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Ausgabe Januar 2007
Kuschelparty

Irma Dilba-Burnautzki bietet regelmäßig Kuschelparties an. Über die dortigeSensibilisierung unserer Sinne schreibt eine Teilnehmerin.

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Um meinem Alltag zu entkommen und anderen Menschen zu begegnen, habe ich mich getraut, zu Irmas Kuschelparty zu gehen. Als ich aber die fremden Menschen sah, bekam ich Herzklopfen. Da ich nichts zu verlieren hatte, folgte ich dem Programm. Anfangs wurden Regeln verbindlich vermittelt, wie z.B. nicht sexuell zu begrapschen, was mich beruhigte. Bewegung, Begegnung und Abgrenzung war angesagt, dazu ein spielerisches Programm. Irgendwie ‘turnte’ es mich an und Lockerheit breitete sich allmählich aus.



Frauen fühlen Männerhände

Wir Frauen sollten einen Kreis bilden und uns auf Sitzkissen niederlassen. Augenbinden wurden verteilt. Blind sollten wir Hände empfangen, sie ertasten und Aussagen über den Menschen treffen, der zur Hand gehörte. Das war mir unheimlich, denn ich wollte keinen verletzten oder jemandem zu nahe treten. Zuerst habe ich auf das gelauscht, was die anderen sagten, um zu wissen, wie es geht. Eigene Aussagen zu finden, war am Anfang für mich sehr anstrengend. Aber dann ist mir doch noch was eingefallen. Zu gerne hätte ich den Menschen gesehen, dessen Hände ich hielt. Plötzlich hieß es, den Partner zu wechseln. Die ersten Hände haben sich mit einem festen Druck verabschiedet, was sich sehr angenehm anfühlte. Nach einer Weile kamen Hände zu mir, die sich wie Schaufeln anfühlten mit einem festen Händedruck: kräftig, stark und bestimmend. Die Worte sprudelten mir nur so aus dem Munde, meine ursprüngliche Unsicherheit hatte ich vergessen. Ich war überrascht über meinen Mut, Aussagen über einen mir völlig unbekannten Menschen zu treffen. Der nächste Partner kam. Seine Hände fühlten sich wie Frauenhände an. Ich wusste, es konnte keine Frau sein, aber mein Gefühl war eindeutig. Mir fielen überwiegend Fraueneigenschaften ein. Dann sollten wir unsere Augen öffnen und ich sehe tatsächlich einen Mann vor mir. Zu meiner Überraschung fühlte sich der Mann von mir richtig wahrgenommen.



Männer fühlen Frauenhände

Jetzt wurde gewechselt: Die Männer sollten sich die Augen verbinden und die Frauen suchten sich den ersten Partner. Super gespannt und mutig setzte ich mich hin, überreichte meine Hände und das Blut schoss mir ins Gesicht. Die Worte, die ich über mich zu hören bekam, wühlten mich regelrecht auf. Beim zweiten Partner war ich etwas gelassener, dabei realisierte ich, dass es hier nicht um Verletzungen ging, sondern nur darum, aus sich herauszukommen. Erst beim dritten Partner konnte ich differenziert zuhören, was mir gesagt wurde.



Beim anschließenden Austausch kam ich mit viel mehr Menschen in Kontakt als denen, die meine Fühlpartner waren. Diese Begegnungen waren sehr stimulierend, interessant und bereichernd. Ich freue mich auf die nächste Kuschelparty.



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