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Ausgabe März 2007
Das Gebet als innere Weg

Der Meditationslehrer Donald Jaskolla bietet einen spirituellen Lehrweg über die Kraft der Gebete an.

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Verbundensein mit Gottes Gegenwart

Ein Gebet kann in Worte gekleidet oder auch ein schweigender Zustand der Ausrichtung sein, auf Gott hin – ein eher kontemplativer und auch meditativer Zustand des Menschen. Angefangen bei einem einfachen Bittgebet bis hin zu einem Zustand gefühlter und erlebter Einheitserfahrung mit Gott, führt uns das Gebet über viele Stadien und Stufen der inneren Erfahrung und des spirituellen Erlebens. Gebet kann zu einem Weg der Entfaltung des Menschen in sein wahres Ich hinein werden – ein Weg, der den geistigen Menschen in uns hervortreten lässt und dessen Licht den Alltagsmenschen mehr und mehr durchstrahlt.

Gebet beginnt zumeist in einem Menschen, der schon eine spirituelle Erfahrung “des Berührtwerdens von Gott” selbst gemacht hat, denn “du würdest mich nicht suchen, hättest du mich nicht schon gefunden”. Diese Erfahrung entspricht einem Zustand der Gnade und kommt ohne jeglichen Verdienst zustande. Etwas berührt uns und wirft uns plötzlich aus dem alltäglichen oberflächlichen Bewusstsein in eine Ebene der Erkenntnis einer höheren geistigen Wirklichkeit hinein. Wir erkennen die geistige Dimension des Seins und empfinden die Gegenwart von “etwas nicht Beschreibbarem” und doch auch als wesenhaft Erfahrbarem. Ein Etwas, mit dem wir kommunizieren können. Etwas, das uns mal staunen macht, mal als Liebe erfahrbar wird. Etwas, das uns innere Fülle gibt, die jeden Zustand des Mangels heilt. Es sind diese Momente des Berührtwerdens durch Gott, die den Menschen ins Gebet führen, die eine Sehnsucht erwecken, mehr von dieser Art Nahrung zu kosten und die Erfahrung von Verbundenheit und Einheit mit dem Seinsgrund zu wiederholen, aus der alltäglichen Wirklichkeit herauszutreten und einzutreten in eine höhere geistige Wirklichkeit – in das Verbundensein mit Gottes Gegenwart.



Gebet wirkt

Im Gebet hat der Mensch Anteil am geistig-schöpferischen Wirken Gottes. Gebet wirkt. Viele wissenschaftliche Untersuchungen über die Kraft von Heilgebeten für andere Menschen haben deren positive Wirkung dokumentiert. Menschen für die gebetet wird, werden schneller gesund als die, für die nicht gebetet wurde.



Gebet - Geben

Gebet ist die Sprache des Geistes und des Herzens zugleich. Gebet beginnt als innere Bewegung im Menschen als ein Geben. Wenn wir das Wort Gebet anders betonen, weist es uns auf das Geben hin.

Wir geben als erstes unsere Aufmerksamkeit, wir richten uns ganz aus, auf Gott hin. Dazu ist die innere Sammlung eine Voraussetzung. Mit dem Gebet geht auch eine Kraft von uns aus, wir geben Energie hinein in das Gebet. Es findet eine Aufwärtsbewegung statt: Das Gebet bleibt nicht bei uns, es steigt sozusagen auf und bewegt sich hin zu Gott. Aus dem göttlichen Urgrund heraus kommt es zu einer Antwort, oft setzt ein Segensstrom ein, der uns erfüllt, der wie ein Kraftstrom von oben her in den Betenden einfließt. So gesehen initiiert ein Gebet einen Kreislauf aus Geben und Empfangen. Wichtig ist hierbei auch die aufmerksame, empfangende Haltung des Betenden nach seinem Gebet. Das Sprechen und Senden eines Gebets erfordert als Vorbereitung und als Empfangen eine stille innere Sammlung, ein Hineinspüren in das, was als Segen auf den Betenden zurückkommen will.



Lobpreis

Eine andere Form des Gebets ist der Lobpreis. Auch hier findet eine Aufwärtsbewegung der Kräfte in uns statt. Eine Erhebung des Herzens, welches Freude und staunende Ehrfurcht ausdrückt im Gewahrsein der Herrlichkeit, der Schöpfung und des Schöpfers zugleich. In der Form des Gebetes als Lobpreis treten wir als Menschen gleichzeitig in den Kraftstrom der Engel ein, die sich in einem immerwährenden Zustand des Lobpreises befinden, die in ihrem Bewusstsein nie Trennung vom göttlichen Urgrund erfahren. Für den Ungeübten im Gebet mag Lobpreis noch befremdlich sein, für den Erfahrenen jedoch öffnen sich in dieser Gebetsform viele Türen zu intensiver inniger Begegnung mit Gott und seinen Engeln.



“Gebetet-werden”

Menschen, die den Weg des Gebetes beschreiten, erfahren von Zeit zu Zeit einen Zustand des “Gebetet-werdens”, d.h. Gebet geschieht ihnen im Nach-innen-Hören und tritt durch sie als schöpferischer Impuls nach außen. In diesem Stadium tritt das wollende Ich des Menschen nach hinten und der innere geistige Mensch offenbart eines seiner mystischen Geheimnisse, indem er Gottes Wirken Platz macht und durch sich beten lässt. Dieser Aspekt des sogenannten Inneren Wortes ist dem Menschen ein Zeichen großer Gnade auf dem spirituellen Weg und offenbart sich häufig in Gruppensituationen, denn ”wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ICH mitten unter ihnen”. Dies führt uns weiter ins sogenannte Herzensgebet, wo durch die beständige Wiederholung des göttlichen Namens der Mensch gleichsam von Gottes Gegenwart mehr und mehr durchdrungen wird und welches von vielen mystischen Bewegungen als das wichtigste Kerngebet an sich angesehen wird.

Wir sehen, Gebet hat viele Seite und Abstufungen und ist doch – wie anfangs ausgedrückt – einfach die Hinwendung der Seele zu Gott.



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