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Ausgabe April 2007
Die Geschichte der Homöopathie

Die Mitarbeiter der Samuel-Hahnemann-Schule Martin Bomhardt, Bernhard Krämer und Petra Thiele mit einem Überblick.

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Die Geschichte der Homöopathie beginnt im Deutschland des 18. Jahrhunderts mit Dr. Samuel Hahnemann, der von1755 bis1843 lebte. Er ist der Begründer der Homöopathie: Seine Arbeiten liefern das theoretische und praktische Fundament dieser Heilkunde. Geboren und aufgewachsen in Meißen an der Elbe, begann er 1775 in Leipzig ein Medizinstudium, war aber sowohl von der inhaltlich konfusen Ausbildung als auch von den Behandlungsmethoden seiner Zeit bald so enttäuscht, dass er seine Arztpraxis aufgab. 1790 entdeckte er im Selbstversuch das Prinzip der Homöopathie, die ‚Simile-Regel’. Die Chinarinde wurde damals als bewährtes Mittel gegen Malaria eingesetzt und die Ursache dafür in ihrer “magenstärkenden” Wirkung vermutet. Hahnemann lehnte diese Begründung ab und nahm zum Gegenbeweis mehrere Tage lang Chinarinde ein. Er erkrankte dabei an Malaria-ähnlichen Symptomen, die nachließen, sobald er die Chinarinde nicht mehr einnahm. Er schloss daraus, dass ein Wirkstoff, der einen Gesunden erkranken lässt, die ähnlichen Symptome eines bereits Kranken heilen kann. Er erprobte diese Beobachtung in weiteren Selbstversuchen an vielen anderen Substanzen, nahm seine ärztliche Tätigkeit wieder auf und übertrug die im Selbstversuch gewonnenen Erfahrungen auf die Behandlung seiner Patienten. Auf diese Weise entwickelte er das Regelwerk und die wissenschaftliche Theorie der Homöopathie und veröffentlichte sie 1810 im “Organon der Heilkunst”, das in weiteren Ausgaben bis zu seinem Tod fortgeschrieben wurde.



Anhänger zu Lebzeiten

Schon zu Lebzeiten fand Hahnemann wegen seiner Heilungserfolge zahlreiche Anhänger. Zu ihnen zählte seine zweite Frau Melanie, die von ihm als wissenschaftliche Erbin eingesetzt wurde und mit großem Erfolg Patienten behandelte. Auch Clemens Franz Maria von Boenninghausen, Sohn eines preußischen Gutsbesitzers und Jurist, wurde zu einem engen Freund Hahnemanns. Er lernte die Homöopathie durch seine Heilung von Lungen-Tuberkulose kennen und brachte das erste Symptomenverzeichnis (Repertorium) der Homöopathie heraus. Weitere wichtige Schüler und Weggefährten Hahnemanns waren Johann Ernst Stapf und Constantin Hering. Stapf hatte in Leipzig Medizin studiert und war zunächst ein Gegner der Homöopathie, las dann aber das Organon Hahnemanns und wurde zu seinem Anhänger. Später gründete er das “Stapf-Archiv für homöopathische Heilkunst”, das die umfangreichste Sammlung von Hahnemann-Schriften enthält. Hering lehnte wie Stapf auch zunächst die Homöopathie ab, wurde aber durch die Auseinandersetzung mit ihr zum begeisterten Anhänger. Er brachte das erste Schlangengift in die Homöopathie ein und ergänzte ihre Methodik um die sogenannten Hering´schen Regeln. Außerdem wanderte er nach Nordamerika aus und machte die Homöopathie dort bekannt.


Amerika

James Tylor Kent, ein Anatomie-Professor aus St. Louis, griff sie auf, begann eine homöopathische Praxis und ist bis heute bekannt durch seine Kommentare zum Organon, seine Arzneimittelbeschreibungen und ein weiteres Repertorium. Auch William Boericke (1849-1929) war ein wichtiger Nachfolger Hahnemanns in Nordamerika. Er war Mitbegründer der homöopathischen Fakultät von San Francisco und verfasste das “Handbuch der homöopathischen Materia Medica”, das immer noch zu den beliebtesten Arzneimittellehren der Homöopathie zählt. Wie Boericke sammelte auch Timothy F. Allen viele Erfahrungen über neue Arzneimittel und veröffentlichte sie in der “Encyclopedia of Materia Medica”, die nach wie vor Verwendung findet. James Compton Burnett (1849-1900) schließlich, ein britischer Arzt, der in Wien und Glasgow studiert hatte, führte die sogenannten Nosoden in die Homöopathie ein: Heilmittel, die aus menschlichem Gewebe von Patienten mit spezifischen Erkrankungen gewonnen werden.



Nachfolger in Deutschland

In Deutschland sind als wichtige Vertreter der Homöopathie Arthur Lutze (1813-1870), Emil Schlegel (1852-1934) und Paul Dahlke (1865-1928) zu nennen. Lutze arbeitete mit Erfolg in einem Kinderlazarett in Berlin, förderte die Laienhomöopathie und ist durch sein Lehrbuch der Homöopathie bekannt geworden. Emil Schlegel arbeitete als klassischer Homöopath und erkannte, dass die wissenschaftliche Arzneimittelkenntnis durch die Intuition ergänzt werden kann. Paul Dahlke schließlich, ein Berliner Arzt, warb als Herausgeber der Zeitschrift des Berliner Vereins homöopathischer Ärzte sehr für die Verbreitung der Homöopathie.



Georgos Vithoulkas

Der Grieche zählt zu den weltweit bedeutendsten lebenden Homöopathen. Er bekam 1996 den Alternativen Nobelpreis. Vithoulkas hat ein eigenes Schema in die Homöopathie eingeführt, in dem er die Erkrankung der Patienten in verschiedene Ebenen unterteilt. Hierbei werden sowohl die aktuelle Konstitution als auch Prognose und die “Schicht” des homöopathischen Mittels berücksichtigt. Das Behandeln der jeweils obersten “Mittelschicht” des Patienten ist dabei der Kernansatz: Zuerst wird ein Mittel für die aktuellen Symptome gegeben, um später Symptome zu behandeln, die weiter zurück liegen.

Buchtipps

Georgos Vithoulkas: Die wissenschaftliche Homöopathie - Theorie und Praxis naturgesetzlichen Heilens, Ulrich Burgdorf-Verlag

Georgos Vithoulkas: Medizin der Zukunft, Wenderoth
(beide Bücher führen gut in die Homöopathie ein und sind spannend und unterhaltsam zu lesen)

Georgos Vithoulkas: Essenzen homöopathischer Arzneimittel, Sylvia-Faust-Verlag (eine interessante, nicht zu ausführliche Arzneimittellehre)

Norbert Enders: Enders’ Homöopathische Hausapotheke, Haug Sachbuch im Trias Verlag (die wichtigsten bewährten Indikationen für die Hausapotheke)

Gerhard Köhler: Lehrbuch der Homöopathie 1. Grundlagen und Anwendung – Hippokrates Verlag (ausführliche Einführung in die Theorie der Homöopathie – Teil 2 beschäftigt sich dann mit der Mittelgabe, bewährte Verordnungen)

Andreas Krüger, H.-J. Achtzehn: Die Tafelrunde der Seele, Verlag Homöopathie und Symbol (unterhaltsame Arzneimittellehre)

Adolf Voegeli: Leit- und wahlanzeigende Symptome der Homöopathie, Haug Verlag (ein übersichtliches Buch, dass die Mittel knapp und gut differenziert darstellt)



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