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Ausgabe Juni 2007
Sobonfu Somé - Die Hüterin der Rituale

Anlässlich ihres Besuches in Berlin: einige Passagen aus ihrem Buch “Die Gabe des Glücks” mit freundlicher Genehmigung des Orlanda Verlages.

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Sobonfu Somé wuchs im westafrikanischen Burkina Faso in der Tradition des Dagara-Volkes auf und wurde von den Ältesten ihres Dorfes auserwählt, dem Westen eine spirituelle Botschaft zu überbringen.



Rituale

Was ist ein Ritual? Ein Ritual ist eine Zeremonie, bei der wir die spirituellen Kräfte anrufen, uns in unserem Tun zu lenken und zu überwachen. Die Elemente eines Rituals lassen uns mit uns selbst, der Gemeinschaft und den natürlichen Kräften um uns herum in Verbindung treten. Im Ritual bitten wir den “Geist”, uns Hindernisse zu zeigen, die wir nicht sehen können, weil wir als Menschen in unseren Fähigkeiten beschränkt sind. Rituale helfen uns dabei, Blockierungen wegzuräumen, die zwischen uns und unserem spirituellen Wesen und anderen spirituellen Energien stehen.

Die spirituellen Kräfte mischen sich liebend gerne in unsere Angelegenheiten ein. Aber sie tun es nicht gegen unseren Willen. Sie warten da drüben darauf, dass wir ihnen etwas zu tun geben. Wir sprechen in dieser Welt immer von der hohen Arbeitslosigkeit – denkt aber mal an die andere Welt! Es gibt immer die eine oder andere kleine Aufgabe, die wir den wartenden spirituellen Wesenheiten zuwerfen können, Dinge, die sie für uns tun können. Wenn wir diese einfachen Dinge tun, kommen wir vielleicht blindlings zurück zu der Art Gemeinschaft, die uns auf natürliche Weise zusammenhalten wird.



Die Ehe

Die Ehe bedeutet, dass zwei Seelen zu einer werden – noch immer voneinander zu unterscheiden, aber eine Einheit bildend. Sie ist ein Weg, die Gaben zweier Menschen zusammenzubringen, um sie zu stärken und auszubauen.

Die Leute glauben, dass wenn sie einmal “Ja” gesagt haben, dies ein “Ja” für immer bedeutet. In unseren traditionellen Zusammenhängen ist das nicht so. Deswegen müssen ständig die Gelöbnisse erneuert werden; entweder einmal im Jahr oder immer, wenn jemand anderes heiratet.

Wenn Leute sagen, dass sie heiraten, um Kinder zu bekommen, ist das meines Erachtens zu eingeschränkt. Es wird dabei nicht bedacht, dass die beiden spirituellen Wesen, die zusammengekommen sind, ihre eigenen höheren Lebensziele haben. Wenn ein Paar nur heiratet, um Kinder zu bekommen, besteht die Gefahr, dass beide ihre Lebensziele nicht erfüllen und sich dieses Versagen auf das Kind überträgt.

Die Dagara haben kein eigenes Wort für Sex. Wir drücken die Vorstellung von Sex aus, indem wir davon sprechen, mit jemandem zu reisen oder zu wandern. Du willst mit jemandem irgendwohin gehen. Du willst nicht mit dieser Person Sex haben; du willst an einen Ort gehen. ... Also rufst du diese spirituellen Kräfte; sie sind das Pferd, auf dessen Rücken diese Reise stattfinden kann. Und dieses Pferd wird euch hintragen, wo immer es vorhat, euch hinzutragen, damit ihr die Erkenntnis oder die Vision bekommt, die immer mit einer intimen Situation einhergeht.

In meinem Verständnis ist die romantische Liebe eine Form der Anziehung, die das Spirituelle und die Gemeinschaft ausschließt, so dass es den beiden beteiligten Menschen überlassen ist, ihre Beziehung selbst zu erfinden. Sie ist das Gegenteil einer Beziehung, die vom Spirituellen geleitet wird.
Die romantische Liebe hat im Dorf eigentlich keinen Platz. Sie funktioniert einfach nicht. Die Art von Leidenschaft, Emotionalität, Gefühl und Verbundenheit, die die Menschen im Westen in einer romantischen Beziehung suchen, suchen die Dorfbewohner im Spirituellen. Die Macht der romantischen Liebe in der westlichen Welt ist tatsächlich ein Symptom für die Trennung vom Spirituellen.



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