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Ausgabe Januar 2007
Die lebende Apotheke - Ausleitverfahren mit Blutegeln

Die HP Doris Rauschert weiß, was Blutegel alles beim Menschen bewirken

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Dem Wiener Arzt Bernhard Aschner (1889-1960) verdanken wir die Wiederbelebung der Humoralmedizin im 20. Jh. Die ausleitenden Verfahren, wie u.a. die Blutegeltherapie, werden daher heute auch als Aschner-Methoden tituliert. Der Druck unzufriedener Patienten, die bei ihren Beschwerdebildern allein aus der symptomatischen Behandlung keine Linderung erfahren, führt zur Renaissance der Ausleitungsverfahren.



Blutegel

Ein spektakuläres Beispiel, wie Blutegel als medizinisch wertvolle Helfer eingesetzt wurden, gab es in den 80er-Jahren: Dank der sensiblen Sauger gelang es Chirurgen, das abgerissene Ohr eines Jungen wieder anwachsen zu lassen. Erste Anwendungen gab es sehr wahrscheinlich bereits in der Steinzeit. Schriftlich dokumentiert ist eine Blutegeltherapie auch bei den Babyloniern um 1.300 v. Chr. In Indien, China und Japan werden Blutegel seit mehr als 2000 Jahren eingesetzt. Seit dem 16. Jahrhundert ist diese Therapie in Deutschland bekannt.



Lebende Apotheken

Blutegel für medizinische Zwecke stammen heute aus wissenschaftlich sorgfältig kontrollierten Fanggebieten und unterliegen den strengen gesetzlichen Bestimmungen für Arzneimittel. Die Tiere sind lebende Apotheken und bieten uns eine erstaunlich breitgefächerte medizinische Heilkraft. Direkt am Krankheitsherd angewendet, sondern sie mehrere “Arzneien” ab. Diese wirken gerinnungshemmend, gefäßkrampflösend, schmerzstillend, antithrombotisch, lymphstrombeschleunigend, blutreinigend, entgiftend, beruhigend, immunisierend und entzündungshemmend. Traditionell angewendet heilt der Egel bei oberflächlicher Venenentzündung, Ödemen, Unterschenkelgeschwüren, Bluterguss, Hämorrhoiden und Furunkel. Auch bei Mittelohrentzündungen, Sinnusitis, Tinnitus, Hypertonie, Nierenerkrankungen, Gichtanfall, Dysmenorrhoe, Migräne oder Spannungskopfschmerz und Weichteilrheumatismus wird von Erfolgen berichtet.


Therapieverlauf

Die Therapie verläuft denkbar einfach: Zunächst wird der Blutegel mit einem kleinen Gefäß an der zu behandelnden Stelle platziert. Sein Biss ist ausgesprochen schmerzarm – vermutlich verwendet das Tier ein lokal wirksames Betäubungsmittel. Dann saugt er sich 20-60 Minuten lang voll und fällt ab, nachdem er bis zu 15 ml Blut aufgenommen hat. Während der therapeutisch wichtigen Nachblutungsphase entfaltet sich die volle Heilwirkung.



Kombinationen mit anderen Heilverfahren

Die ausleitenden Verfahren nach Aschner sind ein Grundgerüst, die in der ergänzenden Kombination mit anderen Heilverfahren die Selbstheilungskräfte in Gang setzen und deren Wirkung verstärken. Eine ganzheitliche Therapie ist zum Beispiel bei Venenschwäche die Blutegeltherapie, begleitet mit Heilpflanzentee oder -tinktur, welche leberausleitend und gefäßstärkend sind sowie die Fließeigenschaft des Blutes positiv beeinflussen. Kneipp’sche Anwendungen runden die Therapie in der Naturheilpraxis ab. Der Therapieplan orientiert sich an den Gegebenheiten des Einzelfalles und wird individuell für den Patienten mit seinem Beschwerdebild entwickelt. Die Behandlung erfolgt nicht symptomatisch, sondern kausal. Ein Ekzem wird nicht als reine Hauterkrankung gesehen und lokal behandelt. Der Therapeut stellt im Sinne der Humoralmedizin die Frage, warum der Körper über die Haut reagiert. Im Ergebnis sind dann innere Stoffwechselprozesse und immunologische Prozesse maßgebend und müssen umfassend in das Behandlungskonzept einbezogen werden.



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