aktuelle Seite: ARCHIV   
Jahr:
2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 |

Ausgabe April 2007
Wie wirkt Homöopathie?

Die Dipl.-Psych. und HP Mareen Muckenheim erläutert die Wirkweise der Homöopathie.

art52232
Ähnlichkeitsgesetz

Der als Arzt und Chemiker ausgebildete Samuel Hahnemann war Zeit seines Lebens Forscher im Dienste der Gesundung der Menschen. Nach seinem Studium war er nur für etwa anderthalb Jahre als Arzt tätig gewesen, als er für sich befand, über nicht ausreichend Kenntnisse zu verfügen, die Menschen wirklich gesund machen würden. So erwarb er sich lange Zeit seines Lebens mit dem Übersetzen von Büchern seinen Lebensunterhalt. Dabei stieß er bei der Übersetzung der Materia Medica, der Arzneimittellehre, des schottischen Arztes Cullen auf dessen ihm widersinnig erscheinende Behauptung, die heilende Wirkung der Chinarinde bestünde in ihrer Magenstärkung. Die Heilwirkung der Chinarinde für die Malaria war zu dieser Zeit bekannt und gebräuchlich. Doch Hahnemann, stets Zweifelnder an den Behauptungen seiner Berufskollegen, denen er nur schnöde Ruhmsucht und das (Er-)Spinnen von unhaltbaren Theorien unterstellte (in diesem Falle an der die Heilung der Malaria unterstützenden magenstärkenden Kraft der Chinarinde), begab sich in seinen ersten Selbstversuch: Er nahm ein Quentchen (0,06 g) gute Chinarinde ein und beobachtete, was geschehen würde. Und siehe da, es erschienen ihm die Symptome der ihm wohlbekannten Malaria in wahrhaftiger Ähnlichkeit. Er wiederholte diesen Versuch sogleich noch ein weiteres Mal, denn er wollte sich überzeugen, dass dies kein Zufall wäre. Prämisse bei diesem Versuch war, dass die Rinde des Chinabaumes, uns heutzutage bekannt als Chinin, stets erfolgreiche Anwendung auf die Malariasymptome fand. Hahnemann mutmaßte, dass die Heilung der Malaria mithilfe der Chinarinde nur aufgrund der Symptomähnlichkeit gelänge. Er dagegen nahm an, dass die Symptome, die bei der Einnahme einer Ausgangssubstanz bei einem Gesunden entstehen, genau diejenigen Symptome wären, die von dieser Arznei bei einem Kranken geheilt werden könnten. Dieses war die Entdeckung der Heilung nach dem Ähnlichkeitsprinzip, das Basisprinzip in der Homöopathie, welches ihr Name dem Kundigen auf Griechisch verrät: homoion pathos – das ähnliche Leiden. Sechs Jahre lang, bis 1796, erprobte Hahnemann seine Entdeckung, ehe er damit an die Öffentlichkeit trat. Dabei ersann er weitere wichtige Heilungskriterien, denn sein Ziel war, wirkliche Heilung zu erzielen und nicht nur mit übermäßig hoch dosierten Drogen oder Substanzen die eine Krankheit zu kurieren, aber mit den toxikologischen Wirkungen der Substanzen das nächste Leiden seinen Anfang nehmen zu lassen.



Das Potenzieren

Ihm missfiel noch, dass er nun zwar Krankheiten auf Basis der Symptomähnlichkeit heilen konnte, doch seinem Anspruch gemäß sollte eine Heilung sanft verlaufen und schließlich die Symptome tilgen, die einer hatte. Nun erwies es sich, dass sich nach der Einnahme der Arznei zumeist erst einmal alle Beschwerden seiner Patienten stark vermehrten, so dass sich ihr Leiden, wenn auch nur für begrenzte Zeit, sehr steigerte. So entlieh er bei Paracelsus das Potenzieren der Arzneien, das geheimnisvolle Mächtiger-Werden der Arzneien, die einerseits das Schwinden der unter dem Begriff der Erstverschlimmerung bekannt gewordenen rasch einsetzenden, spürbaren Wirkung der Arzneien zur Folge hatte, aber zugleich eine in der Ausgangssubstanz nicht gekannte Kraft entfaltete, nämlich, wie wir heutzutage zu sagen pflegen, die psychische und mentale Ebene des Menschen erreichten. Dies war ein wunderbarer Erfolg für Hahnemann, sein Heilsystem schien nun vollständig, hatte er doch das Ziel verfolgt, Heilung solle schnell, sanft und dauerhaft geschehen (§3 Organon). Diese so zubereiteten Arzneien wirken auf eine bislang nicht messbare Art und Weise und sprechen die von Hahnemann postulierte Lebenskraft in uns an. Die Lebenskraft ist eine ebenfalls nicht wägbare oder messbare, dynamische Kraft, die alle Vorgänge, die wir Leben nennen, in Gang hält – gleich ob auf der körperlichen, emotionalen oder mentalen Ebene. Diese potenzierten Arzneien erzeugen in Zwiesprache mit der Lebenskraft eine so genannte Arzneikrankheit, die bei richtiger Wahl der Potenzierungsstufe eine leicht stärkere “Krankheit” als die eigentliche, nämlich die zu heilende ist. Die Lebenskraft wirkt hier nun als Mittlerin und angestoßen von der Arzneikraft, bemüht sie sich um ein Austarieren dieser beiden “Krankheiten”. Auf diesem Wege des Austarierens, auch Wiederherstellung der Homöostase genannt, geschieht Heilung.


Buchtipps

Dr. Graf Friedrich: Homöopathie und die Gesunderhaltung von Kindern und Jugendlichen, Sprangsrade Verlag

Catherine Coulter: Portraits homöopathischer Arzneimittel, Haug Verlag

Geißler und Quak: Leitfaden Homöopathie, Urban & Fischer



Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.