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Ausgabe März 2007
Strömungsmassage

Haidrun Schäfer hat sie ausprobiert bei der Heilpraktikerin Astrid Hale.

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Wussten Sie, dass man frisch Verliebte an der Beschaffenheit ihrer linken Wade als verliebt identifizieren kann? Zumindest können es die, die in der von dem Arzt Simeon Pressel entwickelten Strömungsmassage ausgebildet sind. Davon gibt es nur wenige.



Haidrun Schäfer: Was verbirgt sich theoretisch hinter der Strömungsmassage nach Pressel?

Astrid Hale: Dr. Simeon Pressel war ein anthroposophischer Arzt, der in Kriegsgefangenschaft diese Massagetechnik entwickelt hat. In gleichmäßigem Rhythmus und mit Massagegriffen, die den harmonischen Formen der Natur entsprechen, wird der Körper sanft in einen Zustand tiefer Entspannung geführt. Gleichzeitig werden durch das Wirbeln und Kreisen wie bei einem Gewässer die Energieströme wieder zum Fließen gebracht und Stauungen beseitigt. Es ist ein ganz klar vorgegebener Ablauf, den ich einhalte. Individuell ist lediglich die Intensität meiner Berührungen und wie lange ich mich um bestimmte Stellen kümmere, wie z.B. bei starken Verspannungen. Dieser Ablauf besteht aus harmonischen Handbewegungen, die sehr fließend und weich sind. Ein Schwerpunkt liegt auf den Beinen mit der Überzeugung, dass man über die Waden den ganzen Körper mit behandeln kann. Als Ergänzung gibt es noch die Möglichkeit von Organeinreibungen wie Leber, Niere, Blase, Milz und Herz. Jedem Organ ist ein Metall zugeordnet, das dann in der entsprechenden Salbe enthalten ist. Der Niere wird z.B. Kupfer zugeordnet. Steht jemand sehr unter Stress, kann man eine Niereneinreibung machen und so den Kräftehaushalt regulieren. Bei Trauer ist eine Herzeinreibung mit Gold-Salbe ganz wunderbar.


Wie wird die Massage wahrgenommen?

Die Massage wirkt auf jeden Fall entschlackend. Aber wie man sie dann letztendlich wahrnimmt, ist sehr individuell. Manche empfinden sie als anregend, auf manche wirkt sie beruhigend oder entspannend. Darüber hinaus bleibt es eine medizinische Massage, mit der Krankheitszustände wie z.B. Schlaflosigkeit, Antriebslosigkeit, Ischias, Durchblutungsstörungen, nervöser Magen, Kreislaufschwäche oder Migräne behandelt werden können. Es geht also nicht nur um Wellness, sondern es gibt einen medizinischen Hintergrund. Immunschwächen in beide Richtungen können gut damit behandelt werden. In Einzelfällen ist es sogar schon gelungen, “offene Beine” zu kurieren. Gegenanzeigen für diese Behandlung sind Fieber, akute Entzündungen, akute Rheumaschübe, Thrombose und Schwangerschaft bis zum 3. Monat.


Wie bist du auf diese Massage gekommen?

Die Massage habe ich durch eine Eigenbehandlung entdeckt, weil meine damalige Heilpraktikerin die Strömungsmassage praktiziert hat. Nach meiner Ausbildung als Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Homöopathie habe ich die Pressel-Massage noch hinzugenommen und empfinde diese Kombination als sehr gelungen. Wie wäre es mit einer Probesitzung?




Eine strömungsfreudige Erlebnismassage

Na klar! Freudige Erwartungsimpulse schicken meine Hautzellen an Bauch und Gehirn – umso mehr, als ich mich an diesem ungemütlichen Tag auf einer beheizten Liege unbekleidet ausstrecken kann. Angenehme Wärme strahlt auf die Vorderseite meines Körpers, während Rücken und Beine an den Stellen mit Decken gewärmt werden, die gerade nicht in den Genuss der Massage kommen. Als erstes ist das linke Bein mit Wade, Fuß und Oberschenkel dran. Jeder Bereich wird als erstes mit einem Massagehandschuh sanft gebürstet, um die Durchblutung anzuregen. Die linke Seite steht für unseren Stoffwechsel und Astrid kann aufgrund der Beschaffenheit der Wade feststellen, wie es um ihn steht. Mit kreisenden Bewegungen haben ihre Hände eine erstaunliche Kraft und Festigkeit, die ich als sehr angenehm empfinde. Die kräftigen Hände an meinen Füßen schicken mir Bilder von Wellen – Meereswellen, auf denen ich wie auf einem kleinen Boot schaukle und mich tragen lasse. Und obwohl ich an den Oberschenkeln kitzelig bin, sind die Berührungen auch hier angenehm. Ca. zehn Minuten werden jedem Bein gewidmet. Am Ende der Behandlung des linken Beines habe ich das Gefühl von zwei extrem unterschiedlichen Beinlängen. Zum Glück muss ich jetzt nicht aufstehen, sondern empfange mit Wohlbehagen die kreisenden Bewegungen an meinem rechten Bein. Diese Seite steht für den Herzbereich und umfasst den ganzen Emotionalkörper. Hier empfindet Astrid bei mir wesentlich mehr Power als im körperlich-stofflichen Bereich. Mit den Jahren sind ihre Hände wie Fühler geworden, mit denen sie die in dem jeweiligen Körperteil vorhandenen Informationen erspüren kann. Auch frisch Verliebte sind an der Beschaffenheit ihrer rechten Wade zu erkennen. Während der Massage auf dieser Seite sind die Bilder meines inneren Kinos sehr viel bewegender und aktiver: Tanz – Bewegung – Drehen. Zum Schluss tanze ich in einem großen Ballsaal Wiener Walzer. Die Möglichkeiten, die die Kombination von körperlichen Empfindungen und geistiger Vorstellungskraft bieten, sind einfach genial. Während mein Körper passiv die wohltuenden Strömungsimpulse empfängt, assoziiert mein Geist tanzende Walzerfiguren und aktiviert auch auf dieser Ebene Glücksgefühle, denn bekanntlich steigert Drehen den Serotoninspiegel.

Der nächste Bereich ist der untere Rücken mitsamt dem Po. Als Schreiber- und Leserling verbringe ich viel Zeit sitzend und nehme selten wahr, mit wie viel sinnlichen Rezeptoren der Po ausgestattet ist. Ich glaube, Tantriker wissen um die Sensibilität dieses Körperteils – andere Massagestile klammern ihn eher aus. Auf jeden Fall erzeugen die kreisenden Bewegungen bei mir durchaus sinnliche Assoziationen. Astrids Hände gleiten fließend vom Po über die Hüften zum Steißbein. Hier enden viele Nerven aus der Wirbelsäule und strahlen so in beide Pohälften. Diesen Strahlungseffekt unterstützt Astrid durch bestimmte Muster, die sie aufmalt oder massiert, wie z.B. die sogenannten “Sonnenstrahlen”. Auch die liegende Acht, die Lemniskate, wird in meinen unteren Rücken und die Hüften einmassiert. Das Steißbein empfinde ich wieder als einen besondern Bereich – eine Art körperlicher und emotionaler Brennpunkt. Nach insgesamt 30 Minuten kann an dieser Stelle die Sitzung abgebrochen werden, aber das fände ich schade. Also geht es weiter in die oberen Rücken- und Nackenregionen.
Wie bei vielen Frauen ist auch bei mir hier mehr Durchblutung als im unteren Körperbereich, was Astrid dadurch feststellt, dass die Haut auf die Bürstenmassage mit einer stärkeren Rötung reagiert. Und auch dafür eignet sich diese Massagetechnik ganz besonders: Sie stellt das Energiegleichgewicht im gesamten Körper wieder her. Zum krönenden Abschluss salbt Astrid meine Nieren mit der speziell dafür angefertigten Creme und hält noch einen Moment ihre beiden Hände über die Stellen. Dabei entwickelt sich eine Hitze, die sich erstaunlicherweise äußerst wohltuend anfühlt. Wie bei jeder Massage bleibe ich noch einen Moment alleine und spüre den Erlebnissen der vergangenen Stunde nach: wow!



Nachtrag

Mich persönlich hat die Massage auf jeden Fall belebt. Mit zügigen Schritten trete ich den Heimweg durch den Lietzenseepark an und freue mich über das Wunderwerk Körper. Die Säfte fließen, die Kraft strömt und ich bin voller Tatendrang. Allerdings meldet sich gegen Nachmittag ein nicht unangenehmes Gefühl wie leichter Muskelkater im Nackenbereich, was wohl daher kommt, dass Astrid einiges in Bewegung gebracht hat... Ich sollte meine guten Ratschläge mal selber ernster nehmen!



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