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Ausgabe Januar 2007
Erkenne dich selbst

Der HP Lucien Sorich arbeitet mit “Tuina Anmo”, eine Heilmethode der TCM. Haidrun Schäfer hat sich aufgrund von Schlafstörungen an ihn gewandt und schildert ihr Erlebnis.

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Seit über einer Woche weckt mich regelmäßig unser Kater um halb fünf Uhr morgens, damit ich ihm die Tür zur Terrasse öffne und er rausgehen kann. Das Blöde ist nur, dass ich danach nicht mehr einschlafen kann. Ich erhalte einen Tipp: Der Heilpraktiker Lucien Sorich könne mir vielleicht helfen. Mit “Tuina-Anmo” beherrscht er eine faszinierende Methode, Menschen die Weiten ihres Unbewussten quasi als Spiegel vorzuhalten. Dazu nutzt er als Kontaktaufnahme zwei Punkte im oberen Nacken, die mit den beiden vegetativen Hauptnerven in Verbindung stehen, und kann so Streifzüge durch die mir nicht zugänglichen Gegenden tätigen. Er hat die Gabe, sein Seelenfeld so zu glätten, dass er wie ein ruhender See meinem Kuddelmuddel als Spiegel dient, um mich zu erkennen. Aufgrund dieser Fähigkeit hat ihn ein taiwanesischer Meister in die Lehre der Shaolin-Tradition eingewiesen.

Jetzt praktiziert Herr Sorich in Berlin. Ich vereinbare einen Termin.

Als ich mein Problem geschildert habe, ist seine erste Reaktion der Blick auf die Organuhr: 4.30 Uhr ist die aktive Zeit für den Lungenmeridian und damit ist das Thema Beziehung angesprochen. In meiner Partnerschaft haben wir erst vorgestern 16-jähriges Jubiläum gefeiert und uns gegenseitig unsere Liebe bekundet. Aber es gibt ja als Beziehungsmöglichkeit nicht nur Partnerschaften... Für das, was wir jetzt machen werden, ist das auch gar nicht so wichtig, denn es geht ja in unbewusste Welten. Es scheint, dass ich ein unbewusstes Problem mit einer Beziehungsthematik habe, was mich daran hindert, wieder einzuschlafen. Mit seiner Methode kann Herr Sorich mit seiner Spiegelqualität Emotionen, die dieses Thema belasten, im Unbewussten aufspüren, die gebündelte Energie entfesseln und dem Bewusstsein wieder zur Verfügung stellen. Eine von Psychologen entwickelte Persönlichkeitspyramide besagt, dass nur 10-15 % der Persönlichkeit Zugang zum Wachbewusstsein hat, die restlichen 85-90 % sind unbewusst.



Behandlungserlebnisse

Ich liege auf dem Rücken, während Herr Sorich hinter mir sitzt und seine Hände an meinen Nacken legt. Innerlich bitte ich mein Unterbewusstsein, den Kontakt oder den Spiegel wahrzunehmen und mir ab und zu Bilder zu schicken. Nach einer Weile erscheint ein See, aus dessen Tiefen riesige Luftblasen an die Oberfläche tauchen, die mit einem lauten Plupp aufplatzen. Später verwandelt sich der See in ein aufgewühltes Meer und enorme Wellen wälzen das Unterste nach oben. Und dann sehe ich plötzlich einen Vulkan, aus dem lauter Gesteinsbrocken und schwarze Klümpchen durch die Luft fliegen. Als Assoziation habe ich das Bild von den zu Energieklumpen verhärteten emotionalen Verletzungen, die sich verabschieden – die brauche ich nicht mehr. Da fliegt auch eine Situation, als mein Vater eine ganz warme und nährende Beziehung zu einer jungen Frau pflegte, die genauso alt war wie ich und ihr die Liebe und Unterstützung schenkte, die ich mir von ihm gewünscht hätte. Ich sehe die Situation vor mir und empfinde keinen Schmerz. Damals habe ich Rotz und Wasser geheult und fühlte mich absolut wertlos.
Jetzt spuckt der Vulkan ohne emotionales Gefühlskino.
Danach herrscht Ruhe und langsam entsteht das Bild von einem klaren, stillen See. Hier herrscht Frieden und Ruhe. Das könnten die Buddhisten mit Leerheit meinen: Klarheit, Stille, Fülle – und leer von emotionalen Anbindungen. Aber die Sitzung ist noch nicht vorbei. Hinter mir geht ein Zittern durch den Körper von Herrn Sorich und mein Magen fühlt sich an, als wäre er mit Pfeilspitzen gefüllt. Was ist denn nun los? Jetzt bitte nicht aufhören. Die Schmerzen kenne ich, wenn ich mich ohnmächtig fühle. Heute morgen hatte ich einen Traum mit diesem Gefühl. Aber keine Bilder von realen Situationen tauchen auf. Dann geht ein Gluckern durch meinen Bauch. Wie werde ich denn jetzt diese piekenden Dinger wieder los? Die Ohnmacht aus der Schulzeit meldet sich. Wo fühle ich die heute noch? Auf einmal breitet sich wieder Ruhe aus, fast das Gefühl einzuschlafen und wieder durchdringt ein Gefühl von Entspannung meinen Körper und meinen Geist. Still ruht der See und am Himmel entschwebt ein beeindruckender Raubvogel mit riesigen Schwingen. Auch hier das Gefühl von Weite. Unser Körper ist begrenzt, aber unsere geistigen Möglichkeiten sind unendlich – wir nutzen sie nur, pardon, ich nutze sie zu selten. Der Frieden und die Weite sind in mir und wenn ich ihnen Raum gebe, dann manifestiert sich das automatisch im Außen. Aktive Friedensarbeit. Es ist so einfach und ich bin glücklich, diesen friedvollen, weiten Raum in mir zu spüren.



Nachtrag

Schon am nächsten Morgen weckt mich der Kater erst um halb sieben Uhr und es wird keine Tür mehr aufgemacht, denn winterliche Temperaturen erfassen unsere Breitengrade. Die nächtlichen Spielanwandlungen der Katzen bleiben trotzdem ein Problem und ein paar Tage später finde ich eine Lösung, indem wir nachts die Wohnung einfach zweiteilen: Schlafräume und Katzenräume. Seitdem schlafe nicht nur ich, sondern auch unser in Mitleidenschaft gezogenes Kind ungestört durch. Zufall?

Tatsache ist, dass ich wieder schlafe und damit mein Ziel erreicht ist. Übrigens ist nach dem Biologen Jean-Baptiste de Lamarck der Zufall nichts anderes als unsere Unkenntnis der Ursachen.


Buchtipp: Peter Schellenbaum: Die Wunde der Ungeliebten, dtv, München



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