer ich tue, der Punkt, der erreicht werden soll, ist immer derselbe: herauszufinden, wer du wirklich bist, jenseits deiner Gedanken, Vorstellungen, vorgefasster Meinungen, Konditionierungen und Neigungen.
Erfahre DAS, was HIER ist – in diesem Wissen und Verstehen liegt dein wahres und dauerhaftes Glück.

Deine Lehrer sind Osho und Papji – Was hast du von ihnen gelernt?

Dass es keine Abspaltung gibt. Ich bin DAS.

Was heißt: 'Das Selbst verwirklichen'? Etwas ist dir geschehen – eine Erfahrung?

Das Selbst verwirklichen heißt zu wissen, wer du wirklich bist - über den Körper, den Verstand, die Gefühle hinaus. Es kann nicht nur ein intellektuelles Verstehen sein. Es ist eine direkte Erfahrung von etwas, das nicht erklärt werden kann. - jenseits von Worten ... ein Sprung ins Unbekannte, wo alles verschwindet, ein Nichts, raumlos - nichts bleibt übrig. Davon kann niemand sprechen! Dennoch versucht man, dieses Mysterium, diese Stille auszudrücken.
Die Wahrheit übersteigt alle Worte. Sie gründet sich auf eine tiefe Anerkennung dessen, was ist. Diejenigen, die bereit sind, dieses Mysterium anzunehmen und in das Vertrauen selbst zu vertrauen, werden in der Lage sein, den Schleier von Illusion und Unkenntnis zu lüften und den Glanz des inneren Lichtes zu sehen.



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