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Ausgabe Mai 2007
Mehr Himmel auf Erden

SkyDancing Tantra - der Weg der Ekstase

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Tantra ist ein umstrittener und streitbarer Begriff. Auf dem Marktplatz der Angebote fahren unter dieser Fahne inzwischen neben ernsthaften die buntesten Unternehmungen.

Tantra ist eine jahrtausendealte und schon immer umstrittene Weisheitslehre aus Nordindien. Während viele intellektuelle und asketische Lehren den Körper als Gegner überwinden wollen, integriert Tantra unsere körperliche und geistige Weisheit gleichwertig als Manifestation des einen universellen Geistes. Tantra nimmt den Menschen in seiner ganzen Breite und Tiefe an - als Teil der Welt, animalisches Wesen, wie auch als Träger reinen Geistes. Ganz natürlich integriert es die Lebenskraft Sexualität, wie auch entwickeltes Bewusstsein: Shaktienergie und Shivabewusstsein. Tantra bietet so etwas wie eine Landkarte, aber es ist nicht die Landschaft Leben. Es ist ein System teilweise gewollt paradoxer Techniken und Methoden – Erkennen zwischen dem Urteilen. (Matthias Grimm)



Im Folgenden drucken wir das Schlusskapitel aus dem Buch “Tantra – Weg der Ekstase” von Margot Anand:



Die Einheit

Wenn der Augenblick der Vereinigung kommt, entfacht jeder Partner abwechselnd das Feuer der sexuellen Energie des andern. Während der eine reglos bleibt, in Lotusposition und mit geschlossenen Augen, streichelt und küsst der andere seinen Körper, vor allem jedes Zentrum, die Wirbelsäule, die Brüste, die Geschlechtsorgane und die Mitte der Fußsohlen. Das geschieht sehr langsam, sehr zart, wie ein Gebet.
Wenn das ”Feuer des Anfangs” entfacht ist, bestreichen die Partner gegenseitig ihre Geschlechtsorgane mit einigen Tropfen der Ylang-Ylang-Essenz, was eine angenehme Empfindung von Hitze hervorruft. Anschließend wählt man eine Stellung, die eine völlige Entspannung des Körpers ermöglicht.

Nach der Penetration, die sich langsam und bewusst vollzieht, bleibt Ihr mindestens eine halbe Stunde lang in dieser Position ruhen, entspannt und voller Vertrauen. Es ist möglich, den Atem nach Art des Rebirthing (offener Mund) zu verstärken, entweder synchron (Einatmen und Ausatmen zusammen) oder invertiert (der eine atmet ein, während der andere ausatmet). Man kann auch die Beckenrotation einsetzen, wie bei der Übung des ”Lustkreises”, wobei man sich den Kreislauf der Energie als einen Kreis vorstellt, der beim Einatmen vom Perineum aus die Wirbelsäule entlang bis zur Mitte des Kopfes aufsteigt und beim Ausatmen wieder bis zum Perineum fällt.

Während der Vereinigung achtet auf folgende Punkte: Das Ideale ist, dass Shiva seine Erektion zumindest partiell beibehält, während Shakti feucht bleibt. Daher muss jeder von Zeit zu Zeit abwechselnd die genitalen Muskeln anspannen, um den andern zu stimulieren. Anfangs dient die Beckenrotation, die Vorstellung des Energiekreislaufes und das Geben und Nehmen der Genitalien dazu, eine genügende Stimulierung aufrechtzuerhalten. Atmet mit offenem Mund tief hinein in die Geschlechtsorgane, wodurch Erregung vermieden wird. Achtet auf die Atmung; dadurch entzieht Ihr Euch der Identifikation mit den Gedankenprozessen. Lasst Euch in einen Zustand zwischen Wachen und Schlaf fallen. Dann, wenn alle Voraussetzungen gegeben sind, ist es möglich, dass die biophysische Energie den Körper zu einem Orgasmus ganz neuer Art mitreißt: ein Vibrieren, das sich von Kopf bis Fuß in Form von bebenden Stößen ausbreitet, die gelegentlich sehr heftig sind, so als wäre man ein Blatt, das vom Winde davongetragen wird. Man ist erfüllt von Licht, von Freude, von Energie. Es kommt zu einem völligen Verschmelzen, die Grenzen des Körpers zerfließen in einer Art Auflösung des Ich. Jetzt geht es nicht mehr darum, sich zu bewegen, den andern zu ”nehmen” oder zu ejakulieren - man wird einfach von der Strömung einer kosmischen Flut fortgerissen. Dies ist der tantrische Raum, der Dich bis zu den Quellen des Lebens hinabführt.

Für mich ist und bleibt das Tantra selbst nach Jahren des Experimentierens ein Mysterium. Die Augenblicke der Gnade, der Verschmelzung, stellen sich manchmal nach einer konzentrierten und systematischen Vorbereitung im Stil von Arica ein, manchmal dagegen spontan, ohne dass ich damit rechne. Es ist also an Euch, den Partnern, Euren Weg, Eure eigene Methodologie herauszufinden; und vor allem dürft Ihr Euch nicht an den Wunsch klammern, irgendein Resultat zu erreichen. Wer jetzt mit Entschlossenheit die vorgeschlagenen Formen der Vorbereitung praktiziert hat, der hat seine Kontrolle entwickelt, seinen Willen und ein tiefes Verständnis der eigenen Energie. Der hat, mit anderen Worten, ein großes Vertrauen in sich selbst gewonnen.

Jetzt ist der Moment da, alle Praktiken, Rituale, Übungen, Anstrengungen und alles Yoga zu vergessen. Du brauchst es nicht mehr.

Du bist bereit, unmittelbar in den tantrischen Raum einzutreten, spontan und in völliger Offenheit gegenüber jedem gegenwärtigen Augenblick, so wie er sich darbietet, ohne Ziel, in einer Haltung, die Osho so beschreibt:

”Der wirkliche Orgasmus findet in dem Augenblick statt, wo man sich gehenlässt. Wenn Du von Techniken umnebelt bist, wirst Du niemals das Mysterium des tantrischen Traumes kennenlernen. Ein technisches Tantra ist ein Pseudotantra. Wo Techniken sind, ist auch ein Ego vorhanden, das die Situation in der Hand hat. Du bist dabei, etwas zu tun. Genau dieses Tun ist das Problem. Im Tun ist das handelnde Ich inbegriffen. Das wahre Tantra dagegen offenbart sich im Nichttun. Es kann nicht technisch sein. Du kannst gewisse nützliche Techniken lernen - wie z. B. langsames Atmen - um den Geschlechtsverkehr zu verlängern. Aber dann kannst Du Dich nicht gehenlassen, nicht wild, verrückt, unschuldig sein, im Zustand der Meditation. Dein Verstand wird die Kontrolle behalten. Du wirst nicht schnell atmen und Deinem Impuls folgen können, denn Du willst langsam atmen, um die Ejakulation zurückzuhalten. Gut. Aber das ist Technik, das ist nicht Tantra. Das eigentliche Tantra ist Liebe, Gebet, Entspannung des Herzens.

Unzählige Bücher über das Tantra reden von Techniken. Doch über das wahre Tantra lässt sich nichts schreiben. Man muss von ihm direkt erfüllt sein. Wie? Verändere Deine Einstellung völlig. Spiele, tanze, singe mit Deinem Partner, ohne an Sex zu denken. Vergesst Euch, aus solcher Selbstvergessenheit wird die Liebe geboren. Dann werdet Ihr entdecken, dass Ihr Euch liebt, ohne zu handeln, ohne etwas zu tun. Das passiert spontan; Ihr seid von etwas besessen, das über Euch hinausgeht. Das wird Eure erste tantrische Erfahrung sein. Indem Ihr singt, indem Ihr zusammen betet, betretet Ihr einen neuen Raum. Ihr wisst nicht einmal mehr, wann oder wie Ihr mit dem Lieben angefangen habt. Lasst Euch jetzt ins Chaos fallen, ins Unkontrollierte. Aber das wird Euch Angst machen. Dies Loslassen wird sein wie der Tod. Hört aber nicht auf den Verstand, der nur kontrollieren will. Verliert Euch außerhalb von Raum und Zeit. Ihr werdet eine passive Bewusstheit behalten, hellwach für das, was geschieht. Aber Ihr werdet nicht mehr da sein.“ (aus: Osho, Vortrag: ”This Very Body the Buddha”).



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