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Ausgabe Juni 2007
Geheimnis Sterben - Was wir heute über den Sterbeprozess wissen

Der Sterbeforscher Bernard Jakoby über Merkmale von Nahtoderfahrungen und wie der innere Sterbeprozess des Menschen nach dem heutigen Wissensstand verläuft.

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Die gegenwärtige politische Diskussion um die juristische Anerkennung des Eigenwillens in den Patientenverfügungen hat unmittelbar damit zu tun, dass künstlich in die Sterbeprozesse eingegriffen wird. Auf diesem Hintergrund ist das heutige Wissen von den inneren Vorgängen im Sterben des Menschen außerordentlich wichtig. Den Nahtoderfahrungen kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie die Elemente des Übergangs in die andere Welt enthalten. Die Sterbeforschung zeigte durch zahlreiche wissenschaftliche Studien in den letzten Jahren auf, dass Bewusstsein unabhängig vom Körper existiert.



Merkmale einer Nahtoderfahrung

- Das Gefühl, tot zu sein: Viele Menschen nehmen sich als körperlos oder extrem leicht wahr. Es ist ihnen absolut klar, dass sie gestorben sind.

- Frieden und Schmerzfreiheit: Die meisten Betroffenen erleben Gefühle von Leichtigkeit, Wohlbefinden und Frieden. Zahlreiche Untersuchungen mit Krebspatienten oder Unfallverletzten zeigten auf, dass jeder Schmerz endet, sobald der Körper verlassen wird.

- Das Erlebnis der Außerkörperlichkeit: Der Betroffene erlebt alles Geschehen gleichzeitig. Er schwebt über der Unfallstelle oder im Operationssaal, kann sich aber in Gedankenschnelle überall dort aufhalten, an wen oder was er gerade denkt. Jegliche Trennung ist aufgehoben, und der Erlebende ist nicht länger an Raum und Zeit gebunden. Er erlebt eine immense Bewusstseinserweiterung, die es ihm sogar ermöglicht, sich an mehreren Orten gleichzeitig aufzuhalten.

- Das Tunnelerlebnis: Der Tunnel ist ein Symbol für den Übergang in die jenseitige Welt. Manchmal sprechen die Betroffenen auch von einer Dunkelheit oder Leere, die sie durchqueren müssen. Entscheidend dabei ist, dass sich das Bewusstsein nun dergestalt erweitert, dass Dinge der geistigen Welt übersinnlich wahrgenommen werden können. So kommt es zu einer Begegnung mit verstorbenen Verwandten oder paradiesische Landschaften, Lichtstädte oder Lichtwesen werden beschrieben.

- Die Lichterfahrung: Das Licht wird als die reinste, menschlich kaum vorstellbare, bedingungslose Liebe dargestellt. Es ist die Begegnung mit dieser Liebe, die Gefühle des Friedens, der Harmonie, der Geborgenheit oder des Heimatgefühls auslöst. Die Menschen spüren dabei ihr volles Ich-Bewusstsein.

- Die Lebensrückschau: In der Anwesenheit des Lichts entfaltet sich nun die Lebensrückschau. Sie weist uns auf die Eigenverantwortlichkeit hin, da wir dabei nicht nur aus der Perspektive, wie wir selbst bestimmte Dinge in unserem Leben mit uns erlebt haben, konfrontiert werden, sondern auch mit den Auswirkungen unserer Gedanken, Taten und Worte auf andere. Wir haben Zugang zum Bewusstsein lebender und verstorbener Menschen, da anders die ganzheitliche Perspektive nicht möglich wäre. Das zeigt, dass all unsere Gedanken, Taten und Worte in Energiefeldern in der geistigen Welt gespeichert sind.

- Die widerwillige Rückkehr: Die meisten Betroffenen kehren nur widerwillig in ihren Körper zurück.



Der innere Sterbeprozess des Menschen

Am Ende des Lebens löst sich die Seele als Träger des Bewusstseins langsam vom Körper und ist dadurch imstande, die feinstoffliche Welt wahrzunehmen. Durch diese Lockerung des Bewusstseins sind alle auftretenden Phänomene im Sterben erklärbar. Die Elemente der Nahtoderfahrungen zeigen sich ebenfalls in den fünf inneren Sterbephasen des Menschen:

In der ersten Phase des einsetzenden Sterbeprozesses kann der Betroffene sein Bett nicht mehr eigenständig verlassen. Die Erdung lässt nach, und die Waage zwischen Leben und Tod beginnt zu schwingen. Dadurch kommt es zu einer ersten sanften Lockerung zwischen Körper und Seele. Wir fühlen uns leichter als sonst und erleben Schwebezustände zwischen Traum, Schlaf und Wachbewusstsein.

In der zweiten Phase treten die Bilder des Lebens an die Oberfläche des Bewusstseins. Der Patient möchte mit sich ins Reine kommen und versucht, Unerledigtes zu klären. In seinem Inneren nimmt der Sterbende bereits den ersten Kontakt mit der anderen Welt auf. Durch die erlebte Bewusstseinserweiterung bekommt der Sterbende alle Gefühle und den Kummer der anwesenden Angehörigen mit. Die Wahrnehmung des Patienten verändert sich: Er erlebt nun Dinge gleichzeitig. Er spricht mit real anwesenden Personen und bezieht sich andererseits auf nur für ihn sichtbare Verstorbene.

In der dritten Phase wird das letzte Aufgebot der physischen Reserven erlebt. Der Sterbende nimmt normalerweise keine feste Nahrung mehr zu sich. Wenn nun künstlich in den Sterbeprozess eingegriffen wird, kann das zu Lasten des Patienten das Sterben unsäglich verlängern. Dies ist die Phase, in der das letzte Aufblühen registriert wird. Durch die sich verstärkende Lockerung vom Körper werden nun Dinge der geistigen Welt wahrgenommen wie Licht oder Landschaften.

In der vierten Phase kommen alle Körperfunktionen zur Ruhe und das Ende des Sterbeprozesses durch den letzten Herzschlag und den letzten hörbaren Atem setzt ein. Das Sterben ist vollbracht. Im Raum ist eine erhöhte Energie spürbar. Manche Sterbebegleiter berichten auch von auftretenden Lichtphänomenen. Ein bis zwei Stunden Aufschub können bewirken, dass die letzten Schritte der Ablösung in Ruhe und Frieden geschehen. Der Ablösungsprozess braucht seine Zeit, weil im Organismus zwar die Hauptlichter ausgegangen sind, aber nun noch in den feinen Bereichen sozusagen die kleinen Lämpchen ausgeschaltet werden.

Die vierte Phase mündet dann in die fünfte Phase, wobei diese Übergänge fließend verlaufen. Das feinstoffliche Band der Silberschnur, die Körper und Geist zusammenhielt, ist nun endgültig durchtrennt. Da sich die kleinen Fädchen der Silberschnur nur langsam lösen, entsteht häufig der Eindruck, im Körper sei noch ein Fünkchen Leben. In Wirklichkeit befindet sich die Seele noch in der Nähe des Körpers. Diese letzte Phase des Sterbeprozesses ist dann abgeschlossen, wenn der Restkontakt zum Körper gelöst ist. Dann stellt sich der Eindruck ein, dass wir nur noch eine leere Hülle vor uns haben.


Buchtipps Bernard Jakoby:

- Geheimnis Sterben, Rowohlt-Verlag

- Alles wird gefügt, Langen Müller

- Hörbuch: Begegnungen mit dem Licht, Langen Müller



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